
Kein Arbeitsstundenzähler…
Ob ich auf dem Weg bis zum Einwässern in den Hastings River wirklich in der Halbzeit bin, weiss ich natürlich nicht. Ich habe die Stunden nicht gezählt.
Aber eines weiss ich mit Sicherheit: Nach der ersten „Überwindungsphase“ – dem Abschleifen des alten Lacks – begann die „Lustphase“. Am Morgen aufstehen, kalt duschen, ausgiebig frühstücken und dann jene Teile bauen oder bearbeiten, die ich in der Nacht „geistig vorbereitet“ habe. Gelegentlich (also relativ häufig) mache ich Zeichnungen meiner „nächtlichen Konstruktionsarbeiten“ und danach geht es entweder gleich an die Arbeit – oder ich schneide aus dickem Karton zuerst ein Modell, passe es den schiefen Winkeln im Innern von AMIGO an und danach folgt der Griff zum Marine-Sperrholz. Und wenn es Vollholz sein muss, dann führt mich mein Weg zu Bert. Er hat ein grosses Holzlager und hervorragende Holzbearbeitungsmaschinen. Und er arbeitet präzise…
Der „Durchstich“
Der Einbau des Schwertkastens (als Ersatz der untauglichen Kimmkiele) war das „Piece de Résistance“. Denn erstens sitzt mir noch immer die Behauptung meines Vaters im Nacken, dass ein Schwertkasten eine Schwachstelle sei und ausserdem irgendwann undicht werde. Also musste ich den Beweis antreten, dass man einen Schwertkasten auch so bauen kann, dass er eine Grundberührung mit dem Schwert schadlos überstehen wird (was einem Segler natürlich nicht passieren sollte…). Aber der Hastings River ist eben nicht der Thunersee, sondern ein breiter und flacher Gezeitenfluss mit jeder Menge Untiefen und Felsen unter Wasser. Und einem Tidenhub von 1,3 Metern!
Die alten englischen Zeichnungen von 1960 haben mich darum nicht überzeugt. Also habe ich nur die Masse übernommen und eine neue Konstruktionszeichnung gemacht. Aber wie macht man ein „Loch“ von 300mm Länge und 15mm Breite in ein 30mm dickes Kielschwein? Die einfache Antwort wäre: mit einem Nutenfräser!
Mein Nutenfräser ist aber zu breit und ausserdem kann man ihn nicht „freihändig“ benützen… Also wage ich den „Schnitt“ mit der Stichsäge. Die hat gerade genug Platz zwischen den Bodenwrangen… Aber wenn ich „daneben haue“, dann habe ich ein Problem!
Geschafft! Nun kann ich den inzwischen gebauten Schwertkasten über den Schlitz setzen und ihn an das gebogene Kielschwein anpassen. Das ist Feinarbeit – denn die Verleimung dieser beiden Teile muss eine Grundberührung aushalten!!!
Nun fehlen noch die seitlichen Abstützungen auf die Bodenwrangen. Und wenn das gemacht ist, dann beginne ich mit der ersten Lackierung der Innenteile. Man könnte also sagen, dass ich etwa Halbzeit erreicht habe…
Abgekupfert…
Dass es auf dem Hastings River auch ruppig werden kann, das weiss ich seit der Ausfahrt mit Jacks Tinny. Ich sass damals im Bug und nach zwei Stunden waren meine Hosen pflotschnass. Beim Segeln dürfte es nässer werden – und darum habe ich meinen Besuch im Maritime Museum in Sydney nun „ausgewertet“ und AMIGO ein abnehmbares Spritzdeck gebaut…
Es liegt einiges bereit…
Das Ruderblatt mit allen Beschlägen, die beiden Schwerter und Der Mast mit Grossbaum glänzen mit ihrer Lackierung. Sie müssen bis zum Einbau noch etwas warten, denn wie gesagt, liegt die zweite Halbzeit noch vor mir…
