AMIGO: Halbzeit

Kein Arbeitsstundenzähler…

Ob ich auf dem Weg bis zum Einwässern in den Hastings River wirklich in der Halbzeit bin, weiss ich natürlich nicht. Ich habe die Stunden nicht gezählt.

Aber eines weiss ich mit Sicherheit: Nach der ersten „Überwindungsphase“ – dem Abschleifen des alten Lacks – begann die „Lustphase“. Am Morgen aufstehen, kalt duschen, ausgiebig frühstücken und dann jene Teile bauen oder bearbeiten, die ich in der Nacht „geistig vorbereitet“ habe. Gelegentlich (also relativ häufig) mache ich Zeichnungen meiner „nächtlichen Konstruktionsarbeiten“ und danach geht es entweder gleich an die Arbeit – oder ich schneide aus dickem Karton zuerst ein Modell, passe es den schiefen Winkeln im Innern von AMIGO an und danach folgt der Griff zum Marine-Sperrholz. Und wenn es Vollholz sein muss, dann führt mich mein Weg zu Bert. Er hat ein grosses Holzlager und hervorragende Holzbearbeitungsmaschinen. Und er arbeitet präzise…

Der „Durchstich“

Der Einbau des Schwertkastens (als Ersatz der untauglichen Kimmkiele) war das „Piece de Résistance“. Denn erstens sitzt mir noch immer die Behauptung meines Vaters im Nacken, dass ein Schwertkasten eine Schwachstelle sei und ausserdem irgendwann undicht werde. Also musste ich den Beweis antreten, dass man einen Schwertkasten auch so bauen kann, dass er eine Grundberührung mit dem Schwert schadlos überstehen wird (was einem Segler natürlich nicht passieren sollte…). Aber der Hastings River ist eben nicht der Thunersee, sondern ein breiter und flacher Gezeitenfluss mit jeder Menge Untiefen und Felsen unter Wasser. Und einem Tidenhub von 1,3 Metern!

Die alten englischen Zeichnungen von 1960 haben mich darum nicht überzeugt. Also habe ich nur die Masse übernommen und eine neue Konstruktionszeichnung gemacht. Aber wie macht man ein „Loch“ von 300mm Länge und 15mm Breite in ein 30mm dickes Kielschwein? Die einfache Antwort wäre: mit einem Nutenfräser!

Mein Nutenfräser ist aber zu breit und ausserdem kann man ihn nicht „freihändig“ benützen… Also wage ich den „Schnitt“ mit der Stichsäge. Die hat gerade genug Platz zwischen den Bodenwrangen… Aber wenn ich „daneben haue“, dann habe ich ein Problem!

Geschafft! Nun kann ich den inzwischen gebauten Schwertkasten über den Schlitz setzen und ihn an das gebogene Kielschwein anpassen. Das ist Feinarbeit – denn die Verleimung dieser beiden Teile muss eine Grundberührung aushalten!!!

Nun fehlen noch die seitlichen Abstützungen auf die Bodenwrangen. Und wenn das gemacht ist, dann beginne ich mit der ersten Lackierung der Innenteile. Man könnte also sagen, dass ich etwa Halbzeit erreicht habe…

Abgekupfert…

Dass es auf dem Hastings River auch ruppig werden kann, das weiss ich seit der Ausfahrt mit Jacks Tinny. Ich sass damals im Bug und nach zwei Stunden waren meine Hosen pflotschnass. Beim Segeln dürfte es nässer werden – und darum habe ich meinen Besuch im Maritime Museum in Sydney nun „ausgewertet“ und AMIGO ein abnehmbares Spritzdeck gebaut…

Es liegt einiges bereit…

Das Ruderblatt mit allen Beschlägen, die beiden Schwerter und Der Mast mit Grossbaum glänzen mit ihrer Lackierung. Sie müssen bis zum Einbau noch etwas warten, denn wie gesagt, liegt die zweite Halbzeit noch vor mir…

Jan und seine Stresshormone

oder wozu Kot gut sein kann…

Dr. Edward Narayan forscht an der Uni Sydney. Sein Spezialgebiet ist Stress bei Tieren. Er und sein Team haben vor Jahren angefangen bei Fröschen den Stress zu messen. Warum gerade bei Fröschen ist Susanne nicht bekannt. Aber offenbar liess sich im Kot von Fröschen und später bei anderen Tieren ein Stresshormon nachweisen.

Er und sein Team haben mit diesen Erkenntnissen eine allgemein anwendbare Methode für den Nachweis von Stress bei Tieren entwickelt.

Stress bei Koalas

Koalas sind eine bedrohte Spezies. Sie werden durch die stetige Entwicklung von Städten, dem Zusammenwachsen von Vororten mit Stadtzentren, mit einem gewaltigen Ausbau der Strasseninfrastruktur, neuen S-Bahnlinien und einer stetig wachsenden Zahl von Hunden aus ihren Lebensräumen verdrängt.

Sie sind aber an ihren Home Range „gebunden“ und suchen sich nicht neue, ruhigere Gebiete mit geeigneten Futterbäumen. Sie bleiben wo sie aufgewachsen sind und versuchen dort verzweifelt zu überleben: in Gärten, auf Parkplätzen, in den Parks…

Es ist seit Jahren bekannt, dass Chlamydia (Augen- und Darmentzündungen) bei „gestressten“ Koalas sehr häufig auftreten.

Wie misst man Stress bei Koalas?

Wer seit Jahren mit Koalas „arbeitet“ kann auf Grund des Verhaltens von Koalas mit einiger Sicherheit sagen, dass ein Koala gestresst ist.

Letztes Jahr hat Dr. Narayan seine Untersuchungsmethode im Koala Hospital vorgestellt. Das Programm stiess auf Interesse und nun ist Jan einer der Probanden…

Kot einsammeln und Buch führen…

Der Verdauungsapparat von Koalas ist kompliziert und extrem langsam. Der „Durchlauf“ von Euklayptusblättern benötigt 5 bis 10 Tage. Wenn man also im Kot eines Koalas nach Stresshormonen sucht, dann ist das keine „Real-Time-Messung“. Ein Stress erzeugendes Ereignis (ein Unfall mit einem Auto, ein Hundebiss, eine Verabreichung einer Spritze im Koala Hospital) hat also eine „messtechnische Verzögerungszeit“ von 5 bis 10 Tagen. Das macht diese Methode schwerfällig und zeitraubend…

Susanne sammelt nun seit einer Woche täglich zweimal Jans Kot, steckt diesen in kleine Plastiktüten, schreibt Datum, Zeit und Ereignisse auf den Beutel und legt diesen in den Tiefkühler.

Nach einer längeren Sammelperiode gehen die Beutel nach Sydney und dort werden sie vom Team Narayan analysiert.

Forschung tut Not…

Häufigste Todesursache in urbanen Gebieten ist Chlamydia. Darum ist es besonders wichtig den Zusammenhang zwischen Stress und dieser bakteriellen Erkrankung zu erforschen.

Das Wachstum von Städten und der Ausbau der Infrastruktur ist unaufhaltsam. Aber wenn sich mit stringenten Forschungsergebnissen beweisen lässt, dass der vermutete Zusammenhang wirklich besteht, ist es einfacher bei der Planung von neuen Wohnsiedlungen und Infrastrukturen wenigstens die gröbsten Bausünden zu mindern…

Kuschel-Koalas – ist das noch zulässig?

Wer von Sydney entlang der Ostküste nach Norden fährt, der wird mit vielen, riesigen Plakaten in Zoos gelockt. „Cuddle a Koala” steht dann angeschrieben und das Bild der jungen Dame mit dem „härzigen“ Koala auf dem Arm zieht Tausende von Australienreisenden in diese Zoos.

Experten wissen aber, dass diese „Kuscheltierchen“ leiden. Ein nächster Schritt ist hoffentlich eine Stress-Analyse bei solchen Kuschel-Koalas. Damit dieser Unfug hoffentlich in naher Zukunft verschwindet…

Jan ohne Stress?

Rein visuell betrachtet scheint Jan Susannes Fürsorge zu geniessen… Sein Darm fühlte sich bei der letzten Untersuchung deutlich besser an, er hat an Gewicht zugelegt (100 Gramm pro Woche wären seine Vorgabe) und er macht einen aufgeweckten Eindruck. Cheyne hat beschlossen vorläufig auf Vitamin B und Eisen zu verzichten. Das sind gute Zeichen.

Wenn Jan so weitermacht, dann wird er in etwa 10 Wochen ins Koala Hospital umziehen können und später mit anderen Jungtieren in neuen Gebieten ausgewildert werden (weit weg von Städten…)

 

Peewee „Max“ and his Family

Am 31. Januar – es ist wieder einmal über mehrere Tage 35°C warm – sitzt ein „pflotschnasser“, junger Peewee mitten auf der Strasse in Wauchope. Warum er an einem knochentrockenen Tag völlig durchnässt ist, wirft ein paar Fragen auf. Entweder hat jemand in seinem Garten einen Baum mit seinem Nest gegen die Trockenheit gespritzt oder jemand mag keine Peewees und hat das Nest mit dem Gartenschlauch „entsorgt“…

“Max“

Max ist ein Peewee-Männchen und kann noch nicht fliegen. Peewee ist ein landläufiger Name, weil er den Gesang dieses Vogels ziemlich genau wiedergibt. Genau genommen ist es ein Magpie-lark (Grallina cyanoleuca). Sie sind in der Regel zu zweit unterwegs und verteidigen ihr Revier ziemlich rigoros. Das machen aber auch die anderen Vögel im gleichen Revier und darum ziehen die Peewees oft den Kürzeren.

Dauerhunger…

Max kommt in den kleinen Vogelkäfig und verbringt die ersten Wochen in der Lounge. Wenn immer jemand die Lounge betritt, dann macht Max mit seinen Flügeln „Flugbewegungen“, sperrt den Schnabel auf und kräht als ob er am Verhungern wäre. Wir müssen ihn alle 4 Stunden füttern, aber das reicht ihm offenbar nicht…

Weil das genetisch bedingt ist, pickt er die kleinen Fleischbröcklein nicht selber auf, sondern er lässt sich füttern. Ende Februar hat er dann angefangen „selber zu fressen“ und das war dann der Zeitpunkt in dem er in den grossen Aviary durfte.

Dort hat er die ersten zaghaften Flugversuche gemacht und als er dann flügge war, haben wir die grosse Türe des Aviary einfach geöffnet. Max hätte also „die Flucht ergreifen“ können.

Sein „Zuhause“

Max ist sozusagen im Aviary und unter Menschen aufgewachsen und hat mit diesen „sehr gute Erfahrungen“ gemacht. Schliesslich haben ihn diese pünktlich und korrekt gefüttert… Darum gab es für ihn keinen Grund sein Zuhause zu verlassen – und ausserdem hätte er sich gegen andere Peewees und grössere Vögel durchsetzen müssen.

Aber Max ist noch sehr jung, hat immer noch seinen Flaum auf dem Rücken und die ersten Flügelfedern fallen langsam ab und es wachsen neue nach. Darum bleibt er freiwillig im Aviary… dort wo er jeden Morgen und jeden Abend (immer weniger) Fleischbröcklein und Mehlwürmer bekommt.

Seine Familie

Max hat keine Peewee-Eltern, sondern nur uns als Familie. Das scheint ihm zu passen und seit er fliegen kann erkundet er seine Umgebung – vorsichtig und die Nacht verbringt er immer noch im Aviary.

Wenn jemand von uns in den Garten geht, dann kommt Max angeflogen und folgt uns im Abstand von wenigen Zentimetern. Und mit dem jungen Känguru „Pete“ versteht er sich prächtig – sie sind sozusagen Spielkameraden geworden.

Dehumanising…

Auch wenn das amüsant ist, so ist es doch nicht natürlich. Darum reduzieren wir seine Zusatzmahlzeiten stetig. Max muss lernen sich selbst zu versorgen. Wenn er dann einmal kräftig genug ist, beginnt eine neue Zeit für ihn: er muss sich selbst durchfüttern und seinen Platz rund um das Aviary als sein Revier verteidigen. Und dann gelegentlich einmal auf „Brautschau fliegen“.

Aber er wird hier bleiben – das ist ziemlich sicher.

Maria River Road Kasha….

… jetzt Jan

Mitten auf der Dirt Road Maria River Road nördlich des Hastings River findet eine russisch stämmige Anwohnerin ein verlassenes Koala Baby. Von der Mutter fehlt jede Spur und das Koala scheint in einem schlechten Zustamd zu sein. Sie packt das Kleine in eine Katzenbox und bringt es am nächsten Morgen ins Koala Hospital.

Grundsätzlich löblich, aber trotzdem falsch. Sie hätte das Koala Hospital über die Notfallnumer anrufen sollen und dann wäre ein Rescue Team ausgerückt. Sie hätten den Fundort markiert und später die Umgebung nach der Mutter abgesucht. Die Finderin konnte den Fundort nicht mehr richtig benennen… Und ausserdem hätte die Behandlung 12 Stunden früher einsetzen können…

Diagnose im Koala Hospital: die Augen sind stark entzündet und verkrustet. Das deutet auf eine Bindehautentzündung hin und ausserdem ist Jan (es hat sich später heraus gestellt, dass „Kasha“ ein Männchen ist) etwas flach und blutarm. Sein dicker Bauch deutet ausserdem auf eine Entzündung des Dickdarms hin und das ist bei Jungtieren in der Regel tödlich.

Weil bei uns gerade „Unterbesetzung“ herrscht und Susanne ausserdem einen sehr guten Ruf in der Pflege von „kritischen Fällen“ geniesst, entscheidet Chayne (zur Zeit in Sydney), dass Jan bei Susanne in Homecare kommt.

Jan bekommt im Koala Hospital eine Spritze mit Vitamin B und Eisen gegen die Blutarmut. Susanne behandelt von da an Jan zuhause mit frischen Blättern, Koala-Milch und alle 2 Tage bekommt er auf unserem Küchentisch seine zwei Spritzen.

Bei der letzten Kontrolle im Koala Hospital hat sich dann gezeigt, dass sein Bauch deutlich kleiner geworden ist und dass er offenbar diese Entzündung mit eigenen Abwehrstoffen unter Kontrolle bringen konnte. Antibiotika sind bei Jungtieren keine Lösung. Sie würden auch die lebensnotwendigen Bakterien abtöten und das wäre das Ende des Koalas…

Jan hat 70 Gramm an Gewicht zugelegt und macht wieder einen munteren Eindruck. Das lässt Hoffnung aufkommen… um die wenn er sich weiterhin gut erholt, dann wird Jan noch ein paar Monate bei uns bleiben.

„Hättisch Du mir zäh Minigrip-Büteli…?“

„Ich muss Jan’s Gäggeli sammeln und in den Tiefkühler legen…“

Aber das ist eine längere Geschichte für den nächsten Blog…

Sydney (6)

A good place to stay (for me…)

Meine erste Erfahrung mit Airbnb ist durchaus positiv. Callum ist ein Junggeselle mit Freundin – die ich allerdings nie gesehen habe. Aber gelegentlich übernachtet sie hier (geräuschlos…). 

Mein Aufenthaltsort in Callum’s Wohnung war der Balkon. Von hier oben im 28. Stockwerk in mitten von Wolkenkratzern, also etwa auf halber Höhe, geniesse ich eine seltene Art von Aussicht.

In greifbarer Nähe ein Geschäftshaus mit ziemlich „gemütlichen Geschäftszeiten“ und über eine „Zahnlücke“ hinweg der Blick auf fremde Balkone. Unter mir niedere, in die Jahre gekommene Geschäftshäuser, auf den Abbruch wartend…

Bevor die Sonne über dem Geschäftshaus unter geht, ist der Balkon ungeniessbar und etwa so gemütlich wie ein Backofen. Aber am Abend wird es kühler und ich kann mitten in sinnlos beleuchteten Büroräumen eine nächtliche „Light Show“ geniessen – in relativer Kühle und bevor ich in mein Zimmer mit geschlossenen Fenstern und mickriger „Klimatisierung“ leicht schwitzend den Schlaf suche.

Aber ansonsten ist die Lage schlicht genial. Ich bin umgeben von asiatischen Restaurants und wenn es mir „Italienisch“ zu Mute ist, dann ist Pizza besser als Pasta…

Callum sagt: „I like it clean…” Und so sieht seine Wohnung auch aus. Ich würde den Kühlschrank als „Junggesellen-Kühlschrank“ bezeichnen. Alles säuberlich für einen raschen Food vorbereitet, denn er scheint ruhelos zu sein… Nur an freien Abenden legt er sich der Länge nach auf die Coach vor seinen überdimensional grossen TV mit den stupiden Shows und tippt gleichzeitig auf seinem Handy herum. Spätestens um 10pm verschwindet er in seinem Zimmer … und kommt ziemlich pünktlich am nächsten Morgen „businessmässig“ aus seiner Bude … und ist schon wieder „auf der Flucht“.

Uber…

Ich habe mir die App nun auf meinen iPad geladen. Ich bin jetzt registrierter Kunde und damit noch intensiver „verfolgbar“. Denn damit mich der Taxifahrer auch finden kann, muss ich meinen Ortungsdienst einschalten. „Big Brother“ (Trump and his Administration) kann mich nun auf Schritt und Tritt verfolgen… falls sie das nicht schon lange machen!

Obschon ich mich mit meinem „schweizerischen“ iPad registriert habe, zeigt die Karte auf dem Bildschirm meinen Standort in Sydney und gleichzeitig alle Uber-Taxis als kleine Autosymbole in meiner Umgebung. Das ist ziemlich genial.

Ich werde das einmal in Wauchope probieren – vielleicht gibt’s diesen Service ja auch „in der Provinz“…

„Gloucester – We have to wait for 10 minutes. Feel free to stretch your legs…”

Unser Zug habe einen Vorsprung auf den Fahrplan von 5 Minuten und der XPT in Richtung Süden habe eine Stunde Verspätung, meldet der Zugführer über die Lautsprecheranlage. Man sei frei sich die Füsse auf dem Bahnsteig zu vertreten… Er werde eine Durchsage machen, wenn man wieder einsteigen solle. 

Damit dürfte die Kreuzungsstelle auf der bis kurz vor Brisbane einspurigen Strecke wohl an eine andere Ausweichstelle verlegt worden sein. Dass wir durch dieses „Manöver“ eine Verspätung einfahren werden, hat er nicht gesagt.

Nach 10 Minuten trommelt er die herum wandernden Zugreisenden wieder zusammen und es geht weiter. Verlieren kann man an dieser Haltestelle niemanden – es sei denn, einer wolle zu Fuss einen Kilometer bis Gloucester gehen…

Sydney (5)

Bus-Fahren ist nicht ganz einfach…

Als ich Callum am Morgen (er hetzt gerade ohne Frühstück und mit der Aktentasche unter dem Arm aus dem Haus…) sage, dass ich mit dem Bus bis zum Yachtausrüster Sturrock‘s fahren will, schüttelt er ungläubig den Kopf und sagt nur „Uber“… und dann ist er verschwunden.

Schon in seiner Information hat er darauf hingewiesen, dass man in Sydney nicht ein offizielles Taxi nehmen soll, sondern eines von „Uber“. In dieser Hinsicht bin ich noch hinter dem Mond – K muss noch viel lernen…

Meine Suche nach dem richtigen Bus Stop an der Train Station Museum war dann kein Erfolg. Etwas verwirrend … oder ich zu ungeduldig. Also bin ich zum Circular Quay gelaufen und habe dort die Fähre nach Darling Point um eine Minute verpasst.

Durch die Aussenquartiere von Sydney

Eine Stunde später (und nach ein paar weiteren Kilometern zu Fuss rund ums Sydney Opera House) hat mich die Fähre dann zum Darling Point gebracht. Hier begann dann eine Wanderung durch eine krass gegensätzliche Gegend. Gemütliche Häuser im Victorianischen Stil, kleine Läden, ein paar ziemlich noble Anwesen und eine gewisse Ruhe. Eine Gegend, in der sich wohnen liesse…

Die alten Bäume versperren den Blick auf die Wolkenkratzer der City – und stoppen den 24-stündigen Dauerlärm der Ventilatoren der Klimaanlagen, den Strassenlärm und die Sirenen der Polizeifahrzeuge… eine Art kleines Paradies.

Gespräch unter Seglern…

Ich muss kein zweites Mal auf die Karte schauen. Wenn sie einmal in meinem Kopf abgespeichert ist, dann finde ich den Weg. Ich trete in Sturrock‘s Laden ein… Whoouuu! Das ist ja eine Art nautisches Paradies!

Ich brauche ein paar „seltsame“ Dinge und das veranlasst Douglas (den Besitzer) zur Frage, was ich denn für ein Projekt bearbeite? Ich erzähle ihm die Geschichte von AMIGO und dann holt er seinen Partner Mathew. Beide wollen Fotos von AMIGO sehen und dann bin ich Kunde König. Douglas blockt einen Kunden am Telefon ab, denn er habe einen „important customer…“.

Die Beratung ist hervorragend und nun stecken in meinem Rucksack jene nautischen Dinge, die ich in der Provinz nicht kaufen kann.

 

Auf dem Weg zum Botanic Garden bleiben ich ein paar mal stehen – es gibt hier neben hässlichen Motorjachten auch sehr edle, klassische Segeljachten zu bewundern…

Royal Botanic Garden

Auch wenn ich diesen Botanschen Garten schon fast „auswendig“ kenne, so kann ich es doch nicht lassen, immer wieder hier her zu kommen und die Farben und Formen zu bewundern…

 

The Government House

Seit wir Honig seiner Excellence Governor General of NSW David Hurley geniessen dürfen, ist die Besichtigung des Government House fast ein Muss.

Mitten im Royal Botanic Garden residiert also seine Excellence und seine Bienen! Und den Nektar holen Sie sich von den Blumen, Büschen und Bäumen gleich vor dem hübschen Palast!

Leider bin ich am falschen Tag hier, denn die öffentlichen Führungen finden nur Freitag bis Sonntag statt. I must come back!

Sydney (4)

Spaghetti alla Carbonara – or what?

Wenn man in Australien dieses Gericht in einem „Italienischen“ Restaurant bestellt, dann muss man sich darauf einstellen, seine eigenen Kochkünste total in Frage zu stellen. Als gestern Abend im „Macchiato“ meine SallaC auf den Tisch kamen, wollte ich den Cameriere schon zurück pfeifen, um ihn zu fragen, was das für ein Gericht sei. Aber K hat in der Kindheit Anstand gelernt und darum habe ich erst einmal genauer hingeschaut… es waren tatsächlich Spaghetti, aber mit der Farbe der Zutaten konnte ich mich nicht ganz anfreunden. Es sah eher nach Bolognese aus… war es aber nicht!

Also habe ich bei Betty Bossi nachgeschaut und kann nun mit grosser Sicherheit sagen, dass mein Spaghetti-Gericht zwar vorzüglich geschmeckt hat, aber in keiner Weise etwas mit „alla Carbonara“ zu tun hatte…

Inside Sydney Opera House

Als Bühnenbauer muss ich natürlich das Sydney Opera House einmal von innen sehen. Um von den Profis zu lernen… 

Die ältere Dame ist mein Tourguide. Schon in der Begrüssung wird klar, dass dieses Gebäude „ihr“ Bauwerk ist. Sie ist mit allen Details der teuren, umstrittenen und letztlich auch tragischen Geschichte des Sydney Opera House vertraut. Jørn Utzon war ein begnadeter und kühner Architekt – aber wohl auch ein schwieriger Partner. Er ging vor der Vollendung im Zerwürfnis – und kam nie wieder nach Australien…

Aber einen Blick hinter die Kulissen gibt es leider nicht – aber wenigstens einen Blick aus den Zuschauerreihen und viel Geschichte zu diesem einzigartigen Bauwerk.

Übrigens werden die Keramikkacheln nie gewaschen – jedenfalls nicht durch Menschen. Wenn sie dreckig sind, wartet man auf den nächsten Regen… denn die knappe Million von Keramikkacheln seien „self cleaning”… Nur die Glasscheiben und die anderen Gebäudeteile müssen immer wieder gereinigt werden. Alle drei Monate – dann beginnt die Truppe wieder von vorne…

Neues von Warf 7?

Ich habe heute Nacht AMIGO fertig gebaut… und als ich dann am Morgen erwacht bin, schien es mir, als hätte ich nicht eine einzige Frage gehabt. Eigentlich müsste ich nun ein Stück Paper haben und dann eine Zeichnung machen. Denn es fehlt nur noch der Schwertkasten – und den habe ich wie gesagt heute Nacht gebaut…

Also bin ich etwas unschlüssig, ob mein Besuch im National Maritime Museum heute wirklich nötig ist – ich weiss ja nun alles…

Ich fahre erst mal mit der Ferry nach Cockatoo Island… in der irrigen Annahme, dass es dort Cockatoos gibt. Sozusagen um nachzudenken und mich zu fragen, ob ich doch nicht noch etwas übersehen haben könnte (in meinem Traum…). 

Warf 7 ist offen und die beiden Segel-Dinghys stehen auch noch dort. Ich stehe lange vor diesen alten Dinghys, betrachte jedes Detail und frage mich, ob ich bisher etwas falsch gemacht habe. Nein, sicher nicht, aber ein paar meiner Lösungen sind deutlich besser… Never stop learning!

Und doch irritieren mich zwei Sachen. Beide Dinghys haben vor dem Mast ein kleines Deck mit einem Wellenbrecher. AMIGO ist offen und wenn es auf dem Hastings River einmal etwas ruppig werden sollte, dann lade ich mir jede Menge Wasser in die Bilge…

Zweitens hat eines der beiden Dinghys einen längeren Schwertkasten, sodass man den Lateraldruckpunkt nach vorne oder nach achtern verschieben könnte. Der „Naval Engineer K“ muss dringend nachdenken…

Sydney Tower Eye

Der Turm ist 309 Meter hoch, aber sobald man etwas näher an die Wolkenkratzer heran kommt, verschwindet er hinter diesen… Das „Rennen in die Höhe“ ist auch für den Sydney Tower unerbittlich.

Es ist späterer Nachmittag und die Luft ist etwas klarer als noch am Mittag. Aber Küstenstädte haben eigentlich nie glasklare Luft. Und hinter den Scheiben, welche von der Salzluft etwas getrübt sind, ist der Ausblick nicht ganz so grandios wie ich es erwartet hätte. 

Aber es fällt mir auf, dass neben dem Business District viele grosse Parks liegen, welche ich noch nie gesehen habe… Fussarbeit für den morgigen Tag!

Sydney (3)

Auf den billigen Plätzen…

Wer eine Kreuzfahrt nach oder von Australien aus macht, will natürlich am Circular Quay und gegenüber dem Sydney Opera House anlanden… Wer eine „billige“ Kreuzfahrt gebucht hat, muss zusehen, wie sein Dampfer weit weg vom Opera House festmacht – und mit dem Bus an die noblen Orte gefahren wird… 

„Sag mir wie viel Rost an Deinem Rumpf nagt – und ich sage Dir wie teuer die Kreuzfahrt ist…“ Heute liegt die „Explorer of the Sea“ an der Pier. Ich würde als Kapitän mal einen Landgang machen und meinen „Luxusdampfer“ von aussen betrachten und anschliessend den „Chief Engineer“ bei den Ohren nehmen und der Maintenance Crew „den Gang einlegen“…

Dass dieser Pott im wahrsten Sinne „potthässlich“ ist, dafür kann der Captain nichts, aber für den Rost trägt er die Verantwortung.

Nota bene: „Queen Elizabeth“ ist ein Musterbeispiel für einen perfekten Unterhalt… 

Am Sonntagmorgen ist Sydney fast paradiesisch…

Ich bin unterwegs ins National Maritime Museum…. zu Fuss durch die Pitt Street und an jeder Kreuzung bleibe ich brav stehen. Die Rucksacktouristin neben mir tritt unbekümmert auf die Strasse – denn es herrscht ja kein Verkehr und warum soll sie bei Rotlicht „sinnlos“ warten. Sie hat den roten Holden Muscle Car leider nicht erwartet, der den Sonntagmorgen für ein paar Power Games auf der Strasse missbraucht. Mitten auf der Strasse hätte es sie dann fast erwischt…

No Timber Yachts…

Ich habe mein Ticket im Internet bestellt, denn auch dieses Museum beschränkt die Zahl der Besucher… Eigentlich kenne ich dieses Marine-Museum schon, aber es gibt jedes Jahr Spezialausstellungen. „Explorer“ heisst das Thema und es ist den Erforschern von gesunkenen Schiffen und ihrer Technik gewidmet. Das gibt einen Einblick in die Vorbereitungen zum Film „Titanic“.

Aber eigentlich bin ich auf der „Jagd“ nach einem kleinen, weissen Segel-Dinghy mit etwa der gleichen Länge und der gleichen Bauart wie AMIGO. Ich weiss in welchem Gebäude sich diese vielen hölzernen Segelboote befunden habe – aber die Türe zu „Warf 7“ sind zugesperrt. Schade…

Ich frage dann aber trotzdem noch einen Guide und der sagt mir, dass dieser Ausstellungsteil am Wochenende geschlossen sei. Dann komme ich eben morgen wieder…

Segelschiffe aus Holz – Schiffe zum Träumen…

Mo-gel-Yachten

Das sind Yachten, denen offenbar die Se-gel abhanden gekommen sind und darum durch den Mo-tor ersetzt wurden. Diese fahren nun bei herrlichem Segelwetter (3 Bft mit ein paar leichten Böen) durch die Sydney Harbour Bay. Was daran vergnüglich sein soll, kann ich mir als Segler nicht vorstellen. Aber das gehört hier offensichtlich zum „Flanieren auf dem Wasser“…

Flanieren…

Das klassische Sonntagsvergnügen von offensichtlich vielen Sydnyanern… Der Weg zum Circular Quay heute morgen war noch etwas frisch, aber mittlerweile ist es schweisstreibend feucht-heiss. Nicht einmal die leichte Seebrise hilft.

Ich genehmige mir eine Mövenpick-Glace – obschon das gegen die Hitze eigentlich nicht hilft. 

Für heute reicht es mir und als „Abkühlung“ nehme ich die Fähre (nicht ganz auf dem direkten Weg) zum Circular Quay. Von dort aus bin ich nochmals zu Fuss unterwegs – bis zur eiskalten (wirklich kalten) Dusche in meiner Absteige…

Sydney (2)

Wohin mit den alten, ehrwürdigen Gebäuden?

 Von oben (von meinem Balkon aus) wird schnell einmal klar, dass hier ein „bauliches Wettrüsten“ stattfindet. Ganz „am Boden“ vegetieren noch ein paar ehrwürdige Gebäude. Zeugen aus den Anfängen und dem Pioniergeist des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die modernen Glasmoloche haben ihnen längst jeden Sonnenstrahl verwehrt und mit jedem Jahr wird es „dort unten“ dunkler. Und der Preis für den Baugrund unter ihnen wächst in astronomische Höhen.

Aber auch die Wohnhochhäuser (damals ziemlich kühn) sind von der Salzluft angefressen. Die Ladengeschäfte im Erdgeschoss machen teils einen traurigen Eindruck und es ist klar, dass die Inhaber längst die Kündigung erhalten haben. „We’re building Sydney’s future” steht auf einer grossen Bande…

Light Rail

In der George Street fuhr einstmals eine Strassenbahn. Dann kamen die Autos und dem „Fortschritt“ zuliebe riss man die Schienen aus der Strasse. Damit man im klimatisierten Auto in Zukunft im Stau stehen konnte…

Seit drei Jahren ist dieselbe George Street eine gigantische Baustelle. Man baut wieder Schienen ein, damit man in Zukunft rasch und bequem vom Circular Quay bis Sydney Central Station fahren kann. Jene im Mercedes-SUV lernen noch langsamer als Politiker…

„Queen Elizabeth“

Ob sie schöner ist als ihre gigantischen Schwestern ist eine Geschmacksfrage. Aber der dunkelgraue Rumpf verleiht ihr eine gewisse „Eleganz“. Eine Führung durch die Infrastruktur dieses noblen Kreuzfahrtschiffes würde ich jederzeit buchen… aber dann schleunigst wieder von Bord – und auf einen Containerfrachter…

Shen Yun

“Classical Chinese dance – along with innovative multimedia effects and all-original orchestral works…“ steht im Prospekt und ist auf der Website zu sehen. Das hat mich hierher gebracht.

“it’s a great show…” sagt meine Nachbarin in Reihe G, als der Vorhang fällt und der Applaus erstirbt.

Meine Gefühle sind äusserst zwiespältig. Die Performance und die integrierten, lebendigen Hintergrund-Bilder waren faszinierend. Aber irgendwie hat das Ganze „künstlich“ gewirkt. So als hätte ein Hollywood-Regisseur den Auftrag erhalten, aus alten Chinesischen Geschichten und Musik eine Show zu produzieren. Das Ensemble und das Orchester haben ihren Sitz in New York… Nun ist mir klar, dass es nicht um ein Rivival alter Musik und Tänze ging, sondern um eine Show für den amerikanischem Publikumsgeschmack…

Sydney (1)

Garantiert nicht in Sydney wohnen…

Die Fahrt mit dem XPT ist lang und nach der Ankunft muss ich erst mal eine Stunde „totschlagen“, weil mein Airbnb-Gastgeber erst nach 5pm von der Arbeit kommt.

Ich verziehe mich vor dem enormen Lärm des City Centers in die hinterste Ecke eines Café und trinke einen Cappuccino. Aber der Schuppen liegt in China Town und wird von Chinesen gemanagt. Der Kaffee ist sehr gut, aber die Chinesen vor und hinter der Theke sind wohl allesamt gehörgeschädigt. Anders kann ich mir ihre Lautstärke nicht erklären. Zusammen mit dem Lärm der Grossstadt-Neurotiker ist das eine toxische Mischung…

Ich weiss das ja alles – warum bin ich dann trotzdem hier? Morgen werde ich die Chinesische Show „Shen Yun“ geniessen! Vor zwei Wochen habe ich den letzten Platz ergattert: in Reihe G! Das ist fast ein Lotto-Fünfer…

Und da ich nun schon mal in Sydney bin, schaue ich mir in den nächsten Tagen noch ein paar Sehenswürdigkeiten an – und nehme den Grossstadt-Wahnsinn als Beilage zur Kenntnis.

Eigentlich ist ein Aufenthalt in Sydney ruinös…

… und darum mache ich einen Schritt auf Neuland: Airbnb!

Ich habe aber eine Anforderung: ich will ins CBD (Central Business District = Stadtzentrum). Darum muss ich etwas tiefer in die Tasche greifen und für 5 Nächte 680 Dollar hinblättern. Das ist aber immer noch Welten billiger als in einem ***Sterne-Hotel zu übernachten.

Callum, 35-jährig, Engländer und seit 5 Jahren in Australien, hat eine zu grosse Wohnung im 28. Stock eines Hochhauses. Darum vermietet er ein Zimmer mit eigenem Bad.

Der Balkon, die Küche und das grosse Wohnzimmer teilen wir uns. Callum ist unkompliziert und begrüsst mich mit einem Bier und einem spannenden Diskurs übers den Schwachsinn der Britten mit ihrem Brexit.

Die Aussicht vom Balkon ist „gigantisch“ und der Lärm, der aus den Strassenschluchten ins 28. Stockwerk strömt ist nicht minder beeindruckend.

Grossstädte machen dumm…

Oder wie sonst soll ich mir erklären, warum im gegenüberliegenden Geschäfts-Hochhaus alle Stockwerke voll beleuchtet sind, obschon niemand mehr arbeitet und die letzte Putzfrau schon vor Stunden das Gebäude verlassen hat. So nach dem Motto: wenn wir schon einen gigantischen Glaspalast hinstellen, dann soll ihn jedermann auch mitten in der Nacht noch bestaunen können…

Oder wie sonst soll ich mir erklären, warum man in einer Stadt mit lauter roten Ampeln, ständigem Stau, permanenten Baustellen und irren Fussgängern, welche auch bei Rotlicht über die Strasse rennen, in einem 200‘000 Dollar teuren Mercedes SUV (oder Audi, BMW) „kriechen“ muss – anstatt einen kleinen (aber natürlich völlig un-geilen) Kleinwagen zu fahren?

Am Mittwochabend bin ich wieder in der „Normalität“. Die Milchstrasse wird glasklar leuchten, die Fruit Bats werden in Scharen vorüber ziehen und bevor die ersten Regentropfen fallen, werden die Frösche aus Freude zu quaken beginnen…

Erstens…

  • Erstens kommen sie auch dann nicht früher, wenn sie das als Möglichkeit andeuten…
  • Zweitens kommen sie nie dann, wenn sie kommen sollten…
  • Drittens kommen sie immer zu spät. Ohne von unterwegs den Verzug anzumelden…
  • Viertens kommen sie garantiert ohne passende Ersatzteile, obschon sie wissen, was sie bauen oder installieren müssen…
  • Fünftens sieht ihr Werkzeugkasten aus wie dass Gebiss eines Hundertjährigen, der nie einen Zahnarzt gesehen hat…

Die Rede ist von Handwerkern

Wir haben vor vier Wochen einen zusätzlichen Regenwassertanks bestellt. Gestern wurde er geliefert.

Die Vorbereitungen

Wassertanks sind aus UV-beständigem Polyaethylen. Dieser Kunststoff ist ziemlich weich und damit der Tank unter der Last von 15‘000 Litern Wasser (das sind rund 15 Tonnen) nicht wie ein Ballon platzt, sind ein paar Verstärkungen eingebaut. Spitzige Steine auf dem Fundament würden durch den Plastik hindurch stechen… und darum muss das „Bett“ aus Sand oder Crusher Dust oder einer Betonplatte bestehen und topfeben sein.

Ich habe gebuddelt, einen Rahmen gebaut, aufgefüllt und nivelliert. Dann gewässert, damit sich der Crusher Dust setzen kann. 

Luna (Susannes Airedale) ist natürlich über die Absperrung gesprungen und hat mit Lust im weichen Fundament gebuddelt. Also wieder auffüllen und nivellieren…

 Abladen 

Unser Tank liegt auf dem Anhänger dieses „Oversize“ und ist derart stark mit Gurten festgezurrt, dass er auf der Unterseite ziemlich eingedrückt ist. No worries, sagt der Truckdriver, der vorher beim Einfahren in unseren Vorplatz die Schiene des elektrischen Schiebetors beschädigt hat. Er sagt, dass der Tank nach ein paar Tagen in der Sonne wieder seine „normale“ Form einnehmen werde…

Drei Mann drehen nun den Tank um 90 Grad, damit man ihn vom Trailer rollen kann. Aber beim Aufladen im Werk hat der Stapplerfahrer die Abrollrampe so stark verbogen, dass man den Tank nicht abladen kann.

Der Truckdriver hat aber kein Werkzeug dabei. Seine Werkzeugkiste enthält nur:

  • einen Kronenbohrer 2“ Durchmesser
  • eine Akkubohrmaschine
  • ein Stück Draht
  • ein Seil

Um die verbogene Abrollrampe doch noch benützen zu können, muss ich aus meinem Shed einen grossen Hammer holen…

Positionieren

Wir rollen den Tank bis zum Fundament und dann „one – two – three“ kippen wir ihn über die Kante auf das Fundament. Mit viel Schieben und Drehen kommt er dann dorthin, wo ich ihn haben will. 

Ich habe einen 1 1/2 inch Auslass beschafft mit dem passenden Ventil und einen 1 inch Auslass mit Ventil für den Schlauch zum Auffüllen des Pools.

Weil aber der Truckdriver nur einen 2 inch Kronenbohrer hat, kann er nur ein grosses Loch bohren und das mitgelieferte Ventil einbauen…

Das kleine Ventil

Am nächsten Morgen muss ich in Wauchope einen passenden Kronenbohrer und einen grossen Gabelschlüssel kaufen und das kleine Ventil selber einbauen. Etwas umständlich, wenn man das alleine machen muss und es ausserdem zu regnen begonnen hat…

Ich fülle den Tank etwa zu einem Fünftel und prüfe, ob alles dicht ist. Perfekt.

Nun muss ich nächste Woche noch beide Tanks verbinden und dann kann der grosse Regen kommen. Mit gesamthaft 50‘000 Litern sollten wir in Zukunft auch eine längere Trockenzeit überstehen können…

Arbeitssicherheit…

Der Truckdriver belächelt meinen Helm… Seine Füsse stecken in Flipflops. Er hat weder Handschuhe, noch einen Helm. Er zeigt belustigt auf seine „nackten“ Füsse und sagt: „Chinese Safety Boots…“. Übrigens: Autofahren in Flipflops ist verboten – ich nehme an, das gilt auch für Lastwagen.

Warning: “Coarse Language“

oder der alltägliche Wahnsinn in Beziehungen…

Wir sind gute 10 Tage vor der Hauptprobe mit den Bühnenbau-Arbeiten fertig geworden. Das hat Seltenheitswert und spricht für Jim Matsinos, den Director der schwarzen Komödie „Dinner“ von Moira Buffini.

Die „Eigenheiten“ von Directors

Jim hat vor Jahren in Sydney Bühnenbilder entworfen und beim Bau mitgearbeitet. Er versteht sein Handwerk – bis er an mich gerät… Wenn Jim seine Vorstellungen skizziert, dann sieht das aus, als wäre ein schlechter Mittelschüler gerade dabei seine erste dreidimensionale Zeichnung anzufertigen. Eigentlich erstaunlich bei so vielen Jahren an praktischer Erfahrung. Ich „übersetze“ dann sein Gekritzel in eine „schöne“ Zeichnung … „aaawhouu yes that’s what I mean…”

”He doesn’t like tape…”

Es ist ja nicht so, dass wir pfuschen beim Bau. Aber wir sind auch keine Uhrmacher und darum decken wir Spalten und Schlitze immer mit Abdeckband zu. Denn nach dem Bau der Holzkonstruktionen werden diese immer mit wasserbasierter Farbe gestrichen – und dann wären dunkle Spalten hässlich und darum das Klebeband…

Als ich die ersten Meter Klebeband sorgfältig über die Kanten der grossen Torbogen klebe, machen meine Kollegen seltsame Grimassen. Jim hat etwas gegen Klebebänder – auch dann, wenn man sie nach dem Überpinseln nicht mehr sieht (jedenfalls nicht aus den Zuschauerreihen). Ich lasse jedem seine Marotten – es sei denn, dass diese meine Arbeit behindern. Und darum klebe ich weiterhin alle Kanten mit Klebeband ab.

Kuchen von Burkharts…

Aber natürlich hat Jim auch seine positiven Marotten. Er fährt jeden Morgen bei Burkharts Organic Bakery vorbei und holt dort eine Deutsche Spezialität (Russenzopf oder German Kringel). Dann schneidet er diese herrlichen Süssigkeiten in Stücke, legt sie auf ein Geschirr und braut frischen Kaffee für den „Tea Break“. Diesen Service gibt’s nur bei Jim.

Bei anderen Directors essen wir Güetzli aus dem Supermarkt. Seit ich dabei bin kommen sie von Aldi… Kulturwandel zum Besseren!

Vorhang auf…

Bei der Hauptprobe sehen wir „unser Werk“ zum ersten Mal. Obschon wir wochenlang am Bühnenbild gearbeitet haben, ist dieser erste Blick aus dem Zuschauerraum immer wieder faszinierend.

„Dinner“ ist ein Blick in die Abgründe von zerrütteten Beziehungen. Die Sprache ist darum „wenig diplomatisch“ oder gar von Liebe geprägt. Wenn in einem Theaterstück Wörter wie „Shit“ oder „Fuck“ vorkommen, dann muss die Theaterleitung das bereits im Programm und beim Eingang zum Zuschauerraum deutlich anschreiben. Yes we are sill a little bit British in Australia…

Ein Ende mit Blutlache…

Der Butler wird zustechen… das wird im Laufe dieses Feuerwerks der Abgründe immer klarer – aber nein, nicht der Ehemann lässt sein Blut auf den Bühnenboden fliessen…

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