Stand Dienstag 4. März 2025
Tropical Cyclone „Alfred“ hat immer noch Stärke 2 und ist nun am Knickpunkt seiner Zugbahn angelangt. Heute Abend wird er sich in Richtung Küste bewegen…
Krisensitzung
Nachdem die Gemeindeverwaltung von Noosa die Strände hat sperren lassen und die Bewohner mit verschiedenen Warnungen „versorgt“ hat, wurden wir auch noch darüber informiert, dass das Stromnetz ausfallen könnte…
Nach dem Breakfast sind wir zusammen gesessen und haben unseren „Plan“ gemacht: Food, Wasser, Strom, Windsicherung, Sichern der Tiere, Analyse der möglichen Schäden…
Jeder hat seine Jobs gefasst. Ich bin für das Wasser, den Strom und die Notbeleuchtung zuständig.
Wasser
Wenn der Strom ausfällt, dann fördern die Pumpen auch kein Wasser mehr. Trinkwasser kann man in grossen Flaschen bereitstellen, aber die Toiletten kann man nicht mit Mineralwasser spülen… Also muss ich eine Zapfleitung bauen, damit wir aus den vier Regenwassertanks auch Wasser entnehmen können – ohne Pumpen – nur mit Hilfe der Gravitation. So lassen sich im Ernstfall fast 80‘000 Liter entnehmen – alles mit der Spritzkanne…
Strom
Nun haben wir eine sehr leistungsfähige Solaranlage auf dem Dach – sie liefert auch bei bewölktem Himmel mehr Strom, als wir verbrauchen. Aber liefert sie auch Strom wenn das Netz „schwarz“ ist? Das ist eine Frage, die ich mit dem Lieferanten noch klären muss.
Ich habe heute vorsorglich Arbeitsplatzleuchten im Taschenformat bei Bunnings gekauft. Bunnings war gestossen voll mit Leuten – sie wollten alle das Gleiche: Butangas-Kartuschen für den Camping-Kocher und Taschenlampen… Ab morgen werde diese Dinge ausverkauft sein. Und Wasser in den grossen Flaschen wird es in den Supermärkten auch nicht mehr geben…
Windsicherung
Das BOM (Bureau of Meteorology) hat zwar die Windstärken von 120km/h reduziert, aber der Winddruck bei 100km/h ist trotzdem enorm: 720kg pro Quadratmeter, wenn der Wind senkrecht auftrifft. Das ist an der Grenze für eine Fensterscheibe…
Das Zelt für den Mäher habe ich auf der Rückseite geöffnet – damit der Wind durch das Zelt hindurch fegen kann. Sonst würde er es vermutlich weg blasen…
Wird es viel Regen geben?
Wir sind es gewohnt, uns auf die Meteorologen zu verlassen – und auf die „sensationellen“ Ankündigungen im Fernsehen…
Ich bleibe lieber bei der Physik und dem Gesunden Menschenverstand. Wenn der Tropical Cyclone am Freitag in Brisbane auf Land trifft, dann sind wir gute 100km nördlich des Zentrums. Und darum werden wir Wind aus Westen erhalten – und dieser Wind hat um das Zentrum des TC einen langen Weg hinter sich. Er wird der Küste südlich von Brisbane sehr viel Regen bringen und vermutlich zu Überflutungen führen, aber dieser Wind ist nach dem „Ausregnen“ lange Zeit über das Inland geflossen und kommt bei uns aus Westen relativ trocken an – rechtsdrehend um das Tiefdruckgebiet herum…
Ich erwarte darum keine grossen Niederschläge für Black Mountain…
Stand Mittwoch 5. März 2025
Tropical Cyclone Albert bewegt sich mit etwa 12km pro Stunde in Richtung Brisbane. Am Donnerstagmorgen erreicht er die Küste und gleichzeitig verliert er an Stärke und wird zur Category 1. viel Wind wird es rund um das Zentrum immer noch geben und vor allem viel Regen südlich des Zentrums.
Susanne und ich sitzen in der Sonne…
und geben den fünf Kängurus ihre Milch. Einige sind ‚Schnelltrinker‘, andere lassen sich Zeit. Es bläst ziemlich genau aus Westen, der Himmel ist nur leicht bewölkt und ich vermute, dass die Windstärke 5 bis 6 Beaufort beträgt.
Die riesigen Gum Trees mit den frischen Blättern bewegen sich unter dem Druck des Windes nach Osten. Die Kräfte im Wurzelstock müssen gewaltig sein – aber diese Bäume haben schon manchen Sturm ertragen.
Die Kängurus stören sich nicht am Rauschen des Windes in den Bäumen – sie geniessen den „Drink“ und gegen Ende der Fütterung gibt es gelegentlich eine kleine Rauferei um den letzten Tropfen in den Flaschen…
Kleine Meteorologie…
Wir haben verlernt, uns mit der Physik in unserer Atmosphäre zu beschäftigen – wir betrachten die Symbole in den Apps und die schnellen Infos zum Wetter im Fernsehen – aber was steckt dahinter?
Der TC Albert ist ein extremes Tiefdruckgebiet. Er ‚saugt‘ die Luft über dem Meer in sich hinein, die Luft steigt auf und strömt „rechtsdrehend“ als feuchte Luft aus dem Zentrum heraus.
Wer westlich oder südlich des Zentrums liegt, der erhält nicht nur viel Wind mit Sturmstärke, sondern auch sehr viel Regen und einen steigenden Pegel des Meeres.
Wir liegen nördlich und haben darum Wind aus Westen – die Luft ist bereits „ausgeregnet“ und bringt kaum noch Regen aus Westen.
Es braucht also keine Fernseh-Sensationen, sondern nur ein bisschen Physik…
Der „Notfall-Wasserhahn“
Wenn der Strom ausfallen sollte, dann müssen wir eben mit der Giesskanne „zum Brunnen“ gehen und dort Wasser holen…
