Es geht nichts über eine kalte Dusche
Zwei Wecker sind auf 05:45 programmiert – sicher ist sicher, denn mein Greyhound Bus fährt um 7:30 im Information Centre ab. Wenn ich den verpasse, sitze ich in der Tinte…
Wenn ich am früheren Morgen einen Termin nicht verpassen darf, dann schlafe ich unruhig und wenn mir dann die Federn der weichen Matratze in die Seite stechen, dann bin ich ohnehin genervt… Da hilft nur noch die kalte Dusche und ein Frühstück in der kühlen Morgenluft. Ich habe alles terminlich gestern Abend durchgespielt und dann spule ich mein Programm ab.
Um 6:10 in der noch dunklen Nacht draussen als erster Gast im „Bambino Espresso“ ein Frühstück geniessen – das hat seinen Reiz.
Zurück im Motel packe ich ein, scanne den Raum ab und lasse die Türe ins Schloss fallen. Es geht los…
Greyhound und die fehlende Buchung…
Es stehen bereits viele Aboriginals mit Sack und Pack, Kissen, Schlafsäcken, Plastiksäcken an der Haltestelle und warten auf den Bus. Wo sie wohl hin wollen?
Der Bus Driver öffnet die grosse Klappe des Gepäckfachs und ich will schon meinen Rollkoffer hinein schieben – er stoppt mich und will zuerst mein Ticket sehen. Aber mein Name steht nicht auf seiner Liste…
Er sucht und sucht, holt seinen Kollegen, auch der findet nichts und dann fragen sie: “Where to go?” “Longreach…” “That’s the bus behind this one…” Alles klar… auf der Anzeigetafel über der Frontscheibe steht „Brisbane“ – das stimmt richtungsmässig…
Seat 5A – sagt mein Ticket – Premium Seat. Ich setze mich ans Fenster auf 5A. Wie unterscheidet sich ein Economy Seat von einem Premium Seat? Ich suche die Reihen vor mir und hinter mir ab und kann keinen Unterschied in der Bestuhlung feststellen. Ausserdem habe ich ein „Premium Package“ für 12 Dollar bestellt – ohne zu wissen, was das beinhaltet… schön blöd!
Ich mache es mir „bequem“ im sehr knapp bemessenen Beinraum, schnalle mich an und dann fährt der Bus Driver los. Es ist gerade Morgen geworden und die Landschaft sieht noch kühl und „erfrischt“ aus.
Der zweite Fahrer redet noch ein Weilchen mit dem Fahrer, dann packt er seine Sachen, verzieht sich in die hinterste Reihe und legt sich schlafen…
Grüner könnte es nicht sein…
Ich bin schon oft ins Outback gefahren – das Outback hat eine typische Farbe: braun und rot. Aber heute ist davon nichts zu sehen: alles ist Grün – grüner geht es nicht. „We had a good rain in March…” hat gestern Phillip gesagt, als wir den Leichardt River überquert haben und immer noch etwas Wasser drin lag…
Nach zwei Stunden…
hält der Driver an einer Tankstelle an – alles aussteigen – es ist Kaffeepause. Ich hole mir an der Theke ein Chai Latte, vertrete mir die Füsse und klemme mich wieder in meinen Sitz. Wir haben die Gebirge (Great Ranges) in Cloncurry hinter uns gelassen – nun ist es flach bis nach Longreach.
Ankunft und Begrüssung in Longreach
Der Wasserturm im Zentrum von Longreach ist von weitem zu sehen – alles ist flach rund herum. Mein Motel hat weder andere Gäste, noch ist die Reception besetzt. Ich habe per SMS den Code für die Türe bekommen…
Es ist noch zu früh, um die Füsse hoch zu lagern und darum mache ich mich auf in Richtung Zentrum…
Ich höre zu, freue mich über die kleine Abendmusik und klatsche am Ende des Stückes. Ich bin der einzige Zuhörer und alle freuen sich über meine Reaktion!
Longreach ist am Sonntagnachmittag so tot wie alle Outback-Städte. Es ist wärmer als in Mount Isa, es weht kein ein Lüftchen und ich suche mir ein Pub: ich brauche dringend ein Bier…
… und frische Socken! Also mache ich mich auf den Rückweg, mache mich „stadtfein“ und beschliesse im „Little India“ ein Beef Vindaloo zu essen. Nachdem die Magenkrämpfe fast verschwunden sind, kann ich dieses Experiment ja mal wagen…
