Der XPT
Es nieselte draussen, als ich das „Rendezvous Hotel“ verliess. Es ist perfekt gelegen, sehr sauber und modern im alten Gebäude – es war ein sehr angenehmer Aufenthalt.
Ich wäre gerne zu Fuss zur Southern Cross Station gegangen. Aber mit feuchten Kleidern ist das Reisen dann kein Vergnügen – also gehe ich über die Strasse und nehme die Metro…
Der XPT steht auf Platform 1 (Normalspurgeleise) und das Zugspersonal „bewacht“ den XPT. Die Passagiere müssen auf dem Perron warten, das Personal gibt sich geschäftig, wer ein Funkgerät in der Hand hält ist wichtiger als alle anderen…
7 Minuten vor der Abfahrt (!!!) darf man einsteigen! Das Personal wacht darüber, dass jeder den reservierten Platz einnimmt. Es sieht aus wie ein Prozedere in einem kommunistischen Staat…
Der XPT fährt mit wenigen Minuten Verspätung aus dem Bahnhof hinaus – etwas schneller als ein Fussmarsch, aber nicht viel. Er muss über unzählige dieser 3-Schienen-Weichen fahren, bis er endlich ausserhalb des Bahnhofs ist und auf dem „eigenen Geleise“ fahren kann.
Die sogenannte „First Class“ unterscheidet sich nur durch eine etwas grössere Beinfreiheit aus – die Sitze sind die gleichen und im heutigen Zug sind fast alle Plätze belegt. Für K ist der XPT eine Plage…
Der Komfort eines Zuges hängt aber auch von der Qualität der Geleise ab. Diese ist in Victoria perfekt und man könnte vermutlich mit ein paar Anpassungen eine High Speed Line (240km/h oder mehr) machen, denn die Topografie ist mehr oder weniger topfeben.
Der Wagenbau ist aber ebenso entscheidend. Die Wagen zwischen den beiden Lokomotiven sind gut gefedert und laufen ruhig, aber der Fahrzeugunterhalt an diesen 30 Jahre alten Zügen ist etwas ungenügend. In der kleinsten Kurve ächzt und rattert das Drehgestell unter mir und ein Radsatz hat eine plattgeschliffene Stelle. Man müsste sie verschrotten oder total revidieren…
Wir haben soeben Albury passiert und sind nun auf Geleisen der NSW TrainLink. Was für ein Unterschied – die Topografie ist immer noch dieselbe, das Tempo niedriger und es schüttelt wie auf dem „Overland“. Vielleicht müsste man zuerst an der Spitze des Unternehmens „aufräumen“…
„I will tell the mechanic…”
sagt der Zugführer zu mir, nachdem ich ihm erklärt habe, dass die Geräusche aus dem Drehgestell unter mir nicht ein kleines, sondern ein gröberes Problem seien.
Ich könnte ihm erklären, woher dieses sehr laute Rattern in den Kurven kommt, aber er ist wohl kein Techniker und so mache ich es kurz – aber mit dem nötigen Ernst.
Ich hoffe, dass seine Worte nicht leer waren, sondern dass er wirklich dem Mechaniker sagt, dass dieser Zug ein Problem hat. Wenn das Geräusch vom Auflager des Drehgestells kommen sollte, dann kann es beim Einfahren in eine Kurve blockieren und dann springt das Drehgestell aus den Schienen. Ich möchte dann nicht in diesem Zug sitzen…
(Der Versuch das Knarren aufzunehmen ist leider gescheitert – ich muss noch viel lernen…)
Es weht ein eisiger Wind durch Goulburn
Ich muss nicht lange suchen – das Chinesische Restaurant ist gleich neben meinem Hotel. Dieses ist ein Pub mit Zimmern im ersten Stock, einfach, 800m vom Bahnhof entfernt und mit „Blick in den Hinterhof“. Das hat an einem Samstagabend einen Vorteil – man ist etwas lärmgeschützt gegen die „Kids“ in den röhrenden, übermotorisierten Autos…
Ich mache noch einen kurzen Stadtbummel um meine geschundenen Knochen und Gelenke wieder etwas „gängig“ zu machen.
