“Follow me…”

Es riecht nach Honig…

Schon seit Wochen strömen immer wieder kleine Duftwolken durch den Garten und wenn man die fleissigen Bienen nicht sehen könnte, dann würde man trotzdem erkennen, dass sie nun kräftig Nektar aus den Blüten holen und in den Honigwaben versorgen.
Es ist noch früh im Jahr und die riesigen Eukalyptus fangen erst an zu blühen. Das Wetter war bisher gut, es gab genügend Regen und der Garten blüht – an jeder Stelle riecht es etwas anders und die Farben der Pollen an den Hinterbeinchen der Bienen tragen alle Farben von hellem Gelb bis zu Ziegelrot.

„I don’t have the time they deserve…”

… sagte Bert vor ein paar Tagen, als ich ihn nach dem Zustand seiner Bienen fragte. Er ist (wie ich) immer mit neuen Projekten beschäftigt und dann bleibt nur noch eines übrig: optimieren und allenfalls abbauen…

Bert hat noch 8 Bienenstöcke und ich noch 7. Wir werden in den nächsten Jahren unseren Bestand abbauen und vielleicht noch 3 oder 4 Bienenstöcke behalten – sozusagen für den Eigengebrauch und die Bekannten.

Ich überlege mir schon lange, ob ich nicht doch auf einen Flow Hive wechseln soll. Das spart ein bisschen Arbeit beim Extrahieren des Honigs – nur noch den Hahn auf der Rückseite des Hive öffnen und schon strömt der Honig ins Glas…

„Would you like to have a swarm…?”

Ich arbeite im Shed, aus dem Radio strömt klassische Musik und die Kreissäge mit dem riesigen Staubsauger übertönt Antonín Dvořák‘s „Symphonie aus der neuen Welt“… Aber ein unverkennbares Geräusch dringt bis an mein Trommelfell: Bienenschwarm!

Unmittelbar vor dem Rolltor ist die Luft voll von Bienen – einige Tausend dürften es sein. In grossen Kreisen zwischen der Hecke mit den Bee Hives und dem Shed kreisen sie wie ein Tornado, der sich langsam bis zu den Regenwassertanks bewegt.
Der Schwarm wird kleiner, die Traube von Bienen am Stamm eines kleinen Strauches immer dicker und nach gut 10 Minuten herrscht völlige Ruhe. Ich rufe Bert an und frage ihn, ob er meinen Schwarm haben will…

“No – but I know somebody… I’ll come over in ten minutes.” (Das ist eine Australische Zeitangabe und meint etwas mehr als eine halbe Stunde – vielleicht…)

Man hat nur eine Chance…

Bert kommt – legt das weisse Tuch unter den Strauch, stellt die Beebox drauf, greift an den Stamm oberhalb der Traube von Bienen und dann rüttelt er einmal so heftig, dass die Mehrzahl der Bienen aufs weisse Tuch „abstürzt“. Wenn man dieses „Losbrechen“ der Bienen nicht beim erstem Mal schafft, dann fliegen sie mit grosser Wahrscheinlichkeit weiter.

Follow me…

Was nun folgt ist ein Schauspiel der besonderen Art. Kaum liegt dieser Haufen von Bienen auf dem Tuch (es sind nur wenige weggeflogen), da beginnen die ersten zielstrebig zum Schlitz in der bereit stehenden Bee Box zu marschieren. Bert sagt, dass sie den Wachs der Bienenwaben in der Box riechen können. Der grosse Marsch in die Box beginnt – und wo ist die Queen?
Und was ist mit jenen Bienen, die noch am Stamm hängen und nun auch noch in die Box sollten? Wer sagt ihnen, wie sie vom Stamm bis zum Eingang der Box gelangen?

Schwarm-Intelligenz! Einige Bienen gegen „zu Fuss“ (sie fliegen nicht bis zu den zurück geblieben Bienen!) den langen Weg vom Eingang über den Mulch unter dem Busch bis hinauf zum Stamm. Unterwegs drehen sie sich in Richtung des Weges zur Box und signalisieren den anderen mit dem „Waggle Danse“ in welche Richtung sie gehen müssen!

Wir bauen eine Brücke

Um den Zurückgebliebenen den Weg vom Stamm zur Box zu verkürzen, bauen wir ihnen aus einem Stück Holz eine Brücke. Es dauert ein Weilchen, bis die ersten Bienen auf die Brücke krabbeln – ganz langsam und vorsichtig tasten sie sich heran und wenn einige die Brücke als „sicher“ erkannt haben, dann gehen sie zurück zum Stamm, machen Ihren „Waggle Danse“ und dann folgen ihnen ein paar Tausend Bienen zielstrebig bis in die Box.


Eine Stunde später sind sie alle in der Box… Einige „Scout Bees“ erkunden schon mal die neue Umgebung, aber nach Sonnenuntergang ist dann definitiv „Feierabend“. Bert kommt, klebt den Eingang zu und bringt die Box mit „meinen“ Bienen zu einem Freund.

How slow is “slow”?

Am 12. August…

saß ich mit einiger Anspannung vor meinem MacBook, vergaß vor lauter Nervosität die Videokamera einzuschalten – und wartete auf einen Skype-Anruf von Peter Wood.

Nach der Online-Prüfung war mir nach einem Kaffee zumute und beim Aufstehen aus dem Bürostuhl bin ich dann über die nicht eingeschaltete Videokamera gestolpert – Shit…

Zwei Stunden später…

hat mir Peter Wood in einem Mail bestätigt, dass er mein Prüfungsformular für den LROCP mit den schwarz markierten Ellipsen erhalten und gleich an das OMC (Office of Maritime Communications) geschickt hat. Das OMC ist im Australian Maritime College in Launceston (Tasmania) angesiedelt – als Teil der University of Tasmania.

Seither herrscht Schweigen…

und ich hatte keine Ahnung, ob ich den Test nun bestanden habe. Wenn ich die Videokamera eingeschaltet hätte, dann hätte ich nach dem Kaffee nämlich auf dem Video die Fragen mit meinen Antworten vergleichen können…

Schon vor der Prüfung hat mir Peter gesagt „…they are slow…“ Aber was das genau heissen soll, hat er mir nicht gesagt.

Genau einen Monat später (also heute)…

ist dann ein Mail von Peter Woods gekommen…

100%…

Ich bin gut vorbereitet gewesen, aber eine Prüfung via Internet ist doch etwas ungewohnt und darum habe ich gehofft…  Aber ich war mir auch bewusst, dass sich einer oder mehrere „Stress-Fehler“ eingeschlichen haben könnten…

Was heisst nun „shortly“?

Darüber kann ich im Moment nur rätseln – denn die Grenzen zwischen den Staaten in Australien sind wieder einmal zu. We will see…

Wenn der Jasmin duftet…

… dann kommt der Frühling

Der letzte (und einzige) Frost in diesem Winter ist längst Vergangenheit. Aber weil das Wetter diesen Winter eher wärmer war, haben viele Büsche mit dem Spriessen der Blüten zu früh angefangen. Meine drei Chili-Sträucher in einer einzigen Nacht erfroren und nun sehen sie miserabel aus. Ich habe sie etwas zurück gestutzt und nun hoffe ich, dass aus den noch lebendigen Ästen neues Leben entsteht.

Ursi‘s Mangobaum hat’s bös erwischt. Im vierten Jahr ist er offenbar übermütig geworden und er hat mehr als ein Duzend Blüten-Sprossen wachsen lassen. Nun sind sie braun und werden absterben. Aber ich kenne diesen Baum nun gut genug, um zu wissen, dass er in ein paar Wochen neue Blüten erzeugen wird.

Der Mandarinenbaum, den Jane letztes Jahr „tot gestutzt“ hat, ist voll von jungen Trieben und einer unglaublichen Zahl von Blüten. Die wenigen Früchte letztes Jahr waren zwar gross, aber nicht wirklich ein Genuss…

Nun ist es wärmer geworden…

und es wird keinen Frost mehr geben. Der Jasmin (er wächst rund im den Regenwassertank herum) verbreitet seit einer Woche einen fast narkotisierenden Duft. Das ist Frühling…

Schon vor ein paar Wochen haben auch die sieben Bee Hives einen intensiven Duft nach Honig über den Garten verteilt. Die Bienen fliegen zahlreich zwei Stunden nach Sonnenaufgang aus und kurz nach 3pm herrscht ein riesiges Gedränge vor dem Eingang der Boxen. Die Blüten machen Feierabend und dann gibt es nichts mehr zu holen – also kommen sie „nach Hause“ und räumen auf.
Sie haben an ihren Beinchen viel Pollen mitgebracht und das bedeutet, dass die Queen Hunger hat und gefüttert werden will…

Ein Spaziergang durch den Garten…

2 / 12

Vor 30 Tagen…

haben die Plover ihr Nest unter dem Apfelbaum wieder bezogen und vier Eier abgelegt. 28 Tage dauert das Ausbrüten und in dieser Zeit wechseln sich die Eltern ab. Wenn die Sonne kräftig scheint, dann gehen sie auf Futtersuche oder „machen Pause“.
Nun sind sie ausgeschlüpft – und kaum sind sie aus dem Ei, fangen sie schon an herum zu laufen. Fliegen können sie noch nicht, aber schnell rennen und mit ihrem bauschigen Federkleid sind sie gut getarnt. Aber auch eine gefragte „Speise“ sind sie für Magpies und andere Raubvögel. Wer immer in die Nähe der Kleinen kommt, wird von den Plovers mit Vehemenz angegriffen. Selbst für uns sind sie dann mit ihren scharfen „Krallen“ an den Flügelgelenken ziemlich gefährlich.

Morgen werden sie ihr Nest verlassen haben und dann sieht man sie nur noch ein paar Tage unter den Hecken, wo die Kleinen das Fliegen lernen werden…

Bäng – Bäng – Bäng – …

… so ging das nun seit ein paar Wochen jede Nacht. Ziemlich unangenehm, wenn man (anstatt zu schlafen) seinen eigenen Herzschlag fühlt und das auch noch mit einer Frequenz, die ich nur beim Arbeiten erreiche… 55 oder weniger sollten es sein für einen geruhsamen Schlaf… aber dieses „Reinhauen“ des Herzschrittmachers ist mir auf die Nerven gegangen und am Morgen war ich alles andere als fit.

Analysieren…

Ich kenne meinen Schrittmacher auswendig. Aber damit ich keine falschen Schlüsse ziehe, habe ich mir das Handbuch wieder zu Gemüte geführt und den Diagnosebericht von 2017 mit allen Daten wieder gelesen.

2014 habe ich meinen ersten Kardiologen „in die Wüste geschickt“, weil er sich geweigert hat, mir eine Kopie des Handbuches zu geben. Hat wohl gedacht, ich sei zu blöd um zu verstehen, was drin steht.

Der zweite Kardiologe war jünger und hat die Chance genutzt, einen wissbegierigen Patienten zu haben. Von ihm habe ich das Handbuch dann erhalten – aber natürlich war einiges für mich unverständlich. Er hat mir aber auf die Sprünge geholfen…

Mein Trainingsprogramm von Oberdiessbach über das Schnittweierbad bis nach Thun habe ich sicher 50 Mal absolviert und dabei minutiös alle Daten und meinen „physischen Zustand“ dokumentiert. Schritt für Schritt haben ich dann die Parameter in meinem Schrittmacher bis an die Grenzen des zulässigen verschoben. So nach dem Motto: mein Herz muss nach der OP das Arbeiten wieder lernen – und nicht als Sklave des Schrittmachers werkeln… Gelegentlich hat das bei meinem Kardiologen ein Stirnrunzeln erzeugt, aber er hat viel über Herzschrittmacher gelernt (seine Aussage…)

Wenn also mein Schrittmacher mir 70 bpm „verordnet“, dann ist etwas faul und der Schrittmacher ist im „asynchronen Betrieb“. Das geschieht, wenn er eine Fehlfunktion diagnostiziert oder wenn er durch elektromagnetische Störfelder so stark irritiert wird, dass er „die Notbremse zieht“ und mit konstanten 70 bpm meinem Herz den Takt vorgibt…

Und woher kommen diese Störfelder?

Es haben sich in den vergangenen Wochen nur zwei Dinge geändert: ich habe eine Fahrt mit AMIGO auf dem Hastings River unternommen und Wendy Hee hat meine rechte Schulter mit einem elektrischen Impulsgenerator behandelt. Dass das wohl nicht ganz „regelkonform“ war, ist mir heute klar. Aber wie sieht es mit dem Hochspannungsgenerator in meinem British Seagull aus? Reicht dieses vermutlich starke Störfeld aus, um einen Herzschrittmacher ausser Gefecht zu setzen? 

Steven hat’s geflickt…

Gestern war ich in Port Macquarie um meinen Pacemaker testen zu lassen. Steven – der „Servicetechniker“ – hat nicht lange gebraucht, um den „Schaden“ zu diagnostizieren: asynchroner Betrieb! 
Weil ich das schon vermutet hatte, habe ich den Rapport von 2017 mitgenommen und Steven hat die korrekten Werte wieder in meinen Pacemaker geladen. Er hat ein paar Werte angepasst, weil ich vermutlich in meiner „Optimierungs-Euphorie“ etwas zu weit an die Grenzen gegangen bin. 
„Your settings are a bit unusual – but if you feel well we leave them…” sagte er zum Schluss und bot mir an, mich bei ihm zu melden, wenn der Pacemaker wieder Probleme machen sollte…

Die Frage ist nicht beantwortet…

Ich muss nun Steve beauftragen, in dieser Flut von Daten den genauen Zeitpunkt zu ermitteln, wann der Pacemaker in den asynchronen Betrieb abgestürzt ist. Erst wenn ich das weiss, kann ich mit Sicherheit sagen, dass ich weiterhin mit meinem (und den noch kommenden) British Seagull auf dem Wasser unterwegs sein darf. Ich drücke mir die Daumen…

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