The Boxes or

Christmas for Cheyne

Am 22. Dezember, ich habe gerade den Clinical Table im Koala Hospital übergeben, sitze ich draussen unter einem Blechdach Cheyne und Scott gegenüber. Sie wollen offensichtlich etwas von mir…

Scott holt aus einem versteckten Raum eine Anesthesia Machine. Das ist ein transportables Gerät zum Anästhesieren von Kleintieren. Und einen ziemlich schweren, aber kompakten Behälter für die Anästhesierflüssigkeit, „Vaporiser“ genannt. Beide befinden sich in einer grossen Kartonschachtel, vollgestopft mit Frottée-Tüchern, damit den empfindlichen Geräten nichts passiert.

Mir ist klar, was sie von mir möchten, noch bevor Cheyne den Mund aufmacht: eine Transportbox. Und für den Vaporiser ebenfalls eine Transportbox…

Wo ist die Betriebsanleitung?

Die Aufgabe ist nicht ganz einfach. Denn dieses Gerät hat seitlich zwei Schlauchanschlüsse für die Maske, hinten einen Anschluss für den Sauerstoff und auf der linken Seite den „Auspuff“. Obschon ich mir in etwa vorstellen kann wie ein Anästhesier-Apparat funktioniert, so wäre es doch hilfreich, wenn ich eine Betriebsanleitung haben könnte. Aber dieses Gerät ist ohne eine solche geliefert worden oder sie ist verloren gegangen…

Also maile ich mal nach China. Irgendwie geht mein Mail verloren, aber beim zweiten Versuch bekomme ich von Candy eine solche. Ich verspreche ihr ein paar Bilder der Boxen…

Mittlerweile bin ich aber bereits am Bauen. Wenn man für den Bau einer solchen Box keine „Spezifikationen“ erhält, dann muss man sich diese eben selbst schreiben…

“Die Box muss den Anästhesier-Apparat bestmöglich schützen und der Apparat muss in der Box bleiben, wenn man ihn benützt.“

Von der Skizze zur fertigen Box

Wenn ich mir die Box heute anschaue, dann ist die Ähnlichkeit zur ursprünglichen Zeichnung verblüffend. Diese Box entstand sozusagen in einem Iterativen Prozess… Dort wo die (untauglichen) Ingenieure die Anschlüsse positioniert haben, muss ich nun eine Öffnung in die Box machen. Sie muss aber verschliessbar und ein bisschen staubdicht sein… Ich habe manche Nacht an einer eleganten Lösung herum studiert. Jetzt hat jede Seite eine kleine Klappe, welche von einem (unsichtbar) eingebauten, starken Samarium-Kobalt-Magneten im geschlossenen oder geöffneten Zustand festgehalten wird.

Die rote Farbe…

Sie hat natürlich eine Bedeutung! Alles was rot gekennzeichnet ist, ist ein Sicherheitselement. Und es ist „unter Strafe“ verboten, die beiden Boxen ohne korrekte Bedienung dieser Sicherheitselemente zu transportieren oder zu benützen… Also braucht es eine kleine Instruktion!

“That’s like Christmas…”

Cheyne sitzt an ihrem Clinical Table, hat die beiden Boxen schon von allen Seiten fotografiert und strahlt wie ein kleines Mädchen vor dem Weihnachtsbaum. Wenn Cheyne – sie ist sonst eher nüchtern – dieses Lächeln auf dem Gesicht hat, dann ist sie wirklich begeistert…

… Auftrag Nummer 3…

Ich habe schon so etwas vermutet… Cheyne steht auf und geht zum „Gift-Schrank“. Sie holt eine Schachtel mit Anästhesier-Isoflurane und entnimmt ihr eine Glasflasche. Diese Flüssigkeit wird im Vaporiser verdampft und dann schläft das Koala mit der aufgesetzten Maske langsam ein und Cheyne kann das Skalpell zücken…

Es sind noch einige Kaffeelöffel in der Flasche und diese überreicht sie mir nun mit dem „Auftrag“: sie hätte gerne eine „Box“, damit die Flasche beim Hantieren im Bush nicht versehentlich zu Bruch geht… sonst schläft Cheyne ein, anstelle des Koalas…

… und Auftrag Nummer 4…

Box Nummer 3 ist sozusagen ein Spaziergang… Aber nun steht Cheyne erneut auf, kramt in ihren Jeans nach einem Schlüssel und öffnet den kleinen Tresor. Diese Flasche ist etwas grösser und ihr Blick sagt mir, dass ich diese Flasche mit der grösstmöglichen Vorsicht auf den Clinical Table stellen soll. Sie ist halb voll und der Inhalt wäre auf dem Schwarzmarkt weit über 10‘000 Dollar wert… Eine winzige Dosis reicht, um ein Koala zu erlösen, wenn es keine Rettung mehr gibt…

Wenn diese Flasche zu Bruch gehen würde, dann käme die Chemiewehr mit dem grossen Aufgebot… Und darum hätte Cheyne gerne eine „bombensichere und verschliessbare“ Box für dieses Fläschchen…

Ich mache eine Zeichnung der Flasche, nehme alle Masse und dann geht die Flasche zurück in den Tresor… Mein Auftrag ist klar!

Die längste Baustelle…

ist fast fertig…

Die Vorgeschichte

Wir sitzen noch in Oberdiessbach und planen „unser Haus“. Oder die Hälfte des Hauses. Mit Rotstift tragen wir ein, wie wir die Räume gestalten wollen und den Vorplatz vor unserem Hausteil. Denn schliesslich sollte wenn möglich alles (oder fast alles) bereit sein, wenn unsere Möbel in King Creek ankommen.

Aber es lief nichts nach Plan. Weder der Transport unsrer Hausrates, noch der Visum-Prozess. Als wir hier eingezogen sind, war die Baustelle noch nicht einmal angefangen… wir haben buchstäblich in „fremden Betten und Räumen“ gehaust.

Der Patio oder der Vorplatz

Im Winter letzten Jahres waren wir es dann leid aus der Küche direkt ins Gras zu treten. Ein Vorplatz mit Dach wäre kein Luxus. Und ausserdem wurde es in der Garage mit all den Gartenmöbeln etwas eng…

Also habe ich wieder einmal Zeichnungen für den Vorplatz und das Dach gemacht. Von der komplizierten Variante bin ich bald einmal bei einer relativ einfachen Konstruktion gelandet. Man kann alles machen, wenn man das nötige Kleingeld hat. Aber mit einem noch nicht verkauften Velogeschäft in Münsingen waren finanzielle Abenteuer nicht angesagt.

Spatenstich im Mai 2017

Wohin mit dem Gras? Denn wir reden von über 30m2 bestem Rasen. Der Farmdrive entlang Gary’s Zaun ist nicht gerade eine edle Stelle und für mich ein täglicher Ärger. Denn aus dem Shed muss ich diesen ungepflegten Weg täglich ansehen. Also sage ich Jane, dass sie die Grasnarben auf dem Farmdrive verlegen lassen soll … ich bin nämlich zu dieser Zeit in der Schweiz.

 

Dass sie meinen frisch gereinigten Vorplatz als Zwischenlager verwenden wird, konnte ich nicht ahnen… Man beachte mein erstes Bienenhaus (Yellow Hive), noch ohne Bienen…

Paul the Concreter

Jeder kennt hier Jemanden, der Dieses oder Jenes machen könnte. Die Kleinbetriebe und Ein-Mann-Betriebe haben Hochkonjunktur. Es herrscht Bauboom…

Aber Paul kommt fast termingerecht und betoniert das Fundament für den späteren Plattenboden.

 

Die Bodenplatten…

Eigentlich wäre alles ganz einfach. Man bestellt die gleichen Platten wie jene vor Janes Hausteil und dann passt alles zusammen… Wir lassen ein Muster kommen, aber leider ist die Farbe nicht identisch und damit beginnt eine langanhaltende Diskussion. Der Importeur sagt, dass er eine Sendung aus Italien erwarte, aber die Platten seien noch in der Fabrik und es dauere mindestens noch 12 Wochen, bis diese in Sydney ankommen würden. Wir sind hier eben ein bisschen abgelegen…

Wir sind langsam etwas genervt und entscheiden uns für ein helles Grau. Diese Platten sind verfügbar – in Sydney. Die Platten kommen und viel später auch der Plattenleger. Und weil er offensichtlich einen sehr schlechten Zement verwendet und die Platten nicht richtig reinigt, muss der Chef des Betriebes zweimal kommen und mit einem speziellen Reinigungsmittel „das Gschmier“ beseitigen…

Rod the builder

„Rod will do the building work” sagte Jane. Rod hat schon den grossen Aviary und unsere Küche gebaut. Aber Rod ist eigentlich pensioniert und ausserdem nicht mehr ganz in Topform. Mit der Qualitätskontrolle nimmt er es ausserdem nicht so genau… Und er redet ziemlich viel…

Er hat dreimal hintereinander Mass genommen und danach eine Offerte gemacht. Als dann endlich die Platten gelegt waren, hat Rod uns eröffnet, dass er das Dach nun doch nicht bauen könne, weil er zwischenzeitlich ein Grundstück mit einem alten Haus gekauft habe und dieses müsse er nun abreissen und dann sein Traumhaus bauen… Aber er hätte einen Kollegen, der könnte unser Dach bauen.

Ein Hauch von Qualität…

Dieser Kollege – John – kommt am gleichen Abend, sieht sich meine Zeichnung an und verspricht, die Offerte bis Mitte Woche zu erstellen. Natürlich vermisst auch er nochmals den Vorplatz und das zukünftige Dach. Aber die Offerte kommt zeitgerecht und wenn wir uns kurzfristig entscheiden würden, dann fange er mit der Arbeit noch vor Weihnachten an…

Ich glaube schon längst nicht mehr alles… Und ich sollte Recht behalten. Am 1. Februar war dann fast alles Material neben unserer Garage gelagert und John hat mit der Arbeit begonnen. Mit wenig Reden und konsequentem Arbeiten. Denn der Unbau sollte fertig sein, wenn Susannes Cousine am 15. Februar zu Besuch kommt.

 

2 / 15

Schneller als erwartet…

Als dann am folgenden Tag auch noch Lee zum Team gestossen ist, ist in der grossen Hitze schwer gearbeitet worden. Kein Murks, alles durchdacht und professionell ausgeführt. Das hat hierzulande eher Seltenheitswert!

Nun hängen noch die Kabel aus der Decke…

Der Elektriker (einer, den man jederzeit wieder beauftragen würde) kommt am 5. März. Und wenn an diesem Tag kein Material fehlt und auch sonst nichts schief geht, dann haben wir am folgenden Tag endlich unseren Sitzplatz..

“Due to our workload…”

Ich komme vom Players Theatre nach Hause, bin hundemüde und nicht aufgelegt für weitere „Herausforderungen“… Da flattert ein e-Mail in meinen iPad, aus dem hervor geht, dass der Elektriker überlastet sei und dass er den Auftrag zum Anschliessen der LED-Leuchten leider ablehnen müsse…

Ich esse ein paar Früchte und kleine Cherry-Tomaten aus Jane‘s Garten und dann gehe ich in den Shed. Dort arbeitet einer, der keine Aufträge wegen Überlastung ablehnt…

… und Morgen werden wir einen Elektriker suchen!!!

Valley Industries

Taree

Ich bin nun langsam überzeugt, dass Taree ein miserables Klima hat. „Shit hot and humid…“. Ich bin unterwegs zum Bee Shop entlang einer breiten Strasse durch das Industriequartier. Kein Baum, kein Dach, keine Wolke, feurig heisse Blechwände der Shops und stehende Luft. Meine Kleidung ist von der innersten Schicht bis zur Mütze „Tropen-erprobt“. Hilft alles nichts…

Sprinkler

Rechts hinter dem schweren Eisentor liegt die Nursery von Valley Industries. Der Gärtner – ein Mitarbeiter von Valley Industries – hat soeben den Wasserhahn aufgedreht und nun „sprinkelt“ es bis auf die brandheisse Einfahrt. Ich lasse mir ein paar Tropfen auf die Haut fallen und dann zieht es mich in den Bee Shop.

„How are your bees?”

In unserer Küche sieht es etwas „überstellt“ aus, seit ich meinen ersten Honig dort extrahiert habe. Die ersten 7 kg sind schon in den Gläsern und auf der Kücheninsel steht die umgebaute Sistema-Box. In ihr liegen vermutlich nochmals 5 bis 6 Liter Honig. Wenn ich diese heute abfüllen will, dann muss ich diesen Honig durch das Sieb laufen lassen und dazu fehlen mir noch ein paar Kleinigkeiten. Und darum bin ich schon wieder in Taree…
Auf die Frage von Nigel, antworte ich: „14 Kilogramms out of one box”. Das scheint für ein sehr junges Bienenvolk in weniger als 4 Monaten eine „sehr gute Leistung“ zu sein.

Ich habe mal gerechnet…

Bert hat letzthin im Internet eine Antwort auf die folgende Frage gefunden: „Wie viel Honig sammelt eine Biene in ihrem Leben?“
Da Jedermann im Internet sein Halbwissen ohne Fakten deponieren kann, hat mich die Antwort stutzig gemacht. Ich glaube ohnehin nur, was ich selbst sehen oder selbst nachrechnen kann…
Bert hat (geschätzt) 250‘000 Bienen. Zum Zeitpunkt X. Angenommen, dass eine Biene im Durchschnitt 60 Tage lebt, dann sind das 6 Generationen im Jahr oder 1.5 Mio Bienen.
Bert hat aus dem letzten Jahr rund 100 Liter Honig gewonnen. Ein Teelöffel fasst 2 Milliliter. 100 Liter sind also 50‘000 Teelöffel.
Jede Biene von Bert hat somit in ihrem Leben einen Dreissigstel eines Teelöffels Honig gesammelt. Oder wenn man das auf ein Bienenjahr hochrechnet, dann sammeln 6 Bienen pro Jahr einen Fünftel eines Teelöffels (im Durchschnitt).
Sind nun Bert’s Bienen besonders faul oder hat Bert im Internet „Bullshit“ gefunden?

Ich rechne nach…

Aus meinem Purple Hive habe ich (gut geschätzt) 10 Liter Honig gewonnen. Diese rund 20‘000 Bienen haben bei mir 3 1/2 Monate gearbeitet. Sie mussten zuerst Honigwaben bauen, bevor sie Honig einlagern konnten!
Knapp 2 Generationen oder 35‘000 Bienen haben also 5‘000 Teelöffel Honig gesammelt.
Jede meiner Bienen hat demnach (im Sommer, wenn alles blüht) einen Siebtel Teelöffel Honig gesammelt. Das liegt ziemlich weit über dem Durchschnitt von Bert‘s Bienen. Kein Wunder, dass er ein bisschen neidisch ist auf meine kerngesunden und völlig Schädlingsfreien Bienenvölker. 

Bullshit or no Bullshit?

Wenn ich nun eine (sehr gewagte) Extrapolation über ein Jahr für meinen Purple Hive machen müsste, dann würde ein Bienenjahr (6 Generationen) einen halben Teelöffel Honig sammeln.
Im Internet stand, dass jede Biene (in ihrem Leben oder in 6 Bienengenerationen?) 2 1/2 Teelöffel Honig sammelt. Also doch Bullshit…

New Business Policy

Bert hat vor ein paar Wochen zugestimmt, dass es bei uns ab sofort keinen „Honey for free“ mehr gibt. Beekeeping ist zwar unser Hobby, aber wenn ich die oben gerechneten Arbeitsleistungen unserer Bienen betrachte, dann flösst mir das Respekt ein. Honig ist nicht wie Konfitüre…
Gestern haben Jane und Susanne eine Party für den weggezogenen „Little John“ organisiert und die Nachbarschaft dazu eingeladen. Ich solle doch den Eingeladenen je ein Glas meines ersten Honigs als Geschenk übergeben. Ich sage dazu folgendes: Ich schenke jedem ein Glas, aber die Spende von 4 Dollar für das Koala Hospital müssen sie bezahlen. So steht das auf der Etikette. Ich war nicht schnell genug, um den Schutzhelm auf den Kopf zu stülpen, denn es hagelte sofort Proteste. Mein Argument, dass der Honig geschenkt sei, nicht aber die Donation für das Koala Hospital, haben die beiden nicht gelten lassen. Geendet hat die Diskussion damit, dass mir Susanne eine Zwanzigernote „überreicht“ hat… Minderheiten müssen gelegentlich den Mund halten…

„Is there somewhere a Karl…???”

Ich besteige wieder den XPT Richtung Wauchope. Mein reservierter Platz wird von einem Zugschläfer belegt und er braucht auch gleich noch den Sitz nebenan. Ich suche mir einen freien Fensterplatz…
Und als die Zugbegleiterin auf Sitz 15 keinen Karl findet, ruft sie mich aus. Siehe oben. Andere Länder, andere Sitten…

Ehre wem Ehre gebührt gebührt – eine meiner Fleissigen!

Jarrah

”Nobody ready to play with me ???”

“I like my milk…”

 

“Don’t disturb me…”

“Goodnight – See you tomorrow !!!”

First Honey Flow

The Kettle is boiling…

„Hi Bert! The kettle starts boiling in about 15 minutes! Ready?„ Für meine erste Honey-Extraktion habe ich Bert für eine „Supervision“ organisiert. Ich denke, er hat das erwartet, denn als mein „Lehrmeister“ will er doch wissen, was sein Schüler machen wird.

“Karl, that looks good…“

Bert scheint über meine „Honig-Werkstatt“ in der Küche zufrieden zu sein. Der Boden ist mit einem langen Leinenstoff geschützt, denn Honig ist eine ziemlich klebrige Sache. Und ich habe keine Lust auf den Knien den Boden zu schrubben…

Berts umgebauter Dampfkochtopf produziert Dampf und damit heizt er das „Uncapping Knife“. Das ist zwar eine Uralt-Technologie und umständlich, aber das Messer wird nie heisser als 100°C. Mein brandneues elektrisch beheiztes Messer hat am Sonntag total versagt. Es ist so heiss geworden, dass der Honig beim Schneiden der Honigwaben karamellisiert ist. Ziemlich hässlich und geschmacklich „gruuusig“. Ich schneide meinen ersten Rahmen auf. Das geht ohne Übung relativ gut und Bert musste nur ganz wenig „nacharbeiten“. Die nächsten beiden sind schnell bereit und dann kommt mein Extractor zum Zug. Und meine Oberarme…

First Honey Flow

Wie viel Honig wird aus diesen 7 Rahmen kommen? Ganz gleich wie viel es sein wird, diese ersten Teelöffel voll eigener Honig sind schon ein Erlebnis. 

Abwarten

Da die Box mit den Honigwaben letzte Nacht im Shed gestanden hat, ist der Honig zu kalt und zähflüssig. Er geht durch kein Sieb. Und darum müssen die knapp über 10 Liter Honig nun einige Tage in der umgebauten Sistema-Box ausharren. Dann haben alle Verunreinigungen Zeit an die Oberfläche zu schwimmen und ich kann unter diesem „Deckel“ den glasklaren Honig abziehen und in Gläser abfüllen…

Honey Flow

oder Erntezeit

60 Liter oder 95 Liter?

Die SMS auf meinem Phone sagt, dass Bert am Sonntag um 9am mit dem Extrahieren beginnt. Ich habe mich dazu angemeldet, weil es hoffentlich in meinen Bee Hives auch mal Honig gibt… und dann sollte ich wissen, wie man das macht.

Natürlich ist bei Bert alles viel grösser und sein Honey Extractor ist mächtig. Und alt und rumpelt und alles ist etwas schief und wackelt. Neben dieser Maschine stehen zwei Stapel Boxen, gefüllt mit vollen und schweren Honigwaben. Es ist schon ziemlich warm in seinem Shed, denn er heizt mit dem Heizlüfter von unten die Maschine. Dann fliesst der Honig etwas leichter…

Ich assistiere und lerne bei allem was Bert macht. Und gleichzeitig überlege ich mir, wie ich das mit meiner sehr viel kleineren Ausrüstung machen würde, wenn ich Honig hätte… und natürlich werde ich einiges perfekter machen als Bert. Angeborene Unsitte…

“Let’s check your bees”

sagt Bert nach dem Extrahieren des letzten Rahmens. Denn der Schwarm, den Bert vor wenigen Wochen bei uns eingefangen hat, hat in dieser Zeit zwei Boxen mit Honig gefüllt. Und wenn man das auf meine Bienen überträgt, dann haben die hoffentlich nicht geschlafen…

Eigentlich bin ich verschwitzt und hundemüde, aber weil der Himmel gerade ein grösseres blaues Loch präsentiert, kommt Bert um 3:30pm (in kurzen Hosen, T-Shirt, Flipflops, aber wenigstens mit seinem Kopfschutz). Ich bin wie immer für den Smocker zuständig und für alle nötigen Werkzeuge.

Wir finden sehr schöne Brutzellen und Honig in den Ecken der Rahmen. Und keinen einzigen Bee Beatle. Das ist äusserst ungewöhnlich und sehr gut. Davon kann  Bert nur träumen.

Aber im Purple Hive haben die Bienen eine ganze Box fast vollständig mit Honig gefüllt.

Übrigens hat Bert an diesem Tag 95 Liter Honig extrahiert. Davon kann ich hingegen nur träumen.

Wir holen „meinen“ Honig ab…

Heute kommt Bert in „voller Montur“ zu mir. Denn wenn man den Bienen eine ganze Box wegnimmt, dann muss man zuerst die Tausend oder mehr Bienen los werden, die gerade die Honigwaben füllen. Mit ein bisschen Rauch und der Bienen-Bürste beruhigen wir die Bienen und wischen sie dann ab… Tönt einfacher als es ist, denn Bienen können hartnäckig sein und sie werden „cranky“… Bert hat die schweren Handschuhe an und ich trage keine, weil ich für die „Logistik“ zuständig bin und mit den dicken Handschuhen nicht arbeiten kann. Und natürlich erwischt mich eine und nun ist meine linke Hand geschwollen und den Ehering könnte ich gerade noch rechtzeitig mit viel Seife und murksen abnehmen…

Es fehlt noch an fast allem…

Erst wenn der „Ernstfall“ eintritt, dann erweist sich, ob alles bereit ist. Bei mir ist fast nichts bereit und nun steht eine Box mit Honig in meinem Shed. Ich habe weder einen Container fürs „Uncapping“, noch eine Box zum Zwischenlagern des Honigs, wenn er aus dem Extractor fliessen wird.

Bevor das alles nicht bereit ist, kann ich die Box mit dem Honig nicht öffnen. Denn täte ich das, wäre mein Shed in Minuten mit Bienen gefüllt, die sich „ihren Honig wieder holen möchten…“

Tool-Maker K

Ich bin mal wieder im Element! Mittlerweile bin ich in einschlägigen Fachgeschäften in denen es Schrauben, Holz, Farben, Beschläge, Stoffe, Werkzeuge und „Unmögliches“ gibt so bekannt wie ein roter Hund. Gelegentlich, wenn ich etwas Exotisches brauche, dann fehlt mir das Englische Wort und dann zücke ich mein iPhone. Aber die Übersetzung einer „Schlossschraube“ löst dann jeweils entweder ein Gelächter oder ein Kopfschütteln aus. Dann frage ich den Verkäufer für Papier und Bleistift und mache ich eine Zeichnung… „You are looking for a Cup Bolt???“. Ich nicke und warte, ob er eine Schlossschraube bringt. Wenn nicht, dann war meine Zeichnung ganz schlecht…

Alles bereit…

„Think smart, not big…“. Meine Einrichtung muss handlich, klein, gut zu reinigen und wenn möglich zerlegbar sein. Und hygienisch einwandfrei sein…

Morgen ist die Bewährungsprobe…

 

Animals

Seit einer Woche vermisst…

Ich bin für Artenschutz. Und ausserdem waren die Redback Spiders hier heimisch (und anderswo), bevor Jane ihr Haus auf dem unbewohnten Land gebaut hat.
Aber seit 2008 geht es den Redback an den Kragen. Und seit wir hier sind, ist auch Susanne mit dem Giftspray unterwegs…
Ich schweige dazu, denn Widerstand ist zwecklos (ich bin in der Minderheit und habe sowieso „verschrobene“ Ideen).
Was die beiden nicht wissen (und auch nicht wissen dürfen), ist dass ich ein „Nature Reserve for Redback Spiders“ habe. Dieses befindet sich in der Nähe meines Sheds. Wenn ich abends mit der Spritzkanne unterwegs bin und an einer Stelle zu wenig gut ziele, dann schiesst sie heraus, denn sie mag kein Wasser in ihrem Versteck.
Seit einer Woche ist sie aus ihrem Revier ausgebrochen. Das ist etwas „unangenehm“, denn wenn man Redback Spiders pflegt, ist man gut beraten, wenn man weiss, wo sie steckt. Nun muss ich also heute Abend beim Giessen ganz genau hinschauen und ihr neues Versteck finden…
Und vielleicht sollte ich mir für AU$ 99.00 einen EpiPen (Atropin-Spritze) kaufen. Für den Fall dass die Redback schneller ist als ich…

Das Trio

Gandalf

Auf der Rückfahrt vom Flughafen haben wir letzte Woche bei Wendy ein ca. 200 Tage altes Eastern Grey Kangaroo mitgenommen. Wurde am Vortag im Strassengraben gefunden und hatte ein paar böse Schürfungen.
Das siebente Kangaroo oder Wallaby musste somit auf einen Namen mit „G“ getauft werden.
Ich bin einmal mehr mit meinem Vorschlag unterlegen und nun heisst er „Gandalf“. Gandalf der Graue – eigentlich passend. Gandalf dürfte etwa 4 bis 5 Monate bei uns bleiben. Und wenn er 6kg wiegt, dann darf er mit anderen Kangaroos in die Freiheit.

Der Rechen hat zu wenige Haken

Edgar darf nun tagsüber bereits im Aviary ohne Aufsicht herum hüpfen, aber nachts muss er in den Stoffbeutel zurück. Und somit sollte mein „Rechen“ mindestens 6 Haken für drei Beutel aufweisen. Damals, als ich ihn gebaut habe, habe ich vorausschauend 4 Haken montiert.
Also bekam ich nach der Ankunft zuhause sofort den Auftrag zwei weitere Haken anzubringen… Das muss morgen fertig sein… (Originalton Susanne).
Da ich nicht abschätzen kann, wie viele Wallabies oder Kangaroos in den nächsten Wochen „eingeliefert“ werden, hat der Rechen nun 10 Haken…

Finley

Rufname „Fin“. In Australien hat jeder für seinen Namen eine Abkürzung. Nur jene mit 4-Buchstaben-Namen kommen „ungeschoren“ davon. Einige mit kurzen Namen werden sogar nur noch mit dem Anfangsbuchstaben gerufen. J für John oder K für Karl…

Fin hat die kritischen Phase hinter sich und versucht schon die ersten Hüpfer. Nach zwei Ansätzen fällt er noch um. Auch Swamp Wallabies müssen „laufen lernen“ 

Edgar

Auch Edgar muss 6kg schwer werden. Er hat bereits die Hälfte geschafft und darf tagsüber im Aviary in illustrer Gesellschaft bleiben: über ihm klettert ein ziemlich munteres Koala-Baby herum und am Boden hockt Mister Cranky. Nicht gerade aktiv und unterhaltsam. Aber aus seinem Beutel kann er die beiden in aller Ruhe beobachten.

Und wenn wir abends in der Lounge sitzen, dann rennt Edgar seine Runden und frisst Jarrahs Eukalyptus-Blätter. Und wenn er genug hat, dann liegt er der Länge nach neben Jane auf dem Sofa…

Mister Cranky

Über ihn wissen wir eigentlich am wenigsten. Seine Entwicklung scheint enorm langsam vonstatten zu gehen. Die flaumigen Federn verliert er zwar langsam, aber die Schwanzfedern sind noch relativ kurz.

Aber etwas hat sich verändert. Wenn ich ihm die Ox Heart-Brocken in den Schnabel schiebe, dann kann er mittlerweile ziemlich kräftig zubeissen. Wenn er überleben will, dann muss er Kleintiere verspeisen können. Und das heisst, dass er eine Maus „zerlegen“ können muss. In ein paar Wochen dürfte das Füttern von Mister Cranky also zur Mutprobe werden…

Übrigens ist er ziemlich interessiert an seinen „Stallgenossen“. Er sitzt meistens unter dem Ast, auf dem Jarrah herum klettert und wenn Edgar aus seinem Beutel herausschaut, dann dreht Mister Cranky den Kopf.

Vor ein paar Tagen hat Gary auf einem seiner grossen Eukalyptus drei junge Tawny Frogmouth auf einem Ast sitzen sehen. Offensichtlich sind sie hier heimisch…

Bats

Das ist die einzige „Erfolglos-Story“. In meinem Bat Flat haben sich keine Fledermäuse (Micro Bats) angesiedelt. Aber gelegentlich sehen wir sie herum fliegen und dann kann ich ihre Töne mit meinem Bat Detector hören. Aber viele sind es nicht…

Dafür sind die Makro Bats (oder Fruit Bats) äusserst aktiv. Seit die Eukalyptus-Bäume blühen, finden Sie ein gutes Nahrungsangebot. Ihr „Gezwitscher“ ist dann aus den dunklen Baumkronen zu hören und wenn sie herum fliegen, dann rauschen ihre Flügelschläge wie in einem Dracula-Film… vermutlich haben wir in den Bago Mountains eine Fruit Bat-Kolonie.

Jarrah

Sie ist nun gute 2 Kilo schwer. Seit heute ist sie auf „Entzug“. Langsam muss sie sich von der Milch entwöhnen und dann hat sie nur noch ein Menue. Mit ein paar Variationen: 12 bis 15 Eukalyptus-Arten wird sie in dieser Gegend vorfinden.

Vermutlich wird sie noch etwa 4 Wochen bei uns bleiben. Und danach kommt Sie ins Koala Hospital in das „Dehumanising Programm“. Bei uns hatte sie drei Menschen als „Spielkameraden“ und das hat sie auch genüsslich ausgenutzt. Damit ist dann Schluss und jene Personen, welche sie in diesem „Mensch-Entwöhnungsprogramm“ begleiten werden, dürfen weder mit ihr reden, noch Blickkontakt zu ihr haben.

Für uns wird das ebenso schwierig wie für sie. Eigentlich ist sie so etwas wie ein „Familienmitglied“ geworden. Jedenfalls wird sie uns fehlen und auf meine Bemerkung, dass das „seltsam“ für uns werden wird, sagt Susanne: „Wir werden ein anderes Koala-Baby aufziehen…“

Nachtrag

Meine Redback Spider ist zurück. Sie sitzt wieder im gleichen „Loch“…

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