Der Literaten-Streit

Der Begriff „Streit“ hat seine ursprüngliche Bedeutung weitgehend verloren. „Streiten“ wurde meist als ein verbaler Streit von Personen bezeichnet, welche über eine Sache sprechen wollten und dabei unterschiedlicher Meinung waren. „Streit“ diente dem finden „der Wahrheit“ oder der richtigen Bedeutung einer Sache.

Wenn Literaten (Schriftsteller oder ‚Denker‘) sich ihre gegenteiligen Meinungen zur Kenntnis brachten, dann mussten sie Briefe schreiben. Es gab damals kein Telefon und kein Internet. Und es braucht Zeit, um einen Brief zu schreiben. Man musste vor dem Setzen der Feder auf das Papier nachdenken, denn ein Brief sollte perfekt sein und möglichst keine durchgestrichenen Worte enthalten.

„Wohl-überlegt“ könnte man sagen. Dann ging der Brief mit der Postkutsche zum „Streit-Partner“. Es dauerte lange, bis man eine Antwort erhielt. Man hatte also Zeit, darüber nachzudenken, ob der Brief auch höflich, deutlich und überzeugend wirken würde…

Hans-Peter Duttle ist ein „Literat“…

Er wollte eigentlich kein Buch über sein Leben schreiben, aber dann hat ihn der Wörterseh Verlag dazu animiert, es doch zu tun. Und der Verlag hat ihm einen Philosophie-Studenten ‚zur Seite gestellt‘, um das Buch zu schreiben. Es ging nicht ganz wunschgemäss. Hans-Peter hatte seine eigenen Vorstellungen was ins Buch gehört und wie es geschrieben werden sollte. Das Buch wurde dann 2018 veröffentlicht.

Autoren werden nicht reich. Im Büchermarkt werden jährlich 1 Million Bücher geschrieben. Ein kleinerer Teils sind Biographien. Jene über „Prominente“ werden von einem „Ghost Writer“ geschrieben und sie haben den Auftrag den Menschen so sympathisch und erfolgreich wie möglich erscheinen zu lassen.

Hans-Peter ist weder ein „Promi“ noch jemand, der Dinge unter den Teppich kehrt. Seine Biographie ist ehrlich. Das macht das Buch wertvoll, ist aber kein „finanzielles Erfolgsrezept“. Es liegen mehr Bücher dieser Ausgabe in seinem Keller, als je verkauft worden sind.

2023 hat mich Hans-Peter gefragt, ob ich ihm behilflich sein würde, sein Buch zu übersetzen und es im Englischen Sprachraum zu vermarkten.

Dann begann das „Streiten“ – im besten Sinn

Ich hatte sein Buch schon gelesen – und ich las es wieder.

Ich bin ein „Analytiker“ und beim Lesen des Buches hatte ich viele Fragen. Das Buch hatte ein paar „Stilbrüche“ – sie waren unverkennbare Überbleibsel aus der Feder des Philosophie-Studenten. Und ein paar Lücken…

Also begann ich Hans-Peter Fragen zu seinem Leben zu stellen.

Gute Frage – gute Antwort?

Eine Frage leitet den Antwortenden in eine bestimmte Richtung. Wenn man diesen „Mechanismus“ geschickt einsetzt, dann kann man den Befragten dazu animieren, etwas länger über die Antwort nachzudenken. Das ist produktiv – für beide Seiten.

Man kann eine Frage aber auch so formulieren, dass man den Befragten in eine bestimmte Richtung „schiebt“ oder in eine „Ecke drängt“. Das ist der heutige Stil in Fernseh-Interviews. Der Befragte wird öffentlich „zerlegt“…

Wer fragt, muss sich die Frage gefallen lassen, ob er wirklich an einer ehrlichen und unbeeinflussten Antwort interessiert ist… Dessen muss ich mir bei jeder Frage an Hans-Peter bewusst sein.

Ich kann dann aus Hans-Peter‘s Antworten einen Text verfassen – vorausgesetzt, dass ich seinen Text „in seinem Sinn“ und in seiner Sprache niederschreibe. Ich muss als „Interpret“ die Denk- und Sprechweise von Hans-Peter übernehmen und quasi in „seine Haut schlüpfen“.

Das braucht Fingespitzengefühl und ich muss gelegentlich meine eigene Vorstellung einer „richtigen“ Antwort zurück stecken und „ihn sprechen lassen“…

Schreiben ist nicht Mathematik – ganz speziell dann nicht, wenn es um sehr persönliche Dinge geht, wie etwa die Frage, ob es ein Jenseits gebe und ob wir jemals wissen werden, was „sich dort befindet“…

Auch wenn wir in vielen Aspekten des Lebens eine ähnliche Sichtweise haben, so ist die Interpretation und Formulierung einer Antwort immer eine. Gratwanderung. Darum erhält Hams-Peter meine Texte immer zur Begutachtung – wir streiten im besten Sinne um die genaue Wortwahl und um die Frage, was der Leser seines Buches daraus ablesen würde…

Die 3. Ausgabe

Das Englische Buch war gut – besser und umfassender als die erste Ausgabe. Ich habe schon während den Arbeiten immer wieder darüber nachgedacht, ob es sich lohnen würde, dieses Buch auch auf Deutsch heraus zu geben. Die Frage ist dann Monate später von Freunden an mich gerichtet worden.

Nun arbeiten wir daran. Hans-Peter ist überzeugt, dass diese Ausgabe einen anderen Titel tragen muss. Der Massentourismus am Mt. Everest mit den jährlich 5 bis 6 Toten könnten viele Leser davon abhalten, sich mit dem Thema „Everest-Besteigungen“ zu beschäftigen. Die Bilder im Fernsehen sind zu abschreckend.

Sein Buch ist eine Autobiographie. Der Titel suggeriert aber, dass das Buch von einer Besteigung des Everest handelt. Wir brauchen darum einen neuen Titel für das Buch – keine einfache Aufgabe. Erstens ist die Zahl der Leser von Biographien sehr gering und zweitens kennt kaum jemand Hans-Peter Duttle.

Also muss der Titel äusserst attraktiv sein und das Cover des Buches so vielversprechend, dass der Suchende ein paar Sekunden auf dem Titelbild verweilt, bevor er es wieder ins Regal stellt oder im Online-Shop des Buchhändlers zur nächsten Biographie klickt…

Ein Buch schreiben muss Spass machen und eine Erweiterung des eigenen Horizontes sein. Man schreibt kein Buch um reich zu werden…

>>> Fortsetzung folgt

Autor: blogkgs

Ich bin ausgewandert, weil ich einen Tapetenwechsel brauchte. Was ich "dort unten" mache? Nichts! Oder vielleicht doch ... ins Outback reisen, Bienen züchten, Rasen mähen, mit AMIGO auf dem Noosa River rudern, British Seagulls reparieren...

Entdecke mehr von out-and-back.com

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen

%%footer%%