Ich habe natürlich zwei „Kultstätten“. Ihnen galt am Freitag mein erster Besuch: Ursi’s Mangobaum und meine Bienenvölker.
Das Wetter in den vergangenen 11 Tagen war in King Creek sommerlich mit einigen leichten Regenschauern. Das mögen Mangobäume und darum sieht Ursi’s Mangbau, auch prächtig aus. Aber auf jene drei, die ich in Gary’s Garten gepflanzt habe, machen neue Trieb, sodass ich die „Ersatzteile“ wohl nicht brauchen werde.
Es riecht nach Honig
Wenn ich jetzt in die Nähe der beiden Bee Boxes komme, dann tauche ich in eine intensive Wolke von Honig ein. Eigentlich könnte ich darauf verzichten den Deckel der Boxen zu lüften, um den Fortschritt zu überprüfen. Man riecht ihn…
Und zweitens herrscht ein geschäftiges Treiben. In der Purple-Box ist der Platz in den beiden Boxen schon so geschrumpft, dass die Bienen bereits im Super Honig lagern. Das gibt im Herbst eine „gute Ernte“.
In der Blue-Box wohnen natürlich noch nicht viele Bienen. Die ersten dürften in den letzten Tagen geschlüpft sein und nun wird dieses Volk sehr schnell wachsen.
Aufstocken…
Bert hat in meiner Abwesenheit beide Boxen inspiziert und ist des Lobes voll. Ich müsse unbedingt einen Super aud die Blue-Box aufbauen und einen Queen Excluder dazwischen legen, damit die Bienen den Honig „dort oben“ lagern und die Queen keine Eier dort ablegen kann. Auch aus diesem Bienenstock riecht es mittlerweile intensiv nach Honig.
Ich will meinen eigenen Honig…
Bert hat mir schon ganz zu Anfang versprochen, dass er meine Frames schleudern werde, wenn er bei seinen Bienenvölkern den Honig gewinnt. Dadurch würde sich allerdings „mein“ Honig teilweise mit seinem vermischen… Nicht dass sein Honig etwa weniger gut wäre, aber er ist mit Sicherheit anders. Denn seine Bienen holen sich den Nektar vorwiegend aus dem nahegelegenen Wald und er ist saisonal sehr unterschiedlich.
“Meine“ Bienen holen sich den Nektar und den Pollen vorwiegend aus den Blumen und den verschiedenen Sträuchern aus den Gärten der umliegenden Häuser.
Und darum werde ich nun meine eigene Zentrifuge, mein eigenes Sieb und meine eigene Abfüllstation kaufen. Auch wenn das „wirtschaftlich“ keinen Sinn macht. Aber da bin ich nun einmal ein bisschen egoistisch…
Honey for free?
Bert hat immer wieder Besucher, die sich Honig gratis abholen. So nach dem Motto „die Bienen machen ja die Arbeit, warum soll ich für den Honig bezahlen?…“ Bert ist gutmütig und hat sich noch nie beschwert. Aber Chris seine Frau sagt zu Recht, dass Bienen pflegen zwar ein Hobby ist, dass es aber mit ziemlich viel Arbeit verbunden ist und dass darum auch unter „etwas entfernteren Freunden“ ein vernünftiger Preis gerechtfertigt ist.
Ich habe beiden den Vorschlag gemacht, dass ich Ihnen eine gut gestaltete Preisliste machen werde, um jene abzuhalten, welche sich mal schnell ein Glas Honig „besorgen“ wollen. Das ist auf breite Zustimmung gestossen – und nun mache ich eben auch noch Etiketten und ein „Honey Marketing“…
Verlorener Schwarm
Am Mittwoch letzter Woche ist ein Bienenvolk aus einem Hive von Bert ausgeschwärmt. Der Schwarm war nicht allzu gross, aber ich „hätte ihn genommen“, wenn er nicht wieder 25 Meter hoch oben in einem Euklayptusbaum gehangen wäre.
Bert hat mit allen möglichen Tricks versucht, diesen Schwarm in eine der bereitgestellten Boxen zu locken. Leider Erfolglos – der Schwarm hat sich in den grossen Wald verzogen und ward nicht wieder gesehen.
Kleininserat im IGA
Wenn ich in den nächsten Wochen keinen Schwarm von Bert erhalten kann, dann greife ich zu anderen Mitteln. Ich verfasse ein kleines Inserat im IGA Supermarkt mit dem folgenden Titel: „Bee Swarm in your Garden? Call Karl Mobile 04 55 55 00 68“
„Mr Cranky“ ist ein junger Tawny Frogmouth (Podargus strigoides). Er ist schon ziemlich gross, kann aber noch nicht auf seinen Füssen stehen. Er muss erst noch lernen, sich auf einem Ast, einem Zaun oder einer Dachrinne festzuhalten. Fliegen kann er auch noch nicht… denn er ist vor ein paar Tagen aus dem Nest gefallen.
Und weil er eben noch „am Boden“ lebt, hat er in der Vogelkrätze das „Parterre“ für sich. Er frisst in der Natur Kleintiere und jagt in der Nacht. Und weil Susanne in der letzten Zeit etwas viel Nachtschicht geschoben hat, muss er sich mit ein paar Stückchen Fleisch am Morgen und am späten Abend zufrieden geben…
Wenn er schon gross wäre, dann würde er den Bewohner des dritten Stockes gleich mal verspeisen. Aber es wird noch ein paar Wochen dauern, bis er zum ersten Mal auf seine nächtlichen Raubzüge gehen (fliegen) kann.
Seinen Namen verdankt „Mr Cranky“ seinem etwas böse klingenden Krächzen, wenn er Susanne mit dem Futter sieht. Und ein bisschen „gfürchig“ sieht er eben schon aus.
Fluffy
“Fluffy“ sieht ziemlich zerbrechlich aus und liegt in einem Nest aus Heu und einem Stück Haushaltpapier. Sozusagen seine Windeln. Auch Fluffy ist viel zu früh aus dem Nest gefallen und muss nun hier zu Kräften kommen, tapfer fressen und dann das Fliegen lernen.
Fluffy ist ein PeeWee (Magpie-lark oder Grallina cyanoleuca). Wenn Sie unverletzt sind, dann kann man sie mit kleinen Stückchen Fleich durchfüttern. Aber sie mögen eigentlich lieber Würmer. Da wir im Moment keine neuen Pflanzen einsetzen und darum keine Löcher graben müssen, stehen die Würmer eben nicht auf der Speisekarte…
Pinky Number One
Jane hat ein gespaltenes Verhältnis zu diesen Vögeln. In der Natur sind sie gerne und häufig gesehene Gäste, besuchen regelmässig das „Bird Bath“ und trinken Wasser. Sie sind meistens zu zweit oder in einer Gruppe unterwegs.
Aber im Käfig machen sie viel „Sauerei“. Sie fressen und schütteln den Kopf, sodass das „Müesli“ in alle Richtungen fliegt und ihren Kot versprühen sie in hohem Bogen hinter sich…
Ich habe einen Teelöffel „umbauen“ müssen, sodass der Löffel nun die Form einer Rinne hat und der Galah (Eolophus roseicapilla) sein Müesli „etwas anständiger“ fressen kann. Der heutige „Jungfernflug“ in der Küche hat er bestanden und darum darf er morgen in die Freiheit. Dann muss er sich seine Körner selber suchen und wenn er sich ein bisschen „vernünftig“ verhält, dann kann er bis zu vierzig Jahre alt werden. Good Luck Pinky Number One…
In Bundanoon ist alles noch etwas „einfacher“. Fast so, als sei die Zeit hier hinten stehen geblieben. Das „Geschäftsviertel“ hat eigentlich nur eine Seite. Die andere Seite bildet die Eisenbahnlinie Melbourne – Sydney. Um 7:15am verirren sich nur Lieferanten hierher. Oder ein paar Pensionierte, welche ihr frisches Brot fürs Frühstück holen.
Bundanoon liegt 670 müM in einer leicht hügeligen und sehr grünen Gegend, den sogenannten Southern Highlands of NSW. Anfangs des letzten Jahrhunderts war es eine „Sommerfrische“ für Leute aus Sydney. Das ist es heute wieder, aber nur für Leute, welche die Häuserpreise noch bezahlen können…
Wer vor 100 Jahren im Bundanoon Hotel abgestiegen ist, konnte Luxus pur geniessen. Wer heute hier absteigt macht eine Zeitreise zurück und muss froh sein, wenn er ein Zimmer bekommt mit eigenem Bad… Aber ein Erlebnis ist es immer noch!
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Suburbs…
50 Kilometer vor Sydney bekomme ich Hühnerhaut. Die Landschaft füllt sich mit Häusern, Shopping Centers und Industriebauten. Wer hier wohnt hat keinen Platz für einen Shed. Für einen Pool reicht es nur bei den „Meh-Bessere“. Das wäre ein absolutes No-Go für mich und einen Grund für sofortige Flucht… Unverständlich für mich, wie man hier wohnen kann…
Ketchup-Horror
Es ist kurz vor Mittag, der EXP hat soeben Sydney verlassen und nun strömen sie zum „Buffet“. Zurück kommen sie mit feurig heissen Pies. Sie dampfen nach Beef, Mushrooms oder anderen braunen Inhalten. Dann öffnen Sie die Ketchup-Portionen und schmieren diesen auf die heissen Pies. Nun vermischt sich diese Geruchskakophonie noch mit dem süss-sauren Geruch des Ketchup…
Ich bin froh, dass ich meinen Brezel schon auf dem Bahnsteig im Diesel-Duft der Intecity-Züge „genossen“ habe. Müsste ich jetzt an Essen denken, dann würde mir speiübel…
Ich war vor einigen Monaten im Dubbo-Zoo und habe dort den Schimpansen lange bei ihrem Lunch zugeschaut… Wenn man ihnen Pies gegeben hätte, dann würden sie diese wohl so gegessen haben, wie die beiden rechts von mir. Mit vorgebeugtem Kopf, nach hinten gezogenen Lefzen und schmierigen Fingern. Und weil es sich nicht vermeiden lässt, dass der Ketchup „eigene Wege geht“, putzen Sie die Überreste mit dem Handrücken von jenen Stellen, die eigentlich vom Einnehmen des Essens nicht betroffen sein sollten…
Ich bin kein Snob, auch kein Freund von McDonalds, eben irgend etwas „zwischen drin“. Hätte ich in meiner Jugend am Tisch so gegessen, hätte mich meine Mutter umgehend aufs Zimmer geschickt… ohne Aussicht auf eine volle Verpflegung.
In einer halben Stunde wird dieser Geruchshorror vorbei sein, der Zugbegleiter kommt mit dem grossen blauen Plastiksack und ruft ununterbrochen: „Any rubbish? Any rubbish?…“ und dann verschwinden die immer noch dampfenden Überreste dieser Pie-Orgie dorthin wo sie hingehören… in den Abfall.
Und wenn die Klimaanlage wieder „Normalklima“ geschafft hat, dann nehme ich den „Hazelnut Snail“ von Lüneburger aus dem Rucksack. Er ist geruchlos…
Zurück in die „Normalität“
Um 18:31pm wird meine Reise zu Ende sein. Dann holt mich Susanne vom Bahnhof ab. Vielleicht nicht in bester Stimmung, denn das kleine Wallaby, das sie vor ein paar Tagen zur Pflege erhalten haben, hat es nicht geschafft…
Gestern habe ich den westlichsten Punkt auf meiner Reise besucht. Seen ziehen mich an… Auch der Lake Wyangan gehört zu einem riesigen Bewässerungssystem. Kanäle ziehen sich durch dieses flache Land und künstlich angelegte See bilden die Reservoire für das kostbare Wasser.
Aber künstliche Seen haben etwas „totes“ an sich. Ihre Ufer sind unnatürlich und der ewig steigende und fallende Wasserspiegel lässt hässliche, etwas verschlammte Uferzonen zurück. Baden wird hier wohl niemand, aber an den Wochenenden sind die Liegewiesen und BBQ-Stellen sicher dicht belegt. Unter der Woche tun die Sprinkler ihr Werk, damit es schön grün bleibt.
Einen Segelclub gibt es auch. Vermutlich bringt aber jeder seine Jolle selbst mit, denn ein Bootshaus oder einen Hafen gibt es nicht.
Griffith am Morgen
Es ist noch nicht halb acht. Die Luft ist frisch wie Quellwasser und es ist noch ziemlich still. Die breit angelegte Banna Avenue ist fast leer, die Parkplätze sind frei und der breite Fussgängerweg unter den „Lauben“ ist leer. Nur an ein paar Orten scheint es „etwas zu geben“! Coffee! Auf dem Gehweg hat es genug Platz für Tische und Stühle und dort sitzen nun Gruppen von Männern. Das Waschhaus der Männer. Pensioniert oder ohne Job und mit viel Zeit. Mit jedem Neuankömmling schwillt der Geräuschpegel wieder an, als hätte man in ein ewig brennendes Feuer ein weiteres Stück Holz hinein geworfen.
Vor meinem Tisch kommen und gehen die Autos wie an einem Taxistand. Man holt sich seinen Coffee und eine Papiertüte mit etwas Frischem aus der Bakery. Jedermann fährt mit dem Auto hierher, um sich einen Mug zu holen. Ich möchte einmal wissen, wie viel Benzin oder Diesel an jedem dieser Pappbecher mit Kaffee „klebt“.
Später am Morgen ist dann „Lady-Talk“. Auch sie kommen mit dem Auto und Kindern. Der Geräuschpegel ist der Gleiche, die Themen vermutlich anders…
Bus fahren
Ein Ledersitz macht noch keine „Klasse“. Aber der Sitzabstand schon. Der ist für mich wirklich an der Grenze. Und wenn dann noch eine Chinesin neben mir sitzt, welche offenbar mit ihrem gesamten Haushalt unterwegs ist, dann werden die drei Stunden bis nach Wagga Wagga zur Durchhalteübung.
Die Busse sind durchwegs modern und soweit „bequem“. Aber die Strassen quer durch die Riverina sind schon etwas „abgenutzt“ und da hilft auch keine Federung. Es ist hart und holprig.
Der Fahrer scheint übrigens die gleiche Philosophie zu pflegen wie der Kollege von vor zwei Tagen. Mit ziemlich „deutlichen“ Ansagen macht er auf die Regeln aufmerksam. Wer mehr als Wasser trinkt, könnte Pech haben. Und wer aufs „Häuschen“ muss, der muss sich beim Driver melden, damit er anhalten kann und die Toilette freigibt.
Wagga Wagga
Laut Jane und Jenny (einer Freundin von Jane, welche hier wohnt und darum „Wagga-Jenny genannt wird) soll Wagga Wagga ein schreckliches Kaff sein und das Wohnen dort sei sozusagen eine Strafe.
Der Name dieses Ortes hat mich sei jeher irgendwie fasziniert. Aber auf keiner Reise bin ich jemals nach Wagga Wagga gekommen. Heute mache ich darum einen grossen Umweg nach Süden, um mir selbst einen Einblick zu verschaffen.
Ich habe nämlich gelernt, dass Australier gelegentlich ziemlich verschrobene Ansichten über gewisse Orte haben. Und wenn ich dann selbst dort bin, dann sehe ich die Sache jeweils etwas anders.
Wagga hat in den Vorstädten die gleichen „Concentration Camps“ wie alle anderen wachsenden Städte auch. Jeder blickt aus dem Küchenfenster auf den Blechzaun und wer keine Oropax in die Ohren stopft, muss sich das Bettgeflüster des Nachbarn „hautnah“ anhören.
Aber es gibt auch ganz hübsche Vorstadthäuschen mit Garten und Blumen und die Innenstadt ist durchaus attraktiv. Und das Klima hier (und heute) scheint sehr gut zu sein. Rund herum hat es ein paar Hügelchen mit Wald… Also wirklich kein Ort aus dem man nun flüchten müsste… und ausserdem hat Wagga einen wunderschönen Bahnhof und liegt sozusagen zwischen den Nabeln dieser Welt: Sydney und Melbourne.
„OhmyGod…“
Wer irgendwo sitzt (zum Beispiel in einem Coffee Shop) hat mit Sicherheit eine Schar von Frauen um sich herum und weil jede diesen Ausspruch zu Anfang eines jeden zehnten Satzes gebraucht – und alle immer durcheinander reden -ist das sozusagen ein omnipräsentes Wort. Ob es die Einleitung zu etwas Schrecklichem ist, oder die Bewertung eines herum gereichten Facebook-Föteli bleibt dem unfreiwilligen Zuhörer meist verschlossen.
Wenn Männer diesen Ausspruch einsetzen, dann kommt in der Regel ein „BS“ heraus. Zum Beispiel die Behauptung, dass sich einer (wie ich) auf seiner Reise nach Griffith in ein „Maffia-Kaff“ begebe.
Die Riverina Region
Westlich des Koshuszko National Park liegt eine riesige Tiefebene. Mitten hindurch schlängelt sich der River Murrumbidgee. Sein Wasser kommt aus den Snowy Mountains. Ein paar Stauseen in den Bergen speichern Trinkwasser. Was übrig bleibt – und das ist viel – wird an vielen Stellen abgezweigt und fliesst dann in ein gigantisches Bewässerungsnetz. Nur wer Zeit hat und anhält, kann anhand der kleinen Bewegungen der Wasserpflanzen in den Kanälen sagen, in welche Richtung das Wasser fliesst. Es hat immer die gleiche Farbe: grünlich-braun. Wer sich umdreht und versucht ein „Gefälle“ zu finden, kann höchstens erahnen, dass die Erde eine Kugel ist.
Dieses Gebiet ist sozusagen eine gigantische „Orangenfabrik“. Die Reihen der Bäume verlieren sich am Horizont. Dazwischen findet man Reisfelder. Und rund um Griffith herum wachsen die Reben auf unendlichen Flächen…
Wenn das Wasser grüner wird…
… dann fahren wir in die „Berge“. Irgendwo, nahe dem Quellgebiet war das Wasser wohl einmal „blau“ und glasklar. Je weiter es hier nach Westen fliesst, umso langsamer wird es und die Flussbetten werden schlickig. Das Wasser wird braun trübe.
Ich fahre vom knochentrockenen Outback heute in die grünen und hügeligen Gebiete. Zum ersten Mal hat es wieder Föhren und saftige Wiesen. Was für ein drastischer Wechsel…
Am richtigen Ort – aber zum falschen Datum…
In Moss Vale muss ich aussteigen. Mein Southern XPT aus Melbourne hält nicht an jeder Milchkanne! Also warte ich eine Stunde auf dem saukalten und windigen Bahnhof auf den Bus nach Bundanoon.
Im Hotel Bundanoon tauche ich ins vorletzte Jahrhundert ein. Im Grossen Buch der Reservierungen steht kein Scheuter… Dafür sind aber alle anderen Namen in einer Schrift geschrieben, die von jemand ganz altem stammen muss. Der Barkeeper ist heute Abend auch Hotelmanager und er scheint ein Problem zu haben… Er schaut sich meine Booking.com-Reservation an und dann wird alles klar. Ich habe am falschen Datum gebucht.
Nun muss er mit „einer höheren Instanz“ telefonieren und nach langem Hin-und-Her bekomme ich das Zimmer Nummer 1. Das Büro ist museal und amüsant unordentlich. Wenn ich mehr Mut gehabt hätte, hätte ich meine Kamera gezückt.
Über eine beeindruckende Treppe steige ich in den ersten Stock und öffne meine Zimmertüre. Nach alter Schule mit einem Schlüssel und grossem Anhänger. Ich habe Ausblick aufs Bahngeleise… das gibt eine Nacht mit „Musik“.
Ich lasse die Idee vom Chinesischen Znacht fallen und gehe in den Speisesaal. Auch das ein Schritt in die 20er-Jahre des Letzten Jahrhunderts. Der Weg führt über eine riesige Lounge, durch den riesigen Billard-Saal in den Speisesaal. Die Specials sind mit Kreide auf die Schiefertafel geschrieben. Auf der antiken Theke stehen drei Flaschen Rotwein. Entweder diesen, oder keinen… wer ein Bier will muss aufstehen und sich eines an der weit entfernt liegenden Bar holen. Frisch gezapft…
Es ist laut hier. Offenbar ist das der Ort, an welchem die „Einheimischen“ sich treffen und dann reden sie und reden und reden… Ich bin gespannt!!!
Das Richtige bestellt – das Falsche gegessen…
„Chicken Mushroom and Bacon“! Das nehme ich! Mit French Fries and Salad? Yes please!
Ich trinke einen hervorragenden Shiraz – Cabernet Sauvignon und warte geduldig auf mein Essen. Dann kommt es… Ich sehe kein Chicken und auch keine French Fries und auch der Salat scheint zu fehlen. Aber ich bin ein „offener Mensch“ und nehme einmal an, dass mit den Fries vielleicht die Nachos gemeint sein könnten und dass sich unter dem Käse vielleicht die Pilze verstecken. Und Guarcamole und Sauercream könnte ich ja im weitesten Sinne als Salat interpretieren… Aber nachdem ich den überbackenen Käse durchstochen habe, stosse ich auf ein mexikanisch anmutendes Hackfleisch…
Ich lebe Überraschungen… und dann kommt die junge Dame, welche mir mein Essen serviert hat mit ziemlich zerknirschtem Blick und sagt: „I’m so sorry, Sir…”
Ich lächle sie an und sage ihr, dass ich „ihre“ Menuewahl ausgezeichnet finde und dass mir dieses Gericht ausserordentlich gut schmeckt. Ich bestelle „zur Feier dieser Panne“ ein zweites Glas Wein und frage die Chefin dann, was ich denn gegessen habe: „Beef Nachos“. Es hat phantastisch geschmeckt und mich wird heute Nacht kein Güterzug mit 4 Dieselloks und 90 rumpelnden Container-Wagen (mit gegen 400 Achsen) aus dem Schlaf holen…
… ob ich in einem weichen oder einem steinharten Bett schlafen muss. Aber wenn das Kissen nicht passt, dann werde ich buchstäblich zur Prizessin auf der Erbse. Auf meinem Bett (lang genug) liegen 4 Nackenrollen, so dick wie Gas-Pipelines, aber nur eine Spur weicher. Darauf kann ich unmöglich schlafen. Also suche ich ein „Kissen“. Das gibt es nicht… Die Alternative sind dann zwei grosse Frotteehandtücher, die ich so zusammenlegen muss, dass sie als Kopfkissen dienen können.
Griffith – Klein-Canberra?
Der Blick auf den Stadtplan ist verblüffend. Vom Layout scheinen sie viele gemeinsame Elemente zu haben. Und das Blättern in der Griffith-Broschüre bringt es dann an den Tag. Griffith ist nicht alt. Erst 1916 war die Stadtgründung und der „Baumeister“ heisst: Walter Burley Griffin. Der Gleiche, welcher Canberra entworfen hat. Auch Griffith ist grosszügig angelegt und hat einen riesigen, zentralen Kreisel, von welchem aus die Stadt L-förmig angelegt ist. Aber Griffith hat keinen See, dafür aber den Main Canal, welcher um diesen Kreisel herum führt und die Lebensader für die umliegenden Wein- und Frucht-Anbaugebiete ist. Ohne dieses Wasser aus den Snowy Mountains und den den Great Dividing Ranges gäbe es hier einmal im Jahr Wasser – und danach nur noch Dürre…
Jene, welche in Canberra leben (müssen), werden mich jetzt in der Luft zerreissen: Griffith hat ein sauberes, einladendes und und lebendiges Stadtleben. Allerdings keine Fussgängerzonen, dafür aber keine Beschallung mit blöder Musik und ein „bisschen“ Strassenlärm.
Wine Tastung ist schwierig…
Ich fasse mein Mietauto und fahre gleich mal zur Berton Vineyard. Nun beginnt ein schwieriger Prozess. Ich kann hinter einander höchstens drei Weine degustieren, lieber nur zwei. Und danach brauche ich eine Pause.
Bevor ich mir ein Glas einschenken lasse, sage ich jeweils was ich mag und was ich nicht mag: Red vine, full-bodied, fruity, long tail, locally grown. Und dann passiert etwas Interessantes. Die Damen sagen alle: Yes, I like it this way, taste my favourite…
Nun muss ich aus zweien eine Auswahl treffen. Das hat nun bei drei Wineries zu sehr guten Ergebnissen geführt. Nur einen musste ich „auf die Seite stellen“. Einen habe ich gekauft. Den werde ich heute Abend in aller Ruhe nochmals versuchen…
4 / 6
Auf in die zweite Runde…
Warum bin ich eigentlich in Griffith? Erstens weil dort die Eisenbahnlinie endet (an Samstagen…) und zweitens weil ich einmal „Italian Style Wines“ degustieren wollte…
Nun habe ich drei Wineries „hinter mir“ und die Weine waren unisono sehr australisch. Darum bin ich heute Nachmittag auf der Suche nach einem „Chianti Made in Australia“. In der „Warburn Estate Winery“ erkläre ich der Dame, was ich mag. Sie wiegt den Kopf hin und her und will gleich alle 6 offenen Flaschen präsentieren. Nun halte ich ihr meine Hand hin, erhebe zwei Finger und sage: Only two… sie wiegt den Kopf wieder hin und her und füllt das Glas mit einem „Montepulciano“. Das muss es sein, schiesst es mir durch den Kopf. Ich rieche, rieche zweimal und nehme einen Schluck. Ich blicke die Dame an und schüttle den Kopf…
Den „Lagrein“ lasse ich gelten. Es ist ein „australischer Wein“. War also die Reise nach Griffith eine Enttäuschung? Nein, aber lehrreich. Wenn man hier wohnt, sollte man Australische Weine trinken. Sie sind Spitzenklasse. Man kann auch mittelmässige haben…, aber wenn man sich in der Preisgegend von 15 – 20 AU$ bewegt, dann trinkt man sehr gute Weine. Und wenn man dann wirklich einmal einen guten Chianti oder einen Rioja trinken will, dann hat Dan Murphey ein Riesenangebot an importierten Weinen.
Die seltsamen Degustationsmethoden des K
Wenn ich einen Wein degustiere, dann beginnt das im „Cellar“. Und wenn er mich anspricht, dann nehme ich das Glas und gehe nach draussen. Ich hole tief Luft, lasse die warme Luft auf mich wirken und dann nehme ich wieder eine Nase voll. Und wenn auch das stimmt, dann nehme ich einen weiteren Schluck.
Das hat bisher keine der Damen zu einer Frage animiert. Aber Theresa (keine Italienerin) hat sich für dieses Verfahren interessiert. Wir stehen draussen und diskutieren den Einfluss des Raumklimas auf das „Munden“ des Weines. Sie hört sich meine Theorie interessiert an und sagt dann, dass sie noch nie auf diese Weise Wein degustiert habe. Sie werde das nun selbst einmal versuchen…
Fortified Wines
Soll ich nun wirklich nochmals ins Auto sitzen und zu einer Winery fahren? Sherry oder Port sind geschützte Namen und daher das Akronym „Fortified Wines“.
Gelegentlich, wenn es in unserem Winter am Abend etwas kühler wird und es mich nach dem Sprung in den Pool etwas „chilly“ dünkt, dann ziehe ich den Faserpelz über den Kopf und rolle mich zusammen. Hätten wir ein Cheminée, dann würde ich dieses anzünden. Als Ersatz genehmige ich mir dann jeweils einen „Sherry“. Der muss kräftig und süss sein. Die McWilliams Winery preist einen solchen an und darum bin ich nochmals unterwegs…
10 Jahre alt ist dieser Grand Tawny und vom Feinsten. Ich habe zwar keinen Platz in meinem Köfferchen, aber wo ein Wille ist, da findet sich auch ein Platz für diese Flasche. Mit Paul rede ich lange über süsse Rotweine und den Unterschied zwischen Australischen und europäischen Weinen. Ich versuche noch einen „Fruitwood Red“ und dann hat meine Begeisterung keine Grenzen mehr. Ich schreibe mich als Club Member ein und wenn ich zuhause bin, dann bestelle ich gleich einen Karton für mich…
Egal ob die Dame rot geschminkte Lippen hat, jede Menge goldene Ringe an den Fingern trägt oder in den knappen Shorts am Frühstückstisch sitzt, eines ist ihnen gemeinsam. Man sieht ständig den Fortschritt des Kauprozesses durch den meistens offenen Mund. Anders geht das nicht, denn schliesslich müssen sie ja gleichzeitig reden. Dass dabei nicht immer alles im Kauapparat bleibt scheint physikalisch logisch zu sein. Und wenn sich dann ein Stück Bratspeck weit hinten zwischen die Backenzähne verklemmt hat, dann öffnen sie den Mund noch weiter und holen dieses Stück mit den Fingern wieder heraus…
Die Herren überbieten dieses Schauspiel noch mit gelegentlichem, lautem Husten über den Frühstückstisch…
Das ist ein wahrhaft schauerlicher „Einblick“ in die Australische Kultur. Offenbar sind nicht nur die Convicts ohne Manieren in diesen Kontinent eingewandert, sondern auch Heerscharen von Menschen aus Europa, welche ihre Tischmanieren beim Verlassen ihrer Heimat zurück gelassen haben – falls sie jemals solche gehabt haben sollten.
No Brekkie?
Ich stehe vor dem Burbury Hotel und will durch die Drehtüre. Geschlossen. Auch die Türe daneben lässt sich nicht öffnen, aber offenbar hat mein Rütteln an der Türe einen Angestellten wach gerüttelt. Ich fahre in den 7. Stock, um dort mit bester Aussicht über Canberra mein Überleben zu sichern…
Aber im Speisesaal hat es weder Tische, noch Stühle! Ich will gerade mit dem Lift wieder an die Reception fahren, da erfahre ich vom Wachgerüttelten, dass das Hotel heute geschlossen sei und ich über die Strasse ins Hotel Ostani gehen soll, dort gäbe es Frühstück…
Endlich wieder reisen…
Ich komme mir langsam vor wie ein „Stadtwanderer“. Es ist Zeit, dass ich wieder einmal reise. Heute ausnahmsweise nicht mit der Bahn, sondern mit dem Bus. Erstens weil zwischen Cootamundra und Griffith der Zug nur am Wochenende fährt. Am Samstag hin und am Sonntag zurück! Zweitens habe ich mich so organisiert, dass ich wenn möglich eine Strecke nicht zweimal durchfahren muss.
In der Train Station von Canberra fährt auch der Überlandbus ab. Der Driver nimmt es ziemlich gemütlich und bis alle Passagiere (es sind nur 9) „aufgeladen“ sind, haben wir schon mal 8 Minuten Verspätung… er hält auch noch in der City und dort dauert das Beladen so lange, dass wir seit fahrplanmässiger Abfahrt bereits 35 Minuten unterwegs sind…
In Yass Intersection „kreuzen“ wir die Bahnlinie Sydney – Melbourne und schon steigt die Hälfte der Passagiere wieder aus.
Es wird offener…
Seit dem Yass Valley sieht die Landschaft wieder sehr viel „australischer“ aus. Flache, sanfte Hügel, viel Grasland (schon ziemlich dürr), vereinzelte grosse Bäume, kleine Tümpel mit Wasser für die Tiere und Schafe. Aber auch abgemähte Raps-Felder und Hafer-Felder, bereit zum Ernten.
Cootamundra
Wenn ich nicht mit dem ÖV unterwegs wäre, würde ich wohl kaum in Cootamundra einen Cappuccino trinken. Aber weil ich hier auf den Bus nach Griffith umsteigen muss und 2 1/2 Stunden Aufenthalt habe (theoretisch, denn die Verspätung hat der Bus nicht aufholen können), kann ich mir dieses „Nest“ ja einmal ansehen…
Das Rezept der Apothekerin
Mir brennt nun seit drei Stunden das Sauerteigbrot Löcher in die Speiseröhre und ich brauche dringend eine Pharmacy. Ich spaziere dem langen Park entlang und komme auf direktem Weg in das „Town Center“. Dort befindet sich die Apotheke und nachdem ich mein Gaviscon eingepackt habe, frage ich die Apothekerin noch nach einem Rezept: Coffee Shop? Dass ich kein Einheimischer bin, erkennt sie sofort. Sie geht mit mir an die Türe und zeigt nach links. Dort sind 3 Coffee Shops zu finden (sie bezeichnet sie alle mit Namen) und dann wendet sie sich nach rechts. Dort hat es nur einen. Ich nehme die Richtung nach links. In Helen‘s Coffee Shop bekomme ich meinen Cappuccino und einen „Golden Gaytime Cake“. Mein Verstand sagt mir nun, dass ich zuerst ein Gaviscon zerkauen sollte und dann erst in den Cake beissen soll. Aber „das Fleisch ist schwach“ und ich stürze mich auf den Cake. Herrlich…
Irgendwie strahlt dieses Cootamundra eine ländliche Gemütlichkeit aus. Es hat kaum Verkehr, die Coffee Shops sind gut besucht und wer unterwegs ist, hat scheinbar viel Zeit. Die Hauptstrasse ist eine typische Mischung aus alten Häusern (ab 1880), moderneren Bauten und den unumgänglichen Woolworth, Coles und Co…
Es ist 26°C warm, relativ trocken und saugemütlich. Ich bin wieder dort, wo es mich immer wieder hinziehen wird. Weit weg von der Küste schon fast im Outback…
Hoch-Zeit für Schafe?
Der Marktpreis für Merinowolle hat sich seit Mitte 1999 mehr als vervierfacht. Laut Aussagen von Textilfabrikanten, hat Wolle in einigen Weltmarktgegenden wieder an Bedeutung gewonnen. Die Nachfrage nach qualitativ hochwertiger Wolle ist gestiegen, ebenso die Preise für die entsprechenden Kleider. Das gibt vielen Schaffarmern wieder Aufwind, nachdem vor fast 15 Jahren viele Merino-Farmer aufgeben mussten. Ausserdem ist geschoren werden immer noch besser als auf Lastwagen und Schiff in arabische Schlachthöfe zu fahren…
In Ariah sind die Chips futsch…
„No Food, No Drinks, No Smoking“ steht gross an der Türe des TrainLink-Busses angeschrieben. Wer solches mitführt, dessen Tasche wandert ins Gepäckabteil. Ich sitze schon im Bus und kann dem Beladen zusehen. Chris – der Bus Driver – sieht aus wie ein Sheriff aus Texas. Er mag keine Afghanen, auch keine asiatischen Ladies, keine Aboriginees und solche, die vor der Abfahrt noch schnell einen Zug aus der Hanf-Zigarette ziehen schon gar nicht.
Vor der Abfahrt erklärt er nochmals die Regeln (siehe oben). Wer gegen diese verstosse, werde auf die Strasse gestellt (… will be kicked out…).
In Ariah ist es dann so weit. Chris hält den Bus an, steht auf und geht nach hinten. Dort holt er sich einen geöffneten Chips-Beutel eines Fahrgastes und legt ihn dann vorne bei sich in ein Ablagefach. Der Unbelehrbare darf zwar sitzen bleiben, bekommt aber eine Standpauke…
War ich schon mal in Griffith?
Irgendwie kommt mir diese flache Gegend bekannt vor. Eigentlich sind es keine Wein“berge“, sondern eher Wein“flächen“. Und vielleicht sehen sie letztlich alle gleich aus. In der Mitte stehen riesige Wellblechgebäude und ebenso riesige Chromstahltanks. Und rund herum sind die Bewässerungskanäle zu sehen, aus denen die Unmengen an Wasser bezogen werden, um diese Produktionsflächen zu bewässern. Wenn wir weiter fahren würden, dann würde der Bus in Mildura enden, wenn er auf dem Highway nach Osten fahren würde, dann käme er nach West Wyalong. Und diese Strecke habe ich schon mal befahren. Gut, dass ich für mich Blogs schreibe und nachlesen kann…
Morgen fahre ich mit dem Mietauto durch die Wein“felder“…
Aboriginal People sind mir fremd. Manchmal erscheinen sie mir sogar als bedrohlich. Das ist aber mein Problem, weil ich sie nicht verstehe und ihre Geschichte nicht kenne. Eigentlich müsste ich mich mit ihrer Geschichte beschäftigen, denn schliesslich wohne ich in einem Land, in welchem sie die Ureinwohner sind und ich zur Klasse der „Eingewanderten“ gehöre.
Und schliesslich fahre ich auf meinen Reisen durchs Outback auch immer wieder durch „ihr Land“…
National Museum of Australia
Ich habe mir schon vor Wochen vorgenommen die Austellung „Songlines Seven Sisters“ zu besuchen. Menschen haben seit Urzeiten versucht den Himmel zu deuten und ihre „Geschichten“ in den Himmel zu schreiben. Die Pleiaden – oder bei den Aboriginees „The Seven Sisters“ – sind ein Beispiel dafür.
Diese Ausstellung ist eine phantastische Wanderung durch eine der wichtigsten Sagen der Aboriginees in Form von Bildern, Songs, Kunstgegenständen und Geschichten. Ich habe heute zum ersten Mal den Eindruck, dass hier Aboriginees über sich selbst eine Ausstellung gemacht haben – und nicht „Weisse“ über Aboriginees berichten. Ich tauche ein in eine magische Welt – und hoffe am Schluss, dass diese einzigartige Magie erhalten bleibt. Ob und wie viel davon bei der „Integration“ der Aboriginees in die „Weisse Zivilisation“ verloren geht weiss ich nicht.
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The Apology – Kevin Rudd
Am 13. Februar 2008 hat sich der damalige Prime Minister bei den Aboriginal People und den Torres Straight Islanders für die unwürdige Behandlung durch die Australischen Regierungen entschuldigt. Das ist noch keine 10 Jahre her. Aber es war wohl für „beide Seiten“ eine längst fällige Erlösung und wenigstens ein Schritt in eine neue Zukunft. Diese Anerkennung und die Tasache, dass die Geschichte Australiens nicht mit der Besiedlung durch Weisse begonnen hat, das ist hier im National Museum of Australia eindrücklich spürbar.
Port Macquarie war Birpai-Land. 1821 wurde dieser Ort ein Gefangenenlager für Wiederholungstäter, die man in Newcastle nicht mehr unterbringen konnte. Die damalige Bevölkerung wurde „verdrängt“ und die Kämpfe waren heftig und unzimperlich. Heute sind die Aboriginees „gut integriert“, bilden eine kleine Minderheit und „machen keine Probleme“ (Zitat einer Stadtbewohnerin…).
Wo nichts war, musste man alles „herholen“
Canberra hat man aus dem Boden gestampft. Die Bilder aus der Zeit des Baues der Hauptstadt muten geradezu komisch an. Rund um das Old Parliament House nichts als gerodetes Land. Dass man dann all die Ministerien nach Canberra geholt hat, scheint logisch. Aber eine Kultur gab es hier trotzdem nicht. Und darum hat man neben Nationaltheater, Nationalmuseum, National-Zoo auch so seltsame Dinge gemacht wie etwa den Springbrunnen im Lake Burley Griffith „Captain Cook Memorial Water Jet“ genannt.
Versöhnungsversuch – gescheitert
Der See ist hübsch und es hätte Wind genug, damit ich mit „Amigo“ hier ein paar Seemeilen segeln könnte. Vielleicht hält die Lust auf Segeln an, bis ich wieder in meinem Shed stehe. Ich muss aber lernen, andere „Prioritäten“ auf die Seite zu schieben. Nicht meine starke Seite…
Ich bin auf dem Uferweg unterwegs in Richtung City. Ausnahmsweise freiwillig, weil der Weg ein Naturpfad ist und ich den Versuch starte, einen erneuten Eindruck von Canberra zu gewinnen. Ich bin ja nicht nachtragend…
Canberra wird von keinem Reiseanbieter in die üblichen Routenvorschläge aufgenommen. Canberra ist nicht auf Touristen ausgelegt und darum ist die Orientierung ziemlich schwierig. Wegweiser gibt es kaum und wenn, dann stimmen die Angaben nicht mit meinem Stadtplan überein.
Ich habe mich erfolgreich bis zum Busterminal und der City durch gewurstelt. Die Irrwege von gestern waren lehrreich.
Ich sitze nun in einem Coffee Shop. Die Fussgängerzone ist ziemlich schmutzig, es riecht nach asiatischen Gewürzen, Ketchup und Frittieröl. Jeder Schuppen beschallt seine Gäste mit seiner „Musik“ und darum schreien sich die Leute auch an, sonst würden sie sich ja nicht verstehen… Soll ich noch einen ätzenden Kommentar anhängen???
Bert hat gestern meine beiden Bee Hives inspiziert. Auf dem Bee Hive „Purple“ hatte ich bereits vor meiner Abreise einen „Super“ aufgesetzt. Dieses Bienenvolk ist offensichtlich so fleissig und „produktiv“, sie diesen zusätzlichen Platz zum Lagern des Honigs brauchen. Ich glaube, dass es im Herbst (etwa im März) zum ersten Mal Honig geben sollte.
Bert sagt, dass die Bienen im „Yellow“ so viel Honig sammeln, dass ich nach meiner Rückkehr auch dort einen „Super“ drauf setzen muss. Auch dort könnte es ein bisschen Honig geben…
An meinem rechten Oberarm, gleich über dem Ellbogen hat es noch eine heisse und leicht geschwollene Stelle. Es juckt nur noch gelegentlich… und ich habe meine Lektion gelernt…
Sauerteig und Schnittlauch
Ich frage nach dem Frühstücksraum. Der Livrierte steht hinter dem Desk auf und verwandelt sich in einen Verkehrspolizisten. Mit tausendfach geübten Handbewegungen zeigt er den Weg zu einem „fifty meters“ entfernten Hotel. Und weil es vor meinem Hotel noch eine Baustelle hat, sind die Handbewegungen ziemlich zahlreich. Es regnet gerade nicht und ich mache mich auf den Weg. Distanzangabe mit Faktor 5 multiplizieren…
Im 7. Stock findet sich dann der Frühstücksraum mit lauter Bumm-Bumm-Musik und Ton aus dem riesigen TV-Bildschirm.
Ich stecke die Brotscheiben in den Toaster und schon schiesst mir der Sauerteiggeruch in die Nase. Das Rührei ist mit Schnittlauch vergiftet und Käse oder Wurst gibts keine. Auch keinen Honig. Es regnet draussen und alles summiert sich zu einem düsteren Tagesanfang.
The Old Parliament House
Es ist noch stiller als gestern. Und nun stehe ich als erster Besucher des heutigen Tages im alten Parlamentsgebäude. Heute ist das ein Museum. Die Räume sind so belassen oder wieder hergestellt worden, als wären die Politiker und Staatsdiener einfach nur in ein neues Gebäude umgezogen.
6 / 10
Ich treffe die Leiterin des National Archives of Australia. Und weil der Tag noch frisch ist, führt sie mich durch die wichtigsten Dokumente der Australischen Staatsgründung. Irgendwann werden auch unsere elektronischen Akten aus dem Department of Immigration and Border Protection unter „ihren Fittichen“ landen. Und weil ich ein geduldiger Zuhörer bin, sagt sie mir am Schluss, dass ich nun vermutlich (zusammen mit mit meinen vielen Besuchen in Australien) mehr wisse als die meisten Australier. Aber sie werde nicht locker lassen, bis alle heutigen Schülerinnen und Schüler dieses Museum besucht haben…
Die Geschichte der „Integration of Aboriginal People“ ist hier umfangreich dargestellt. Irgendwie habe ich aber den Eindruck, dass sie als Erfolg dargestellt wird und dass man es vermieden hat, die dunklen Seiten dieser Geschichte darzulegen. Draussen vor dem Alten Parlamentsgebäude hat es ein Zeltlager und eine „Aboriginal Embassy“. Der Konflikt ist vielleicht nie ganz lösbar…
Die Bushaltestelle ist nicht dort, wo der nette Museums-Diener sie vermutet hat. Also bediene ich mich des billigsten „Verkehrsmittels“ und wandere im leichten Nieselregen über die lange Brücke ins City Center…
Canberra City oder Totschlagen des Samstagnachmittag
Man muss sich schon ziemlich heftig anstrengen, um ein noch unattraktiveres Stadtzentrum zu finden. Selbst wenn ich den Schlechtwetter-Malus abziehe, dann geht man hier nur aus schierer Notwendigkeit hin. Die Innenstadt ist weitgehend autofrei, aber ziemlich phantasielos. Diesen Ort muss man nicht gesehen haben.
1982 war noch fast nichts da. Alles schien etwas weit auseinander gezogen und die Beamten sind in den kurzen, blauen Hosen mit den weissen Kniesocken und den schwarzen Lederschuhen in die wenigen Fastfood-Läden gegangen, um ihr Sandwich zu holen. Canberra ist nicht wieder zu erkennen. Aber ein drittes Mal muss ich die City nicht sehen…
Wenn ich nun in diesem Wirrwarr noch den Bus-Terminal finde, dann flüchte ich ziemlich schnell. Aber wohin?
Ins Australian War Memorial
Meine Einstellungen zum Thema „Krieg“ sind hinlänglich bekannt. Ich könnte nun behaupten, dass ich die Allee bis zum neuen Pariament House auch einmal von der Gegenseite sehen wollte. Aber das stimmt nur teilweise. Seit der Harbour Cruise in Sydney ist mir bewusst, dass Australien 1942 massiv von Japanischen Luft- und Seestreitkräften angegriffen worden ist. Die Hintergründe waren mir nicht bekannt und darum dachte ich mir, dass ein bisschen Geschichtsunterricht nützlich sein könnte…
Und weil die ANZAC-Parade (Australian and New Zealand Army Corps) zu den Prunkstrassen von Canberra gehört, mache ich auch diesen Weg zu Fuss…
Australiens „Kriegsgeschichte“ ist lang und blutig. Die Ausstellung macht klar, welche Bedeutung diese Einsätze für die ältere Generation hatte. Fast alle Familien haben in ihren Reihen einen gefallen Soldaten. Die Ausstellung geht unter die Haut und sie vermeidet irgendwelche „Glorifizierungen“. Ich gehe mit nachhaltigen Eindrücken hinaus ins feucht-kühle Wetter hinaus…
“That’s another bus…”
Nun kann ich wirklich nicht mehr auf den Füssen stehen. Und ausnahmsweise befindet sich die Haltestelle dort, wo man mich hin geschickt hat. In 3 Minuten fährt der Bus. Danach müsste ich eine Stunde warten…
Er bringt mich in die City, aber nicht zum Bus Terminal. Ich finde nach langem Suchen dann doch dieses Terminal und frage einen Buschauffeur, ob das der Bus nach Kingston sei? „No, that’s another bus…“ sagt der Driver, der wie ein Pakistani aussieht.
Ich bin etwas frustriert und dann sehe ich einen Bus mit der Nummer 765 und die kommt mir bekannt vor… Ich nehme einen Spurt und der Fahrer bestätigt, dass er nach Kingston fahre…
Wenn ich „vor meiner Zeit“ aufstehen muss, dann bin ich immer etwas nervös. Und mit der Aussicht auf ein „Brekkie“ aus der Papiertüte und dem Pappbecher, wird mir vollends übel. Und wenn es dann noch nach Diesel riecht, dann ist der „Zapfen ab“. Das ist mein Morgen… Ich hole mir bei „Lüneburger“ (German Bakery) im Eingang der Central Station mein Brekkie und gehe damit auf Perron 4. Dort steht ein Triebwagenzug mit drei Wagen. Diesel-Antrieb. Das höre ich und das rieche ich. Die Türe zur First Class ist offen und Angestellte füllen gerade das Buffet mit Esswaren und Getränken. Über dem Eingang ragen die zwei Auspuffrohre in den Himmel und der blaue Rauch füllt das First Class-Abteil. Wie damals auf dem Militärlastwagen – nur dass die Sitze bequemer sind. Ich liebe Bahnreisen…
Gestern hat mein iPhone „gepingt“ und dann kam die Nachricht von NSW TrainLink, dass auf dem heutigen Zug nach Canberra die Zahlterminals ausfallen werden und dass man doch bitte genug Bargeld mitnehmen solle. Hier fährt keiner „anonym“ mit.
Netzausbau
Sydney wird weiter wachsen und damit auch die Verkehrsströme. Am Schienennetz des NSW TrainLink wird kräftig gebaut. Schienen und Weichen werden auf höhere Geschwindigkeiten ausgebaut und die letzten Strecken werden elektrifiziert. Die technischen Einrichtungen machen einen hervorragenden Eindruck.
Da der Güterverkehr vorwiegend auf der Schiene fliesst, haben die Güterzüge im Grossraum Sydney ihr eigenes Geleise. Sonst könnte man diesen extrem dichten Fahrplan für die Vorortszüge gar nicht realisieren.
Mein Zug ist zwar laut, aber erstaunlich schnell – wenn er genügend „Anlauf“ nehmen kann. Und es stinkt nicht mehr nach Diesel…
Kulissenwechsel
Die Vororte (das sind schon fast „Großstädte“) sind nicht wirklich schön. Aber irgendwo müssen diese Millionen ja wohnen, die täglich wie die Sardinen auf den Bahnsteigen stehen, um in die Innenstadt zu fahren. Schon weit draussen sind die Züge voll und wer näher wohnt, muss seine Fahrt stehend verbringen.
Wo weder Industrieanlagen noch Wohnbauten stehen, dort hat es leichte Hügel mit viel Wald. Erst ab Mittagong lichtet sich der Wald und die sanften Hügel sehen etwas „kahler“ aus. Aber saftig sind die Wiesen und Rinder und Schafe sehen gut genährt aus.
In Goulburn zweigt die Bahnstrecke dann von der Hauptlinie nach Melbourne ab. Ab hier fährt der Southern XPL nur noch auf einer eingleisigen Trasse. Und die Kurvenradien sind enger, die Geleise etwas „wackliger“, obschon das Gelände immer sanfter wird. Wer fährt denn schon nach Canberra??? Aber ganz kurz vor Canberra muss der XPL noch durch „hohe Berge“ fahren und ganz steilen abhängen entlang mit ganz scharfen Kurven. Und ganz langsam fahren, damit er nicht aus den Schienen springt.
Hübsche Wohnviertel
Ich gehe zu Fuss von der Railway Station bis zum Hotel. Das gibt mir gleich einen Einblick in die Wohnqualität von Canberra. Sehr gepflegt und ruhig – überhaupt scheint das ein ruhiger Ort zu sein. Da die Mehrzahl der hier wohnenden „Staatsdiener“ sicher Beamte sind, erstaunt mich das eigentlich nicht. Ausserdem bin ich im „Regierungsviertel“ untergebracht. Mit ein paar Nachteilen: es ist weit bis in die City…
MyWay
Canberra kann man nicht zu Fuss „erobern“. Die City liegt auf der anderen Seite des Lake Burley Griffin und die Stadt ist damals grosszügig angelegt worden. Nun muss ich also eine Tap On – Tap Off-Karte lösen. Aber die beiden an der Rezeption sind mit dem Auto auf die Welt gekommen und wissen darum nicht Bescheid. Im Internet finde ich dann eine Verkaufsstelle – auf halbem Weg zurück zur Railway Station… Nun könnte ich eigentlich den Bus zum Capitol Hill nehmen, wenn ich wüsste, welchen ich nehmen muss. Also gehe ich zu Fuss auf den „Berg“, in der wohl berechtigten Annahme, dass mich irgend ein Bus schon wieder in die Nähe des Hotels bringen wird.
Heute keine Parlamentssitzung
Die Eintrittskontrolle ins Gebäude ist vergleichbar mit jener auf einem Flughafen. Das Gebäude ist grosszügig, modern und etwas „kühl“ und die meisten Räume sind zu besichtigen. Ausser die Sitzungsräume der Regierungsmitglieder.
Das Wetter ist gewitterhaft und das prägt auch immer den Eindruck. Es ist dunkel, es donnert ununterbrochen und am Horizont fallen die Regenvorhänge. Ursi und ich waren damals bei schönem Wetter in Canberra und darum kann ich nicht auf Anhieb sagen, ob sich diese Stadt in den letzten 35 Jahren stark verändert hat. Wir haben jedenfalls noch das alte Parlamentsgebäude bestaunt. Ich setze mich morgen auf einen der weissen Steinquader vor dem alten Parlamentsgebäude…
Die Aussicht vom Dach über den alten Regierungspalast hinweg bis zum War Memorial ist beeindruckend und lässt die Grösse von Canberra erahnen.
Wenn ich diesen Regierungssitz mit dem Bundeshaus vergleiche, dann gibt es in keinerlei Hinsicht eine Ähnlichkeit. Hier Grösse und Moderne, dort Behäbigkeit und Tradition. Andere Welten…
7 / 9
Im Zweifelsfall die Füsse…
In der Zwischenzeit schiebt sich die Front über Canberra und es hagelt. Eigentlich bin ich fertig mit der Besichtigung und könnte nun mit dem Bus zurück. Aber weil mir niemand vom Personal sagen kann, ob der Bus an der Bushaltestelle „down the Road“ nach Norden oder nach Süden führt, warte ich geduldig das Ende des Hagels ab und gehe zu Fuss…
Ich will Fettuccine alla carbonara…
Ich wohne in Kingston. Das ist ein „Quartier“ mit einem „Lädeli-Zentrum“. Da gibt’s alles und insbesondere viele Beizen. Allein 4 Italienische Ristoranti. Die sind an einem Freitagabend offenbar ein Renner. Alle ausgebucht. Im dritten finde ich noch einen Platz an einem dieser hohen Tische mit Barhocker. Und es gibt, was ich mir in den Kopf gesetzt habe – und erst noch in erstklassiger Qualität.
Und weil ich nach einem guten Nachtessen gerne noch etwas Süsses mag, steche ich auf dem Rückweg in einen Food Store. Und was finde ich dort? Weisse Schokolade mit Haselnüssen von Ritter Sport. Besser kann der Abend nicht enden…
Eigentlich müsste es kein Problem sein im sogenannten Chinatown ein Chinese Restaurant zu finden. Es gibt viele… aber mein Blick ist wählerisch. Wenn auf den Tischen Messer und Gabel liegen und das Publikum nach Touristen aussieht, dann gehe ich weiter…
Hier im Emperors Garden steht der Boss beim Eingang. Klein, kräftig und mit dezidiertem Blick. Er wird mich nicht fragen, ob das Essen gut gewesen sei. Er weiss, was seine Küche leistet. Denn sonst würden ihm seine chinesischen Gäste längst davon gelaufen sein.
Ich trete ein und er begleitet mich an „meinen“ Tisch. Er weiss wo ich sitzen muss. Die Speisekarte ist ausgiebig und ich finde auf Anhieb mein Gericht: Chrispy Beef Peking Style. Und dazu ein Tsing Tao.
Mein Gericht braucht eine Weile, denn es muss frisch gebacken sein und darf nicht bereits in der Peking-Sauce pampig werden. Essen vom Feinsten – und weil es so gut ist, spielt das Ambiente eigentlich keine grosse Rolle. Und dass der Küchengehilfe später drei grosse „Red Bins“ durch den Speisesaal auf die Strasse karrt, ist eben Chinatown-Folklore. Am Circular Quay hätte ich nicht besser gegessen, aber vielleicht etwas „nobler“.
Der Boss ist ständig in Aktion und er sieht alles sofort. Auch mein leeres Tsing Tao… So muss ein Boss sein! Und zum Abschied bringt er mit meine Jacke, die ich über der Stuhllehne habe liegen lassen…
Noch eine Nacht im kurzen Bett
Eigentlich ist das unglaublich. In einem Hotel, in welchem die Nacht knappe 400 Dollar kostet, in einem Bett von 180 cm Länge liegen zu müssen. Theoretisch hängen dann 8 cm meiner Füsse „in der Luft“. In der Praxis sind es mehr und da hilft nur noch „diagonales Liegen“.
Auch sonst wird meine Bewertung auf „Booking.com“ mit einem ätzenden Spruch beginnen und nicht freundlicher abschliessen. Sollte ich wieder einmal in Sydney übernachten müssen, dann suche ich mir einen Vorort mit Bahnanschluss und bezahlbaren Preisen. Irgendwie regt sich in mir ein innerer Widerstand gegen diese Art von „Geschäfte-machen“. Aber solange wie hier Crews von Fluggesellschaften und Business People ein und aus gehen, wird sich nicht nur im Mercure, sondern auch in den anderen Hotels nichts ändern. Wer in einem knappen Markt das Angebot hat, der macht die Preise…
Royal Botanic Garden Sydney
Was ist königlich an einem Botanischen Garten? Irgendwie können es die Australier nicht lassen, immer wieder das englische Königshaus und darum ihre „Royale“ Abstammung einzuflechten.
Das Wetter ist paradiesisch und ich liebe diesen starken Wind. Es ist Donnerstag und darum sind die weiten Wiesen zwischen den „Themen“ leer. An Wochenenden muss man vermutlich mit seinem Picknick um einen Platz kämpfen.
Botanische Gärten haben etwas „Entschleunigendes“ an sich. Wenn ich mir nicht klar mache, dass ich bis am Mittag Zeit habe, dann werde ich wohl an den kleinen Dingen vorbei laufen.
8 / 18
Man muss diesen Garten „mit System“ durchwandern, sonst verpasst man das Beste. Und was das „Royale“ betrifft, so war dieser Garten einmal der Garten des Gouverneurs Palastes. Und wurde dem „gemeinen Volk“ geöffnet, damit dieses die einheimischen und die importierten Planzen kennen lerne…
Powerhouse Museum
Museen sind mühsam! Aber wenn sie gut gemacht sind, dann auch spannend. Hier im ehemaligen Kraftwerk für die elektrische Strassenbahn von Sydney, ist nun ein Technikmuseum untergebracht. Sehenswert anders, mit vielen Möglichkeiten zum Spielen und Erleben…
Ich kann kaum noch auf den Füssen stehen und darum mache ich nun eine „sitzende Heimreise“. Mit der Strassenbahn – Ja, man hat sie nach der Abschaffung der alten Strassenbahnen wieder neu erfunden – fahre ich bis Darling Harbour und dann mit der Fähre zum Circular Quay und von dort mit dem Sydney Train bis Central. Und wenn ich zwischen diesen Verkehrsmitteln nicht zusammenbreche, dann lande ich in anderthalb Stunden auf meinem viel zu kurzen Bett – mit den Füssen in der Luft…
Auf Italienisch bestellen
Das Ristorante Macchiato ist voll. Vor mir warten schon einzige Leute… aber als Single komme ich relativ rasch zu einem Tisch – mit bester Aussicht auf ein unglaubliches Gewühle. Bella Italia!!!
Ich bestelle auf Italienisch, das schafft gleich einen Bonuspunkt und ein freundliches Lächeln im Stress des Cameriere. Nur beim Vorschlag ein italienisches Bier zu bestellen, winke ich höflich ab. Könnte ja sein, dass es nicht besser ist als der Chianti vom Montag…
Nach Büroschluss strömt mir eine unglaubliche Menschenmenge entgegen. Sie wollen alle zur Central Station und ich will Richtung Circular Quai. Ich habe keine Ahnung mehr wo ich bin, ich weiss nur, dass ich geradeaus gegen diesen Menschenstrom laufen muss und dann komme ich irgendwann „ans Meer“. Auch hier sind die Strassen zu Baustellen mutiert. Auch hier werden Schienen für einen „Light Rail“ (ein Tram) verlegt. Ob das das Verkehrschaos wirklich lösen kann weiss ich nicht.
Plötzlich liegt alles vor mir, was Sydney ausmacht: die Harbour Bridge, die Ferries und die hässlichen Kreuzfahrtdampfer.
Das Sydney Opera House gehört natürlich auch dazu. Aber ich gehe nicht weiter, denn dieses Highlight spare ich mir für den nächsten Tag… statt dessen setze ich mich in ein italienisches Restaurant mit Blick auf das bunte Treiben auf dem Wasser, aber mit „knapper“ Speisekarte und mittelmässigem Chianti… Trotzdem irgendwie überwältigend…
Fexit 150
Offensichtlich bin ich allergisch gegen Bienenstiche. Das ist für einen „werdenden Bienenzüchter“ keine erfreuliche Erkenntnis. Mein rechter Arm juckt und ist sichtbar geschwollen. Ausserdem sind die 5 Einstichstellen sehr druckempfindlich.
Der Versuch mit dem Eukalyptusöl ist leider gescheitert. Darum greife ich nun zu meinen Antihistamin-Tabletten. Wenn die Anpreisung auf der Schachtel stimmt, dann müssten sie abschwellend wirken und den Juckreiz dämpfen…
Subway oder Mercure fürs Frühstück?
Bei 29.50 Dollar für ein Frühstück suche ich schon mal nach Alternativen. Aber als ich heute Morgen aufgestanden bin und mir den Tag zurecht gelegt habe, bin ich doch zur Ansicht gelangt, dass ich heute wohl noch genug auf meinen Füssen stehen und gehen werde, als dass ich das schon vor dem Frühstück üben müsste…
Das Fexit 150 wirkt. Langsam aber immerhin erkennbar. Die Schwellung ist deutlich zurück gegangen und es juckt nur noch leicht…
Sydney Opera House
Ich fahre mit dem Sydney Train an den Circular Quay und buche gleich einmal eine Rundfahrt durch die Sydney Bay. Mir fahren nicht nur Züge, sondern auch Schiffe immer vor der Nase ab. Auch heute und darum gehe ich nun zum Sydney Opera House.
Ich setze mich auf die Treppe – aber ohne Ursi ist das nur „eine halbe Sache“. Wenn ich das „berühmte Photo“ aus dem Jahr 1982 bei mir gehabt hätte, dann hätte ich vermutlich die gleiche Stufe wieder gefunden. Durch Abzählen der Stufen bis um Eingang…
ich gehe ins Box Office, aber heute spricht mich keine Veranstaltung an. Wenn ich wieder zuhause bin, dann studiere ich einmal den Veranstaltungskalender und wenn ich etwas finde das mich anspricht, dann buche ich. Schliesslich habe ich jetzt einen DiscoveryPass und mit dem fahre ich sozusagen gratis nach Sydney. Er sind ja nur 8 Stunden Bahnfahrt…
Für heute lasse ich einfach die Zeit verstreichen und grüsse aus der Ferne Ursi.
Harbour Cruise
Es ist noch längst nicht „Saison“, aber dieses Schnellboot ist in wenigen Minuten voll bis zum letzten Platz. Stehplatz für mich, denn unter Deck mag ich keine Bootsfahrten. Das Wetter ist herrlich, es bläst ein kräftiger Wind und ein paar hübsche Segelyachten pflügen mit weisser Bugwelle durchs Wasser. Ich habe noch ein kleines 8-Fuss-Dinghy im Shed. Vielleicht sollte ich das einmal umbauen, anstatt Bee Boxes zu bauen und mich verstechen zu lassen.
No „Climb“ but the „Walk“
Ich habe feurige Fusssohlen und brauche einen Cappuccino. In „The Rocks“ winken mir Süssigkeiten aus dem Schaufenster einer Bakery zu und dann setze ich mich hin. Ich weiss ja, dass Sydney teuer ist, aber das ist mir jetzt egal. Man findet nicht jeden Tag einen freien Tisch in The Rocks.
Gestärkt und mit dem Willen diese Harbour Bridge einmal über den Brückenbogen zu übersteigen, gehe ich ins Booking Office. „That’s 290 Dollar…“, sagt die Dame ohne rot zu werden. Meine Kreditkarte verschwindet sofort wieder im Portemonaie und bevor ich mich umdrehe, sagt die Dame noch, dass ich auch einen Helikopterflug buchen könne, das sei etwas günstiger…
Ich gehe zu Fuss über den Gehweg, basta. Aber beim ersten Pylon zieht es mich dann doch in die Höhe. Ich zahle die 15 Dollar mit einem Lächeln und klettere die 220 Treppenstufen hinauf. Das bringt mich fast auf die gleiche Höhe wie wenn ich über den Brückenbogen gegangen wäre.
Nun bin ich auf dem gleichen Weg zum North Shore wie vor 3 Jahren, kurz nach meiner Herz-OP. Was für ein Unterschied – alles viel „ringer“ und Treppensteigen ist keine Anstrengung mehr. Und ich kann an jedem Detail dieser gigantischen Brücke stehen bleiben, sie studieren und mich fragen, ob ich das auch so gemacht hätte und es sagt niemand neben mir „Hesch äs jetz gseehhh…?“
Schlaue Kerle
Ich wandere dem North Shore entlang, sehe zum erstem Mal eine Americas Cup Jacht, bestaune Harbour Bridge und Opera House von der anderen Seite und nehme dann die erstbeste Fähre… wo sie hin fährt weiss ich nicht. Eigentlich spielt das ja keine Rolle, denn erstens habe ich mein „Tagesprogramm“ hinter mir und zweitens bin ich ja „Tap On“. Aber die Fähre fährt nicht zum Circular Quay zurück, sondern nach Darling Harbour. Auch gut, denn diese Gegend kenne ich noch nicht und eine kleine Rundgahrt zum Abschluss des Tages ist doch eine feine Sache…
Nach einer fast einstündigen „Hafenrundfahrt“ legt dann die Fähre doch noch am Circular Quai an. Ich gehe durch die Schranke und „Tap Off“… Dieser Rechner im Hintergrund ist nicht dumm. Er hat offenbar gemerkt, dass ich nicht auf dem direkten Weg quer über die Sydney Bay gekommen bin und zwackt mir 7.35 Dollar ab. Das war entschieden die spannendere Hafenrundfahrt als heute Morgen – Sitzplatz inklusive…
Ich sitze also hier im sehr gepflegten Mon‘s Thai Restaurant und studiere die Karte. „Jungle Curry“ mit Beef, das ist es! Nein, Hund steht nicht auf der Speisekarte. Aber mein Gericht ist mit 2 rot leuchtenden Paprikaschoten verziert, was vermutlich heissen soll: mittelscharf. Ich kann es nicht lassen und bestelle. Uffffaaa – nach dem ersten Kauen frage ich mich, was wohl mit mir passieren würde, falls ich ein Gericht mit „3 Paprikaschoten“ essen müsste: straightaway to hell (dorthin, wo ich vermutlich ohnehin kommen werde…), aber heute auf direktem Weg…
Abgesehen von der enormen Schärfe (ich esse wirklich zwei ausgewachsene Paprikaschoten) geniesse ich dieses vorzügliche Dinner – ohne Nachwehen in der Nacht.
Die Bienenstiche
Dieses „Quick and Dirty“ am Montagmorgen hätte ich besser bleiben lassen. Die fünf Bienenstiche am rechten Oberarm sind eine Plage. Sie jucken und der Oberarm ist leicht geschwollen. Die Insektenstich-Salben nützen wie erwartet nichts. Nun mache ich mich auf den Weg zu einer Pharmacy und kaufe mir ein kleines Fläschen Eukalyptusöl.
Sourdough instead of Croissants
Der sensationelle Coffee Shop von gestern hat noch nicht geöffnet. Die Mitarbeiterin sitzt auf der Treppe und wartet auf den Chef. Also gibt es hier sicher noch keine Croissants. Kein Problem, denn in dieser Fressmeile reiht sich ein Coffee Shop an den anderen. „You’ve got crissants…?” frage ich. Nach dem dritten „No, Sorry“ bestelle ich einen grossen Cappuccino und einen Toast mit Butter. Besser als hungern.
Es kommen zwei ganz grosse, getoastete Brotscheiben auf den Tisch und dann sticht mir dieser Sauerteig-Duft in die Nase. Warum muss Weissbrot in Australien immer derart penetrant nach Sauerteig riechen? Ich mag dieses Brot gar nicht. Aber wenigstens gibt’s heute sehr viel Butter zum Toast.
Ich beisse gerade in die zweite Scheibe, da fährt der Müllabfuhr-Lastwagen direkt vor meine Nase. „Sorry about this view…” sagt der Fahrer mit einem Lächeln. Er hätte wohl besser gesagt „Sorry about that smell…”
Mein Tag beginnt wenig geschmackvoll!
What’s wrong?
Der erste Eindruck kann täuschen. Darum bin ich nochmals in Newcastle CBD (Central Business District) unterwegs. Ich habe immer noch den Eindruck, dass diese Stadt etwas an „Blutarmut“ leidet. Alles scheint in einer irritierenden Langsamkeit abzulaufen. Ich schlendere durch die King Street und die Hunter Street (den beiden Geschäftsstrassen) und frage mich, wer denn hier eigentlich wann in den Geschäften etwas einkauft?
Auf der Uferpromenade zum Hunter River lasse ich meinen Blick über die Hafenanlagen schweifen. Es sieht aus, als würde der Hafen bestreikt.
An der Abschrankung zur langen Baustelle hängt ein Plakat mit dem sinnigen Titel „Revitalising Newcastle“. Das ist auch dringend nötig…
Studenten haben es gut hier in Newcastle. Ein modernes Gebäude mit einer Unzahl an PC-Arbeitsplätzen und einer wirklich guten Cafeteria verwöhnen sie. Ausser 4 Studenten scheint diese Gebäude leer zu sein. Sind sie alle fleissig in den Vorlesungen oder mache sie heute alle „blau“?
„Are you an engineer…?“
Ich betrete das Maritime Museum und blicke gleich mal auf eine alte Segeljolle aus den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts. „Are you a sailor?“ fragt mich der Mann hinter der Kasse. Ja und dann will er wissen woher ich komme. Aus der Schweiz. Dass man dort segeln kann, versteht er nicht.
Ich zahle meine 5 Dollar und gehe gleich zu einem wunderschönen Modell eines alten 8-Zylinder-2-Takt-Dieselmotors. „Are you an engineer.“ fragt ein Betreuer des Museums. Auch das kann ich bejahen und dann will er etwas verunsichert wissen, ob ich eine Führung brauche. Nein, brauche ich nicht, denn von Seefahrt und Schiffen verstehe ich ein bisschen etwas.
Das Museum ist klein, aber es steht ein Modell der „Australia Ii“ dort, jener 12mR-Yacht, welche 1983 dem Amerikanern den Americas Cup-Pokal entrissen hat (Bravo!).
Dann kommt ein weiterer Betreuer und fragt mich: „Are you a Newcastle resident?“ Das muss ich verneinen. Etwas enttäuscht sagt er dann, dass sie Freiwillige für den Betrieb des Museums suchten… Engineer and Sailor – und schon bist du „integriert“…
Fettige Finger
Es ist Mittag und ich muss mich langsam auf den Weg zum Hotel machen. Mein Weg führt am ChoccoMondé vorbei und ich brauche nun dringend ein Croissant… Wenn ich danach total fettige Finger habe, dann war das ein gutes Croissant. Und obendrauf gab es ein riesengrosses Chübeli mit Butter. Himmlisch und grauenhaft ungesund… was soll’s?
Ich wasche meine fettigen Finger im Hotel und steige ins Taxi nach Broadmeadow. Ob ich etwas dagegen habe, wenn sie durch Nebenstrassen fahre, fragt mich die Taxifahrerin? Nur zu, ich bin immer für Stadtführungen zu haben… Und am Bahnhof hält sie mir dann das Zahlterminal entgegen mit dem Kommentar „so that you will not get ripped off…“
How to avoid bullshit talking
Der XPT fährt pünktlich ein und meine Platznummer ist 40. Auf 41 sitzt eine Dame in den Sechzigern mit unverhohlenem Kommunikationsbedürfnis. Der Zug sei aber voll, meint sie… Das sehe ich auch, aber es würde mir nie einfallen, deswegen meinen Mund aufzumachen. Also tue ich so, als hätte ich einen Gehörschaden oder sei schon kurz vor dem Einschlafen…
Auf der anderen Seite sitzt ein Ehepaar. Das sieht man daran, dass sie sich bereits alles gesagt haben… Er sucht nun Blickkontakt über den Gang hinweg – und ich trete nicht in diese Falle. Mein Blick ist starr nach vorne links gerichtet und dann mache ich die Augen zu. Es gibt hier ohnehin nicht viel zu sehen.
Meine Nachbarin versucht es nochmals (ohne Erfolg) und dann nimmt sie frustriert ihr Sudoku hervor und schläft kurz darauf ein. Thanks God!
Über „Fjorde“ und „Berge“
Kurz vor Sydney wird es dann wieder spannend. Zuerst fährt der Zug über ein paar Berge mit tiefen Achluchten und dann an Fjorden vorbei, dort wo die „Mehbessere“ ihre Villen an die Bergflanken kleben lassen und die grossen Motorboote und Segelyachten fast noch zahlreicher sind.
Es ist kurz nach 3pm und die Bahnsteige eines notorisch überfüllten Sydney füllen sich mit Menschen, die ihre Arbeitsstelle nun fluchtartig verlassen, bevor es in den Vorortszügen noch ungemütlicher wird. Es ist nicht attraktiv hier zu wohnen. Much too busy… Ich bin in Sydney!
Opal Card – Tap on – Tap off
Mein Hotel liegt nahe der Central Station. Das ist ziemlich weit weg vom Sydney Opera House, genau genommen über 3 Kilometer. Und darum muss ich mir nun eine OpalCard kaufen. In der offiziellen Verkaufsstelle sind sie ausverkauft (!), aber ich solle doch im Sousol der Central Staion in den kleinen Kiosk gehen, dort hätten sie vielleicht noch welche…
Nun kann ich mich also ins Gewühle der George Street werfen und so weit laufen wie ich will… Für die Rückfahrt kann ich alle Züge nehmen, denn an der Central Station halten sie alle…
Der Himmel ist verhangen und als ich zur Bee Box „Blue“ gehe, beginnt es zu regnen. Ich muss noch rasch eine kleine Box entfernen, mit welcher Jim am Samstagabend einen weiteren, kleinen Schub von Bienen aus Bonny Hills gebracht hat. Ohne den Einsatz des Smockers nehme ich diese Box weg. Das mögen die Bienen aber gar nicht und bevor ich einen weiteren Handgriff machen kann, bin ich bereits auf der Flucht…
Ich warte eine Viertelstunde und räume die Unordnung auf. Fazit: 5 Stiche… Susanne bringt mich auf den Bahnhof und nun beginnt meine Reise in den Süden. 8:44am, es rüttelt ein wenig und dann setzt sich der XPT in Bewegung. Ich sitze auf der sauberen Seite. Auf der gegenüber liegenden Seite sind die Fenster schmutzig… Das habe ich nun schon des Öfteren gesehen und wenn ich in diesem XPT ans Kabinendach blicke, dann stelle ich fest, dass bei diesem Zug nicht nur die Fenster auf der rechten Seite geputzt werden sollten. „Due to a shortage in staff some services will not be available – we apologise for any inconvenience…“ Auch das habe ich schon gelegentlich gehört. Ich liebe Zugreisen!!!
Express Passenger Train XPT
Was ist hier „Express“? Eigentlich fast gar nichts. Das Hinterland der Mid North Coast ist hügelig und stark bewaldet. Gelegentlich durchfahren wir auf einer dieser unendlich vielen Kurven ein Tal und dann stehen die Kühe still, beobachten den gemächlich dahin rollenden XPT und grasen dann weiter. Ich habe viel Zeit zum „üme gaffe“. Saugemütlich und landschaftlich sehr reizvoll. Und weil es in den letzten Tagen oft geregnet hat, ist alles „knackig grün“. Weil ich (theoretisch) jederzeit mit meinem Landcruiser und dem Campertrailer ins Outback (dem wirklichen Australien) fliehen könnte, kann ich dieses saftige Grün „akzeptieren“…
Vorbei an den Hinterhöfen
Wer entlang dem Bahngeleise wohnt, der wohnt nicht in einer privilegierten Wohngegend. Und der Blick in die „Gärten“ (oder sollte ich besser sagen Scrap Yards?) sagt klar, wer hier wohnt. Solche, die es mit der Ordnung nicht so genau nehmen und keinen Sinn für Ästhetik haben. Täglich donnern etwa 10 Güterzüge „durchs Schlafzimmer“. Das scheppert nicht nur, sondern „gigset“ an trockenen Tagen von weit über 200 Achsen. Ganz zu schweigen vom Dröhnen der Dieselmotoren der 3 Loks. Da sind die 6 täglichen XPT schon fast „Musik“.
Kurven oder Steigungen?
Offensichtlich hatten die Eisenbahnbauer in den 1880ern eine klare Devise: Bloss keine Steigungen einbauen! Was sie damals nicht wussten, war die Tatsache, dass der Rollwiderstand eines Zuges mit kleiner werdendem Kurvenradius stark ansteigt. Das kann man rechnen – und dann vergleichen mit dem Rollwiderstand einer Steigung. Und wenn sie das damals gemacht hätten, dann hätten sie zwar mehr buddeln müssen, aber auch weniger Schwellen und Schienen verlegen müssen. Und ausserdem könnte der XPT heute ein bisschen schneller fahren. Es geht doch nichts über „Vorausdenken“!
Broadmeadow oder Newcastle?
Der XPT hält in Broadmeadow, nicht in Newcastle. No Problem – ich gehe zu Fuss nach Newcastle. Zuerst programmiere ich die Adresse meines Hotels ein und dann staune ich ein bisschen: 4,2 Kilometer bis zum Hotel. Es ist feuchtwarm und der Weg ist mir zu lang. Ich studiere noch an einer Taxifahrt herum, da kommt ein Bus um die Ecke und lädt viele Passagiere aus. Ob er nach Newcastle fahre, frage ich den Bus Driver. Ja, aber nicht zum Stadtbahnhof, sondern… Da ich Newcastle nicht kenne, steige ich ein und beobachte auf dem GPS wo er hin fährt. Als er den Punkt des kleinsten Abstandes zum Hotel überschritten hat, bitte ich ihn, mich aussteigen zu lassen. Ich bin übrigens sein einziger Passagier. Er wählt die nächste Haltestelle und nun muss ich den Weg selbst finden.
In der Fressmeile
Mein Hotel liegt offensichtlich am Food Strip von Newcastle. Kulinarisches Multikulti und alles sehr anmächelig. Da werde ich heute Abend aber eine schwierige Entscheidung fällen müssen…
Aber nun ist es Zeit für einen „anständigen“ Cappuccino. Und ausserdem brauche ich ein paar Kalorien, damit ich den Stadtbummel in Angriff nehmen kann.
Eine riesige Baustelle
Newcastle wirkt etwas verschlafen. Der Verkehr ist gemächlich und für die Grösse dieser Stadt „höflich“. No Stress… aber die Hauptstrasse ist eine fast kilometerlange Baustelle. Und viele grosse Gebäude werden umgebaut. Das „Gesicht“ von Newcastle ist eher modern. Stehen geblieben sind nach dem Erdbeben vom Dezember 1989 nur sehr wenige alte Gebäude. Über 300 müsste man abreissen und das hat Platz geschaffen für neue Bauten.
Die Uferpromenade ist an diesem Montagnachmittag leer und der gegenüber liegende Frachthafen scheint im Tiefschlaf zu liegen. Kein Geräusch übertönt die Stille…
Attraktiv?
Port Macquarie sei weniger attraktiv als Newcastle, sagt Jane. Das sehe ich ganz anders. Port ist eine Art „Chaos“ mit einem dichten Gedränge von kleinen Läden. Newcastle ist grösser und hat ein paar prächtige Bauten. Newcastle scheint „wichtig“ zu sein und die Läden sind etwas „grossstädtischer“. Aber Charme hat es nicht…
Montagabend in der Fressmeile
Es ist buchstäblich nichts los. Montag ist der freie Tag der Restaurants. Aber schon bei meinem Stadtbummel ist mir ein Thai-Restaurant aufgefallen. 7 days open – und sehr gepflegt. Der Standard der Gastronomie ist hier offensichtlich etwas „grossstädtischer“ als in Port Macquarie…
Wenn im Koala Hospital die Zahl der „eingelieferten“, jungen Koalas zurück geht, dann würde man meinen, das sei ein gutes Zeichen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Dieser Rückgang bedeutet nichts weniger, als dass die Population der Koalas im Grossraum um Port Macquarie abnimmt. Wenn Cheyne — sie ist Clinical Director des Koala Hospital – Recht hat, dann wird es ab 2070 keine Koalas mehr in unserer Gegend geben…
Wenn ein kleiner Koala am Rand einer viel befahrenen Strasse aufgefunden wird und die Mutter dieses Koala-Babys verschwunden bleibt, dann ist das ein tragischer Verlust. Wenn aber verantwortungsvolle Menschen umgehend die Notrufnummer des Koala Hospital anrufen und den „Fund“ eines Koala-Babys melden, dann kann dieses „Joey” vielleicht noch gerettet werden.
Myoora Jarrah
Am 5. August ist dieses etwa 6 Monate alte Koala-Mädchen an der Seite einer Quartierstrasse in Port Macquarie gefunden worden. Scheinbar unverletzt, aber ziemlich verstört. Seine Mutter konnte das Rescue Team des Koala Hospital nicht mehr finden. Was mit ihr passiert ist, bleibt für immer ein Rätsel.
Jeder eingelieferte Koala erhält einen Namen. Zusammengesetzt aus dem Fundort und einem gegebenen Namen. Daher Myoora, weil Jarrah in dieser Quartierstrasse aufgefunden wurde.
Jarrah war „kein Fall fürs Spital“, sondern muss in Home Care betreut werden. So junge Koala-Babies haben einen schweren Stand. Sie sollten Muttermilch trinken können und langsam lernen Eukalypusblätter zu fressen. Dazu muss ihr Verdauungstrakt von der Mutter mit ihrem Kot und den darin enthaltenen Mikroorganismen zuerst „angefahren“ werden. Jarrah war mit ihren 6 Monaten gerade so weit, dass sie die ersten zarten Blätter von ihren Futterpflanzen anknabbern und fressen konnte.
Aber bei der Milch musste sie mit der künstlichen Milch leben lernen. Jarrah mochte sie nicht und verlor in den ersten Tagen von ihren 425 Gramm etwas an Gewicht. Das war kein gutes Zeichen. Aber mit einem anderen Produkt hat sie dann doch wieder Freude an der Milch bekommen und an Gewicht zugelegt. Heute, gute 3 Monate später, ist sie bereits über ein Kilo schwer.
Die Ersatzmutter Susanne
Wie kommt Susanne zu einem Koala-Baby? Sie ist vor einem Jahr gefragt worden, ob sie „Home Carer“ werden wolle. Vermutlich war sie sich noch nicht bewusst, was das in der „Praxis“ wirklich bedeuten würde. Alle 4 Stunden ein „Baby“ füttern, 24 Stunden diesen kleinen Krabbler unter der Vliess-Jacke herumtragen und nachts mit ihr schlafen gehen… Und dann kam Jarrah und Susanne sagte „Yes, I’ll do it…“
Medienstar Jarrah
Cheyne hat Jarrah eine robuste Gesundheit attestiert. Sie hat bei der Untersuchung im Koala Hospital gerade im richtigen Moment „bislet“ und damit konnte man eine Probe nehmen… Kein Nierenproblem… Es spricht sich herum, dass Susanne ein kleines gesundes Koala-Baby hüten darf. Vom Japanischen Fernsehen bis zu Prime 7 News: alle wollen dieses putzige kleine Ding „interviewen“. Prime7 News Port Macquarie
Begonnen hat alles anfangs Feruar. Damals habe ich die ersten zarten Blattspitzen aus Jack‘s Blumentöpfen wachsen sehen. „Ganz einfach…“ hat er gesagt. „Iss eine Mango und setze den Kern in einen Blumentopf. Und nach 12 Tagen siehst du, ob es funktioniert hat…“.
17 Mango-Bäumchen…
Und dann hat mich so etwas wie ein Mango-Virus gepackt und ich habe in Laufe der folgenden Wochen viele Mangos gegessen und von den Besten den Kern auf die Seite gelegt. Danach mussten sie ein paar Tage trocknen, damit ich die sehr harte Schale mit dem Teppichmesser vorsichtig auf der scharfen Seite öffnen konnte. Nach einer Kurzinstruktion durch Jack hatte ich dann nach und nach 17 Setzlinge in meinem Garten vor dem Shed. Was macht man bloss mit 17 Mango-Bäumchen?
Hier hat es keinen Platz
Ursi‘s Mango-Baum wächst kräftig. Er hat einen guten Standort und nach dem „Winterschlaf“ ist er wieder erwacht und hat kräftige, rötliche Blätter wachsen lassen. Aber für weitere Mango-Bäumchen hätte es nur noch auf der Strassenseite Platz. Und im übrigen brauche ich seit ein paar Monaten die guten und sonnigen Standorte für Bienenhäuschen…
Gary hat viel mehr Platz! Und darum habe ich ihn einmal gefragt, ob ich entlang seines Zaunes einen Mango-Baum pflanzen dürfe. Kein Problem, aber ich müsse ihn selber giesssen. Garry lässt immer sehr gerne Andere für sich arbeiten…
Vor ein paar Tagen habe ich ihn gefragt, ob ich auch zwei Mango-Bäumchen pflanzen dürfte. No Problem, aber ich müsse…
Und was mache ich mit den anderen Bäumchen?
Wir – das heisst vorwiegend Jane – aktivieren den Bushtelegrafen. In einem Nest wie King Creek weiss man, wo man eine Information „fallen lassen“ muss, damit sie mit grosser Geschwindigkeit und Sicherheit gestreut wird. Es dauerte nicht lange und die „Überzähligen“ waren weg… Nun stehen vor meinem Shed nur noch die „Ersatzteile“, falls bei der geplanten Pflanzung eines oder sogar zwei nicht anschlagen sollten…
The Action…
Es gibt Dinge, die ich immer wieder vor mir her schiebe, solange, bis es nicht nicht mehr aufschiebbar ist. Entweder setze ich diese Mango-Bäumchen heute oder ich muss bis im Herbst (März) warten. Und darum fasse ich vor dem Aufstehen den Entschluss, mindestens ein Bäumchen zu setzen… Denn es ist kühl, es bläst ein angenehmer Wind und der Boden sollte vom vielen Regen eigentlich schön weich sein…
Ich fahre mit allen Werkzeugen auf dem Mäher in Gary’s Garten. Den Anhänger brauche ich, um den Humus zwischen zu lagern. Die Löcher müssen gross sein: mindestens 75 cm im Durchmesser und mindestens doppelt so tief wie die Plastiktöpfe, in denen die Mango-Bäumchen ihre „Kindheit“ verbracht haben. Und ausserdem muss ich den Lehmboden anstechen, damit die Wurzeln durch diese Löcher hindurch wachsen können.
50 Jahre Bürotätigkeit hinterlassen ihre Spuren. Ich schaffe zwar diese drei Löcher und auch noch ein viertes, damit Jane nächste Woche Ihren Passionfruit-Strauch hierher versetzen kann… aber dann brauche ich sicher eine Pause.
Sie holt in der Zwischenzeit im Gartencenter 12 Säcke frische Erde, denn ohne diese hätten die Bäumchen einen schlechten Start. Kurz vor Mittag steige ich aus den Stiefeln, ziehe die ziemlich dreckigen Socken aus und spritze den Lehm aus den Sohlen. Meine mit Lehm gepflasterten Kniee müssen auch noch sauber werden…
Entgegen meiner Absicht, einen „dummen“ Polizisten aufzusuchen, habe ich die Frage „Alive and married?“ heute bei meinen Kolleginnen und Kollegen im Players Theatre besprochen. “Crowd Intelligence” müsste die Lösung des Problems bringen…
Alle sagen das Gleiche: „Go to a Justice of the Peace…” Und bei der Frage, wo ich einen solchen finden könnte, sagen fast alle das Gleiche: beim RMS (Road and Maritime Service).
Prioritäten setzen…
Wir waren im Players Theatre wieder einmal ziemlich „reduziert“. Einige, welche gesagt haben, dass sie heute zurück seien, sind nicht erschienen und darum haben Bruce, Mick und ich den Abbruch des alten Bühnenbildes fertig gemacht. Die beiden Frauen Simone und Jan sind mit mit fast beängstigendem Einsatz im Raum hinter der Bühne tätig: sie „räumen leer“. Bei einigen Teilen, die sie grosszügig in die bereitstehende Mulde werfen, kann ich im letzten Moment noch intervenieren und die „guten Stücke“ für meinen Holzvorrat im Shed behändigen. Ich bin offenbar in meiner „Sammelwut“ so „besessen“, dass sie für den Rest des Tages bei jedem Stück sagen „That’s for Karl“.
Ich brauche eine Mango…
Häufig – wenn es schwül-heiss ist – und ich müde und durstig vom Players Thetre nach Hause komme, dann greife ich tief in die Fruchtschale. Ich habe letzte Woche die ersten Mangos gekauft. „Very Sweet“ stand auf dem Preisschild und farbig waren sie, als hätte ein Künstler ein Portrait einer Mango malen müssen…
Aber das Fruchtfleich hat nicht gehalten, was das Äussere versprochen hat. Die Mango-Zeit hat erst begonnen und wer nicht warten kann, der beisst eben in eine etwas unreife Frucht. Die Orange war „papery“ und dem Pfirsich hat wohl das Kühlhaus „den Rest“ gegeben… Das ist kein idealer Einstieg in den Nachmittag.
Sonderbare Figuren – wie bei Kafka
Ich fahre also zum RMS, ziehe mein Nümmerchen von der Rolle und setze mich in die Stuhlreihe. Viel ist nicht los, denn um 3:30pm geht kein Australier mehr auf ein Amt. Dann will er nach Hause zum Bier. „33“ leuchtet auf und ich begrüsse den freundlichen Mann hinter der Glasscheibe. „I’m looking after a Justice of the Peace…” sage ich zu ihm. Er lächelt freundlich und bestätigt, dass er ein JP sei. Wunderbar – das hat doch auf Anhieb geklappt. Ich öffne meine Mappe und schiebe ihm dieses Formular der „Zentralen Ausgleichskasse“ unter der Scheibe durch. Natürlich habe ich alles dabei: Fahrausweis, Pass und Auszug aus dem Zivilstandsregister. Er blickt auf das Formular und dann meint er, dass dieses wohl einen Stempel benötige… Ja – verdammt nochmal – so steht es geschrieben. Dann lehnt er ein bisschen zurück und sagt, dass er heute seinen Stempel zu Hause gelassen habe, denn wenn er hier arbeite, dann werde er eben von RMS bezahlt und nicht als JP…
Ich frage ihn, ob es einen anderen JP in Wauchope gebe – einen mit Stempel! Ja der Schrotthändler, gleich neben der Caltex-Tankstelle sei ein JP und er sei fast immer dort…
Der Schrotthändler
Ich parke meinen Landcriuser in der Einfahrt. Dort hat es gerade noch Platz zwischen den billigen Occasions-Autos und den Schrottfahrzeugen. Sein Büro hat er in einem Container – eine sehenswerte Bude! Ich grüsse freundlich. Seine Frau (kaum zu erkennen in diesem Puff) schweigt und der Schrotthändler kritzelt in einem Papier, das aussieht wie ein Kaufvertrag für ein altes Auto. Dann erhebt er seinen Blick und fragt: „How can I help you?” Ich öffne wieder meine Mappe und überreiche ihm „das Formular“ und weil ich etwas verunsichert bin, erkläre ich ihm, um was es geht. Er dreht das Formular mindestens 10 Mal um, scheint aber den Text (in Englisch) nicht lesen zu können und dann nuschelt er, dass dieses Formular wohl durch eine schweizerische Amsstelle zu unterschreiben sei… Er könne nicht sehen, was er hier zu bestätigen habe, meint er und dann kräht seine Frau aus dem Hintergrund, dass er nichts unterschrieben solle, wenn er nicht sicher sei. Dann blickt er zum letzten Mal durch seine dicken Brillengläser auf „das Formular“ und schiebt mir alles wieder zu. Ich gehe…
Chris – the Angel
Schon auf der Rückfahrt ist es im Westen schwarz geworden und als ich dann das Farmgate öffnen musste, bricht das Unwetter los. Ich bin innert Sekunden bachnass und fahre meinen Landcriuser vor den Sched. Dort wollte ich das gute und schön trockene Holz vom Dach nehmen und versorgen. Shit…
Ich hole den Schirm aus dem Sched und spurte ins Haus. Dort genehmige ich mir erst mal einen Sherry und dann erzähle ich meine Erlebnisse mit den beiden JP‘s. Jane greift sofort zum Telefon und ruft Chris an. Chris ist Bert’s Frau und sie ist ein JP. Sie verlässt gerade ihr Büro in Port Macquarie, packt den Stempel ein und kommt schnurstracks zu uns.
Chris ist klein, etwas „bulky“ (Australian Standard), laut, lacht noch lauter und sehr viel und fackelt nicht lange. Sie zückt den Stempel, fragt wo sie die Kreuzchen setzen muss und unterschreibt. „I don’t have my glasses with me, they are in the car…” Stempel drauf und das war’s…
Nun kann sich Franz Kafka in seinem Grab wieder zur Ruhe legen. Nächstes Jahr wird es ihn nicht mehr brauchen – dann erledigt Chris den Job und Herr oder Frau „Zahnrädchen“ in Genf können weiter auf die Jagd nach AHV-Bertügern gehen.
Ich habe vor einigen Wochen ein nettes Schreiben vom EFD erhalten. Darin haben sie mich aufgefordert zu bestätigen, dass ich noch am Leben sei. Falls ich dieses nicht bestätigen würde, müssten sie meine AHV-Auszahlungen einstellen.
Dagegen ist ja nicht grundsätzlich etwas einzuwenden, denn es gibt sicher ein paar schräge Vögel, die irgendwo im fernen Ausland wohnen und das AHV-Geld der längst verstorbenen Mutter als Zustupf zum Lebensunterhalt einheimsen…
Falls es mich „erwischen“ sollte, könnte Susanne ja mit meinem AHV-Geld ein paar Reisli auf Kosten der Schweizerischen Eidgenossenschaft machen. Und damit das EFD sicher ist, dass sie keine solchen krummen Touren veranstaltet, haben sie mich schriftlich aufgefordert, von einer offiziellen Stelle bestätigen zu lassen, dass ich noch unter den Lebenden weile…
Richtig gedacht – aber trotzdem falsch
Wenn es mich also dereinst „erwischen“ sollte, wer würde dann mein seliges Ableben bestätigen? Sicher einer, der mit einer gewissen Sicherheit meinen nicht mehr existierenden Puls bestätigen könnte.
Also gehe ich eines Tages in die Campbell Surgery (das ist eine Arztpraxis in Wauchope) und stelle mich an die Theke. Dann lächle ich die Dame hinter dem Bildschirm charmant an und sage ihr, dass Dr. Dan bestätigen sollte, dass ich noch lebe… Ich weiss nicht, was im Kopf der Dame vorgegangen ist, aber vermutlich hat sie gedacht, ich sei ein wenig „gaga“.
Eine Woche später sitze ich im Behandlungszimmer von Dr. Dan. Wir reden kurz über meine Bahnreise mit dem „Spirit of the Outback“ und dann kommen wir zur Sache. Ich halte ihm den Brief und das Formular des EFD vor die Nase. Es ist in Deutsch und Englisch verfasst. Und dann bricht Dr. Dan in ein schallendes Gelächter aus und ich fürchte schon, dass er sich beim Lachen einen Milzriss zuzieht. Das sei das Highlight des Tages, sagt er und bestätigt überaus belustigt die Tatsache, dass ich quicklebendig bin. Bei der Frage ob ich verheiratet sei stützt er kurz, aber nachdem Susanne auch seine Kundin ist und er keinerlei Anzeichen eines „Zerwürfnisses“ sehen konnte, setzt er das Kreuzchen an die richtige Stelle. All done!
Die Antwort aus dem fernen Genf
Vor drei Tagen habe ich nun eine Antwort erhalten:
Ich stehe nun vor einem sehr schwer lösbaren Problem. Dieses raubt mir beinahe den Schlaf und darum habe ich in „Nachtarbeit“ an einer Lösung gearbeitet.
– Ich könnte Susanne bestätigen lassen, dass ich noch lebe und dass ich „noch“ mit ihr verheiratet bin. Aber sie ist natürlich „befangen“ und damit unglaubwürdig.
– ich könnte die Finanzchefin der i-plex GmbH mit Sitz in Oberdiessbach fragen, ob der Mitarbeiter Karl Georg Scheuter noch lebt und ob er „noch“ verheiratet ist. Sie müsste das bestätigen können, denn schliesslich rechnet sie alle Sozialversicherungen, AHV-Beiträge usw. minutiös ab und es müsste ihr aufgefallen sein, wenn KGS nicht mehr zur Arbeit erschienen wäre. Blöderweise bin ich mit der Finanzchefin verheiratet.
– Dass ich mit Susanne Scheuter verheiratet bin steht in einem Formular, welches wir zwecks Einwanderung nach Australien im Original vorlegen mussten. Ein Ersatz für das frühere Familienbüchlein. Dieses elektronische Formular wird von der Schweizerischen Eidgenossenschaft ausgestellt. Es trägt den Titel: „Extract from record of mariage (ICCS)” und man kann es dort über die Website anfragen. Das könnten doch die Leute dort oben in Genf selber machen? Aber vermutlich weiss in der Verwaltung die Rechte nicht was die Linke tut…
– Die schweizerische Botschaft in Sydney lädt jedes Jahr seine Auslandschweizer zur 1. August-Feier ein. Damit sie dort eine Cervelat braten können, dem Jodlerchörli lauschen und die Nationalhymne unter Tränen singen können. Man könnte dort eine Eingangs- und Passkontrolle einführen und auch gleich noch abfragen, ob man „noch“ verheiratet ist. Und dann könnten die Botschaftsangestellten diese Erkenntnisse am 2. August nach Genf und Bern berichten.
Und was macht man mit jenen, die keine Jodlerchörli mögen und noch nie eine Nationalhymne gesungen haben? Verdächtig! Die müsste man dann „speziell überwachen“.
– Wir haben natürlich bei Coop eine Kundenkarte – ausgestellt auf Susanne und Karl Georg Scheuter. Weil wir ja wie bereits erwähnt verheiratet sind. Und wenn ich bei Mitre10 (das ist wie OBI) Schrauben, Leim, Sperrholz und Farbe einkaufe, dann erhalten wir eine Stunde später ein e-Mail mit einer Tax Invoice. Darauf steht genau was ich eingekauft habe und Susanne könnte mein „Geldausgeben“ lückenlos überwachen. Sie könnte mir ja nachspionieren, um zu wissen, wie ich mein AHV-Geld zum Fenster hinaus werfe. Wenn nun eines Tages aber auf der Tax Invoice stehen würde: 1 Axt, 1 Schaufel, dann müsste man vielleicht ein paar Tage später hinter den grossen Eukalyptusbäumen nach einem frisch geschaufelten Grab suchen…
– Aber Moment mal – wenn ich nun dort liegen würde, dann würden mir die AHV-Zahlungen ja eigentlich gar nichts mehr nützen? Wem denn sonst? Oh oh Susanne natürlich! Wollen die in Genf allen Ernstes behaupten, dass meine geliebte Gemahlin eine potenzielle AHV-Betrügerin sei und weil sie sich nicht getrauen sie selbst zu fragen, schicken sie mir ein Formular, damit ich jedes Jahr bestätigen kann, dass… Schon ziemlich unverfroren und dreist.
– Zugegeben, Dr. Dan ist keine „offizielle Stelle“, aber mein „Lebendigsein“ kann er zweifelsfrei bestätigen. Das mit dem Verheiratet-sein ist etwas grenzgängig… Darum werde ich nun zur Polizeistation in Wauchope gehen und mir einen „dummen“ Polizisten suchen… Denn der wird sich meinen Fahrausweis anschauen, das schäbige Bildchen mit meinem Gesicht vergleichen und mich dann fragen, ob ich verheiratet sei. Das könnte ich ihm ohne zu lügen sofort bestätigen. Und er würde das Kreuzchen am richtigen Ort schreiben. Falls ich aber keinen dummen Polizisten finde, dann würde sich der am Kopf kratzen und sich fragen, wie er beweisen kann, dass ich verheiratet bin. Wir würden das in einem „hochstehenden“ Gespräch diskutieren und das könnte dann als Beweis dafür dienen, dass ich noch lebendig bin. Aber die Kernfrage wäre noch nicht beantwortet…
– Man könnte die vielen Mails zwischen Ursi und mir für die Beantwortung beider Fragen verwenden. Da ich sehr oft ein Mail von Ursi an Susanne weiterleite, könnte man das als Vertrauensbeweis zwischen mir und Susanne verwenden und daraus ableiten, dass wir immer noch verheiratet sind. Denn wären wir getrennt, geschieden oder ich auf fremden Pfaden unterwegs, würde ich wohl kaum Mails von Ursi an Susanne weiterleiten. Und da ich meine e-mail-Adresse nicht geändert habe und sozusagen mit „offenen Karten“ spiele, könnte das EFD in Genf das Bundesamt für Polizei in Bern beauftragen, meinen e-Mail-Verkehr zu überwachen. Die wissen wie man das macht, denn die haben Übung im Aufspüren von Terroristen und Finanzverbrechern…
– Ausserdem werde ich der „Zentralen Ausgleichskasse“ in Genf empfehlen, mindestens einmal wöchentlich meinem Blog zu lesen (falls sie vor lauter intensiver Suche nach AHV-Bertrügern noch etwas Zeit haben). Denn wenn sie während zwei Wochen keinen Blog mehr finden, dann bin ich „von der Bildfläche verschwunden“ und dann könnten sie auf den roten Knopf drücken und alle weiteren AHV-Auszahlungen stoppen. Und falls mich Susanne „an die frische Luft setzen“ sollte und auf einen Wechsel unseres Zivilstandes drängen würde, dann könnte man ein solches Ansinnen vermutlich in einem meiner Blogs nachlesen.
Das isch jetz aber würcklech ä soublödi Situation…
Ich fahre jetzt mal nach Wauchope und suche einen dummen Polizisten – hoffentlich arbeiten die an einem Samstag… Ich bin aber etwas spät dran und muss unbedingt noch eine grosse Platte 18mm-Sperrholz kaufen, damit mir Bert diese zuschneiden kann und ich am Sonntag weitere vier Bee Boxen bauen kann. Man muss seine Prioritäten kennen. Ausserdem wird es heute Nachmittag saumässig regnen und ich muss noch eine Ladung Wäsche „über tun“, damit diese bis um 3pm trocknen kann.
Und dann kommen die schwarzen Wolken und im Regenmesser stehen 30mm Regen. Wir sitzen auf der Terrasse und trinken Tee. Ich erzähle Susanne von der oben geschilderten „saublöden Sache“. Sie lacht und ist danach ziemlich erschüttert über diesen staatlichen Bullshit.
Sie findet die Idee mit dem dummen Polizisten ganz gut. Aber um sicher zu sein, dass auch ein etwas gescheiterer Polizist das Kreuzchen am richtigen Ort setzt, empfiehlt sie mir, ich solle doch dieses „Extract from record of mariage (ICCS)” mitnehmen (das ist ziemlich neu) und dem Polizisten zusammen mit meiner Driver License zeigen. Gut – das werde ich so machen, gleich am Montag, wenn ich vom Players Theatre zurück fahre…
Bert ist nicht unbedingt ein „Kommunikations-Vulkan“, aber wenn er schon am Morgen anruft und etwas aufgeregt tönt, dann ist „etwas los“…
“I have three swarms and I need a box… Come over…” Einer sei hoch oben in einem Eukalyptus, einer „gäbig“ an einem Ast und ein weiterer an einem Zaunpfosten. Ich packe die letzte Bee Box ein, fülle sie mit 7 Rahmen, nehme den Boden (den ich gestern fertig gebaut habe) und springe in meinen Landcruiser…
Bert fuchtelt schon mit dem Smoker herum und zeigt in den Eukalyptus. Dort hängt ein wirklich riesiger Schwarm 30 Meter über Boden. Schon so lang, dass ich denke, dass diese „Traube“ gleich unter ihrem Eigengewicht zerreissen müsste. Unerreichbar…
Aber unter dem Ast eines kleineren Baumes steht schon die Leiter und Bert klettert hinauf. Dann schüttelt er den Kopf, weil er die Baumachere irgendwo hat liegen lassen. Bert ist nicht für Stress-Situationen gemacht. Das verwirrt ihn. Er rennt herum und findet zufälligerweise eine andere Baumschere. Er hat meine Bee Box unter den Ast gestellt und nun schneidet er den Ast ab. Wenn doch diese Baumschere bloss nicht so rostig wäre und wenigstens gut schneiden würde…
Er klettert hinunter und schüttelt die Bienen auf das weisse Tuch unter meiner Bee Box. Nun müssten sie nach seiner Erfahrung direkt in die Bee Box wandern. Erstmals über die lila-farbige „Landeplattform“. Das tun sie aber nicht, sondern es bildet sich ein riesiger Haufen vor dem Eingang… „Did you open the entrance?” frage ich ihn. Er greift zum Smocker, pustet ein bisschen Rauch vor den Eingang und dann greift er mit blossen Händen in diesen „Bienenhaufen“ und öffnet die Flügelmuttern, damit er den Eingang zur Bee Box freigeben kann. Nun sieht das aus, als ob man bei einem Fussball-Länderspiel das Eingangstor zum Stadion öffenen würde. In einem wüsten Gedränge wühlen sich die Bienen in die Box… Alles bestens???
Es hat aber noch drei weitere kleinere Trauben an diesem Ast. Auch diese holt er herunter und schüttelt sie vor den Eingang. Langsam füllt sich die Box. Nun heisst es abwarten… Ich fahre zurück und muss nun schleunigst den Standort für mein drittes Bienenvolk vorbereiten. Aber natürlich habe ich weder grosse Beton-Backsteine, noch sind die Bleche gegen die Käfer und Ameisen bereit…
Meine Vorbereitungen waren halbwegs gut…
Ich habe mich nicht auf ein drittes Bienenvolk vorbereitet. Weder habe ich den Standort evaluiert, noch einen kompletten Satz an Material bereitgestellt. Lausig… Nun renne ich der Zeit hinterher. Und den Rasen sollte ich auch noch mähen, sonst werden die Ladies morgen grosse Augen machen, wenn es hier „verwildert“ aussieht und denken, ich habe in den letzten Wochen nur auf der faulen Haut gelegen…
“We need another box…”
Ich sitze schon auf dem Mäher, da ruft Bert an. Aufgeregt wie am Morgen. Er brauche sofort eine weitere Bee Box. Ich frage nicht lange, stelle das dröhnende Ungeheuer ab und suche zusammen, was ich noch an „Ersatzteilen“ habe.
Meine Bee Box ist kaum noch zu sehen unter einer irrsinnigen Zahl von Bienen. Der Schwarm von hoch oben im Baum sei plötzlich „herunter gekommen“ und wolle nun auch in die Bee Box, aber die sei bereits knallvolll…
Scharf nachgedacht: Wenn sich drei Schwärme wieder zusammen finden, dann stammen all diese Bienen aus ein und demselben Bienenvolk. Haben wir nun eine?, zwei? oder drei? Queens in diesen Schwärmen?
Aufstocken…
Wenn wir jetzt nicht sofort eine zweite Bee Box auf die erste stellen, dann wird der ganze Schwarm wieder ausfliegen und sicher nicht zurück kehren. Bert zündet den Smocker an, öffnet den Deckel und schiebt die zweite Bee Box über die erste. Möglichst ohne eine Biene einzuklemmen. Denn wenn sie schwärmen sind sie sehr friedlich… bis man sie verärgert.
Aufschliessen bitte…
Nun müssen wir die Tausende von Bienen, welche noch aussen an der Bee Box „kleben“ davon überzeugen, dass sie sich nun auf den Weg zum Eingang machen sollen. Wir könnten einfach warten, aber je schneller alle drin sind, umso geringer ist das Risiko, dass sie diesen Ort wieder verlassen. Also nimmt Bert ein Brett und schaufelt die Bienen vor den Eingang… Das scheinen sie zu begreifen und nun geht der geordnete Marsch in die Box langsam aber zielgerichtet weiter…
“I will bring them over after sunset…”
Ich kann nun nichts mehr beitragen und fahre nach Hause. Bert wendet sich seinem Oldtimer-Projekt zu. „Make some more boxes… we will need them…” sagte er zum Abschluss. Er komme dann nach Sonnenuntergang.
Schon fast Routine
Ich bin am Schreiben des Blogs, da höre ich Bert’s Truck. Der Sockel ist vorbereitet, wir heben die (sehr gut verschlossene) Fracht aus der Ladefläche und setzen sie bei Mondchein auf den Sockel. Flügelmuttern öffnen und die Landeplattform nach unten schieben. Der Eingang ist offen und die Bienen könnten nun ausschwärmen. Das machen sie aber zum Glück nicht. Sie bleiben schön brav drin und werden morgen früh ihre neue Umgebung erkunden. Das war eine Sache von knapp fünf Minuten.
“There will be more swarms in the next days…” sagt Bert durchs offene Fenster, als er durchs Farm Gate Richtung nach Hause fährt…
Da ich nun zwei Bienenvölker habe und ich mit Bert und Jim gelegentlich Informationen austausche, habe ich meine Bienenvölker mit Farben gekennzeichnet und ich benenne sie auch so.
Das „Blaue“ Bienenvolk ist jenes, welches wir in mittlerweile vier Transporten von Bonny Hills nach King Creek gebracht haben.
Das „Gelbe“ Bienenvolk ist jenes, welches ich seit letztem Donnerstag besitze. Die Landeplattform hat darum die Farbe Gelb.
Black Friday
Ich mache eine „Kurzpause“ und gehe kurz vor Feierabend nochmals bei den „blauen Bienen“ vorbei. Sie sind unglaublich aktiv. Sie haben immer noch keine Queen und trotzdem benehmen sie sich, als wüssten sie, dass die „Durststrecke“ bald vorbei sein wird.
„How are your bees?“ Unverkennbar Gary. Er hängt am Zaun, einen Fuss auf einem Draht (der ist nicht für solche Belastungen gemacht) und er hat gerade seine gesprächige Viertelstunde…
Ob ich etwas dagegen hätte, wenn er gelegentlich ein Kaninchen schiesse? Sie seien eine Plage und es habe zu viele von ihnen. Sie würden dort unten im Tobel hausen… Oder ob ich ihn dann bei der Polizei anzeigen würde?
Das lässt darauf schliessen, dass er eine Flinte hat, aber vermutlich keinen Jagdschein oder dass die Jagd auf Kaninchen mitten im Wohngebiet verboten ist. Etwas diplomatisch verklausuliert erkläre ich ihm dann, dass sein Land sein Land sei und dass er dort Kaninchen schiessen dürfe … allerdings nicht meinen „Bunny“…
“Bunny“ ist ein wunderschönes Kaninchen mit einem Ingwerfarbigen Fell und einem weissen Tupf am Stummelschwanz. Bunny wohnt unter den Brettern des Pools – also ist er sozusagen Nachbar von „Willow“, dem Blue Tongue Skink. Bunny ist scheu und nur am frühen Morgen und kurz vor Sonnenuntergang zu sehen. Und weil ich sein Freund bin, darf Bunny auch gelegentlich eine Blume in meinem Garten ausgraben und an den Wurzeln nagen. Wenn Jane zurück ist, dann wird das Leben für Bunny wieder gefährlich. Jane mag keine Kaninchen und sie hat Gary auch schon erlaubt, in unserem Garten Kaninchen zu schiessen…
„I was laying in the pool when a bee swarm just flew over my head… Really scaring…“ Gary wechselt das Thema und fragt dann etwas spöttisch, ob das allenfalls mein Bienenvolk gewesen sei…?
Ausgeflogen…
Nicht schon wieder??? Es hat zwar noch Bienen am Eingang zur Bee Box, aber nicht gerade viele. Ich rufe Bert und der stellt am Sonntag fest, dass von den vermutlich weit über 5‘000 Bienen gerade noch 300 in der Bee Box sind…
Ich locke Bert mit einer Büchse Pepsi an den Gartentisch, hole Papier und Bleistift und dann erlebt Bert zum ersten Mal in seinem Leben eine messerscharfe Analyse eines Betriebsunfalls…
Am Ende dieser Analyse steht fest:
Die Queen hatte den Absturz am Donnerstag überlebt und ist mit ihrem Bienenvolk ausgeschwärmt
Der Grund für das Ausschwärmen ist unklar. Entweder war die Farbe der Bee Box noch nicht vollständig ausgetrocknet und darum etwas „stinky“ oder der Geruch von Essig und Motorenöl war ihnen zu penetrant…
alles andere haben wir richtig gemacht…
Wir verabschieden uns etwas ratlos… Schade um den grossen Schwarm.
Was machen wir mit den übrig gebliebenen Bienen
Sie werden sterben, sagt Bert beim Wegfahren mit einem sichtbaren Bedauern… Und dann warten wir auf den nächsten Schwarm!
Gestern habe ich den Smocker angezündet und einen Blick in die „leeren“ Bee Boxen geworfen. Ich fand noch ungefähr 300 Bienen, aber das ist schwer zu sagen
Die fünfte Deportation
Jim ruft an und sagt, dass er in Bonny Hills gerade eine Bee Box verschlossen habe. Es seien sicher 500 Bienen im Kasten und ob ich diesen abholen könne? Ich fahre hin und hole den Kasten von der Wand. Es fliegt keine einzige Biene mehr herum… Eigentlich kein Wunder, denn es ist saukalt (20°C) und schon später Nachmittag.
Ich bin noch unterwegs, da macht es „Ping“ in meinem iPhone. Jim fragt, ob es nicht gescheiter sei, diese Bienen zur Verstärkung und zum Überleben des „gelben“ Bienenvolkes zu verwenden. Ausserdem habe er den Eindruck, dass die Queen nun die Wand doch verlassen habe und möglicherweise jetzt im Kasten sei… Alles Wunschdenken, sage ich mir…
Ein mutiger Schritt?
Kurz bevor ich die mitgebrachten Bienen mit den blauen Bienen vereinige, denke ich nochmals über Jim‘s SMS nach. Er könnte theoretisch Recht haben und wenn dem so wäre, dann hätten wir an kommenden Freitag zwei Queens im blauen Bienenvolk… und das wäre der Tod der mitgebrachten oder der gekauften Queen…
Ich schneide ein Stück Zeitungspapier zurecht, schneide Schlitze hinein und dann stelle ich die mitgebrachte Box auf die gelbe Box. Nun haben die beiden „Gruppen“ einen Tag Zeit sich durch die Schlitze zu beschnüffeln und wenn sie sich mögen, dann können sie vielleicht überleben – mit der mitgebrachten Queen oder wir kaufen auch für dieses Bienenvolk eine neue Queen…